Alle mir nahestehenden Personen verstehen mich nicht

Hallo,

Bezüglich meiner Alternativen zum Gymnasium hab ich mit meinen Eltern schon gesprochen. Ich bin ein Jahr später vom Kindergarten in die Grundschule, weil ich einfach damals schon schüchtern war und ich den Sprung in die Schule noch nicht machen konnte. Das bedeutet, dass ich gerade schon mit jüngeren Mitschülern in der Klasse bin, womit ich derzeit zwar kein Problem habe, aber würde ich jetzt wiederholen würde ich mit 2 oder sogar 3 Jahren jüngeren Schülern in die Klasse gehen, und da wäre der Altersunterschied schon gravierend. Meine Mutter sagt mir deswegen immer wieder (und das bei fast jeder schlechten Note, die ich ihr zeige), ob sie mich doch nicht an der Realschule anmelden solle. Ich fühle mich unter Druck gesetzt und ich glaube sie versteht mich nicht. Sie gibt sich Mühe für mich, aber sie setzt mich auch oftmals unter Druck, der mir nicht hilft. Ich habe nicht in jedem Fach in der Schule Probleme, in manchen bin ich sogar auf einer 2, doch ich hab viele Problemfächer, die mich belasten. Ich bin ja deswegen auch schon seit fast einem Jahr in Nachhilfe, die natürlich auch ihre Kosten mit sich bringt und darum fühle ich mich auch gegenüber meinen Eltern verpflichtet, mich zu bemühen. Ich weiß nicht, ob ein Schulwechsel das Richtige wäre. Ich hab mir trotz meiner Schüchternheit einen großen Freundeskreis aufgebaut, was mich viel Zeit und Überwindung gekostet hat. Ich würde mit allem von vorne beginnen müssen. Neue Lehrer, neue Schülern, neue Fächer etc.

Ich musste auch meinen Fußballverein schon unfreiwillig wechseln, hab da auch ein komplett neues Umfeld dementsprechend um mich rum gehabt. Das war auch kein leichter Schritt das zu tun, zumal nebenher ich ja die Schule nicht aus den Augen verlieren durfte. Ich hab mich aber entschlossen nach langen Überlegungen den Verein zu wechseln, weil ich mich öfters unfair behandelt gefühlt hatte. Deswegen traue ich auch jetzt fremden Menschen nicht wirklich, weil ich negative Erfahrungen mit anderen Leuten hatte. Und was wenn in der Realschule wieder sowas käme?

Was wenn ich schlechte Erfahrungen mit meinen neuen Mitschülern machen würde?

Auf die Frage , was ich denn vorhabe im beruflichen Leben später, habe ich mir noch keine Gedanken gemacht bzw machen können, weil ich noch nicht weiß was ich wirklich will. Ich hab deswegen Angst, dass ich mich zu spät entscheide und deshalb die falsche Entscheidung treffe. Diese Angst hatte ich auch vor meinem Vereinswechsel und ich kann nur schwer mit dem abschließen, was sowieso schon vorbei ist, deswegen will ich nichts falsch machen. Ich hoffe du verstehst mich einigermaßen, weil alle mir nahestehenden Menschen tun das nicht bzw können es nicht, weil sie sich nicht in mich hinein versetzen können.

Liebe Grüße

Andrew

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

Gib deinem Umfeld eine Chance

Hallo AndrewIch rate dir, dass du versuchst das Gymnasium in deiner Klasse durchzuziehen wegen all den Gründen, über die wir uns schon ausgetauscht haben: 1. Alle Zukunftsperspektiven bleiben dir offen. (Übrigens, es ist ganz ok, dass du noch nicht weisst, wo es hingehen sollte beruflich. Und es ist auch so, dass viele Wege nach Rom führen – das heisst es gibt für viele Berufe verschiedene Ausbildungswege. Also mach dir jetzt mal noch keinen Kopf). 2. Du bleibst in deinem grossen Freundeskreis. 3. Du verfügst über das nötige Wissen und Können (- damit meine ich, dass du intelligent bist). 4. Ganz wichtiger Punkt: DU möchtest auf dem Gymnasium bleiben!Wie ich das letzte Mal schon geschrieben habe, hast du das Schulproblem nicht, weil du nicht genug intelligent bist, sondern wegen Dingen, die psychisch schwierig sind (Versagensängste, Blockiertheitsgefühle, kritische Gedanken über die Gesellschaft). Diese Dinge halten dich vom Lernen ab. Diese Probleme kann man in einer Psychotherapie gut lösen. Damit du also in deiner Klasse bleiben kannst, wäre es sehr wichtig, dass du dir therapeutische Hilfe holst.Sieh die Alternativen zum Gymnasium jetzt mal nur als entfernte Lichtblicke an. Sie bedeuten, dass es im Falle des Gymnasiumabbruchs schon irgendwie weitergehen würde. Natürlich wäre das für dich mit einem grossen sozialen Stress (auch wegen deinen negativen Erfahrungen!) verbunden. Auf diesen Stress könntest du dich aber immer noch vorbereiten, falls es tatsächlich soweit kommen würde. Aber konzentrieren wir uns jetzt mal weiter auf das aktuelle Ziel: Du möchtest am Gymnasium bleiben!Das mit den jüngeren Mitschülern beim Wiederholen fände ich (von Aussen her betrachtet) nicht ganz so problematisch wie du. Du fühlst dich ja jetzt wohl mit Jüngeren, dann würdest du sicher mit ein bisschen Jüngeren auch noch klar kommen. Und du würdest deine jetzigen Klassenkameraden immer noch sehen. Aber auch hier konzentrieren wir uns jetzt mal auf ein anderes Ziel: Du möchtest in deiner Klasse bleiben!Alle die dir nahestehenden Personen verstehen dich nicht. Zum Beispiel deine Mutter – sie gibt sich zwar viel Mühe, aber setzt dich unter Druck. Das kannst du ihr sagen. Wenn du deinem Umfeld deine Gefühle und Gedanken nicht mitteilst, dann ist das ganz logisch, dass sie sich nicht in dich hineinversetzen und dich nicht verstehen können. Gib ihnen doch eine Chance!

Wenn ich deine Gefühle und Gedanken nicht kennen würde, könnte ich dich auch nicht verstehen. Jetzt aber verstehe ich dich. Ich würde mich sehr für dich freuen und ich fände es wichtig, dass du nicht nur bei mir, sondern auch bei anderen Personen die Erfahrung machst, bei der du merkst: Hey, die verstehen mich!Jetzt kommt das Gleiche wie immer: Melde dich bei deiner Therapeutin! Sie kann dir dabei helfen, wie du auf dein Umfeld zugehst.Du hast hier online schon viel erreicht, in dem du dich so geöffnet hast! Es ist aber ganz wichtig, dass du das auch in zwischenmenschlichen Kontakten im Gespräch lernst und nicht nur beim Schreiben. Du schreibst ja von Problemen im Sozialen mit deiner Schüchternheit und deinen Ängsten. Diese sehe ich ja nicht, wenn du davon schreibst. Deine Therapeutin, die dich vor ihr sieht, würde dir viel konkretere Tipps geben, wie du dich verhalten könntest. Solange du deine Krise hast, ist es wichtig, dass du dich ausgiebiger mit jemandem austauschen kannst als wir das hier machen.Das packst du schon mit dem Zugehen auf die Therapeutin! Versuch es mit den Tipps, die ich dir in den letzten beiden Nachrichten geschrieben hab.Nur das Beste,Sophia

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