Ängste lähmen mich

Hallo

Momentan kommt es mir so vor, als würde ich gerade die Kantizeit noch einmal durchmachen, diesmal aber zusätzlich noch mit kleineren Panikattacken. Ich fühlte mich damals verloren in einem Meer von jungen Leuten und Möglichkeiten und Überforderung und Druck - genau wie jetzt wieder. Ich (24) gehöre bei meiner Ausbildung zu den eher schwächeren und auch sozial konnte ich mich bis jetzt nicht wirklich eingliedern. Jeden Abend überkommt mich eine Panik vor dem nächsten Tag, ich erlebe ständig Ängste (z.B. zu versagen, nicht akzeptiert zu werden, im Unterricht nicht mitzukommen, sozial etc). Es geht so weit, dass ich mir selber denke, dass ich nichts, in keinem Bereich (auch ausserhalb der Schule), kann und niemals etwas abschliessen werde. Diese Ängste und Gefühle lähmen mich z.T. regelrecht, es fühlt sich scheusslich an. Ich versuche mich auf positive Gedanken zu bringen, gehe raus, treibe Sport, versuche Spass an einer Sache zu haben usw. Dies gelingt mir zwar manchmal, doch all das negative breitet sich danach schnell wieder aus. Ich hänge mittlerweilen nicht einmal mehr wirklich am Leben. Manchmal denke ich mir so ein Verkehrsunfall wäre doch erlösend. Endlich mal Pause. Nicht dass ich Selbstmordgedanken hätte. Aber eben, wenn mir was zustossen würde wäre es mir egal. Es ist mir auch schon passiert, dass ich mich in lauter Panik wieder selber verletzt habe. Nichts grosses, nur um den Druck loszuwerden und mal etwas anderes zu spüren als immer nur diese Gedanken und negativen Gefühle. Ich denke oft darüber nach, ein Praktikum zu machen oder eine andere Ausbildung mit mehr praktischer Arbeit, doch im Moment traue ich mich nicht einmal, mich zu bewerben. Mein Selbstbewusstsein ist am Boden.

Wie kann ich einen Weg da raus finden und endlich mutig sein und erkennen, was ich wirklich kann? Therapie hab ich schon probiert. Ab wann geht man in eine Klinik? Danke für eure Tipps.

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

Pause vom Müssen

Liebe Tara

Es liest sich so, als würdest Du Dich im Moment zu allem zwingen, was Du tust. Selbst die „positiven“ Dinge tust Du einzig, weil Du weisst, dass sie Dir gut tun sollten. Alles ist ein Müssen, alles machst Du unter Druck. Ich kann mir gut vorstellen, dass das zu Überforderung und Angst führt, es schnürt einen zu. Hättest Du denn die Möglichkeit, eine Pause zu machen? Eine Pause vom Müssen. Eine Pause, um wieder herauszufinden, was Du wirklich brauchst? Um herauszuspüren, worauf Du wirklich Lust hast, was Du wirklich willst vom Leben? Um dann erst in einem zweiten Schritt zu erkennen, was Du Du gut kannst. In der Zwischenzeit könntest Du ja irgendeinen Job machen, um ein bisschen Geld zu verdienen. Lebensläufe brauchen manchmal kleine Schlenker, um herauszufinden, wo man hinwill. Oder Du meldest Dich in einer Klinik und machst auf diese Weise eine Auszeit. In eine Klinik geht man meist dann, wenn der Alltag nicht mehr zu bewältigen ist und eine ambulante Therapie nicht ausreicht, um klarzukommen. Aber auch wenn Du Therapie bereits probiert hast, würde ich Dir raten, es wieder zu probieren. Zu einem Arzt würdest Du ja auch jederzeit wieder gehen, wenn mit Deinem Körper etwas nicht stimmte. Manchmal braucht es einen Therapeutenwechsel, um vorwärts zu kommen. Oder man ist in einer neuen Lebenslage und was man das letzte Mal erarbeitet hat, funktioniert nicht mehr. Probier es einfach. Ängste und Panikattacken sollte man angehen.

Ich wünsche Dir alles Gute und etwas Ruhe, liebe Grüsse, Mika

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