Angst vor Zukunft

Suizidgedanken(versuche), stress, angst vor Zukunft

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

Du bist nicht allein

Liebes TurkishGirl

Du scheinst dich in einer turbulenten, belastenden Lebensphase zu befinden. Dich plagen Suizidgedanken, hast auch schon Versuche durchgeführt, du hast Stress und Angst vor der Zukunft. In gewissen Zeiten ist das Leben sehr hart und man hat das Gefühl, man könne es gar nicht mehr führen. Musst du es denn alleine schaffen? Oder gibt es Personen in deinem Umfeld, mit denen du über deine Probleme und Ängste reden kannst? Falls dir niemand in den Sinn kommt, hast du dir schon mal überlegt, zu einer Psychologin zu gehen, um mit einer Fachperson zu reden und gute Tipps für schwierige Situationen zu bekommen? Manche Phasen kann man alleine nicht durchstehen, da braucht man Menschen, bei denen man sich ausheulen kann, denen man sich anvertrauen kann, damit man merkt, dass man mit seinen Problemen nicht alleine ist, einen guten Rat kriegt oder einfach ein offenes Ohr, weil es gut tut, über Probleme zu reden. Auch über deine Zukunftsängste zu reden würde dir gut tun, vielleicht tun sich dir Möglichkeiten auf, an die du selber noch gar nicht gedacht hast, was du mit deinem Leben alles anfangen könntest, ausser das, was du bisher im Kopf hattest. 

Finde ausserdem weitere Strategien, um mit deinem Stress und deinen Ängsten umzugehen. Probiere ein gesünderes Gleichgewicht zwischen den Sachen zu finden, die dir Freude bereiten und den Sachen, die du machen musst - aber eigentlich nicht unbedingt willst. Es kann manchmal ganz schön schwer und anstrengend sein, Dinge zu finden, die man gern macht und die einem gut tun. Überleg dir doch mal, was du wirklich gut kannst? Worin bist du gut? Könntest du das häufiger machen oder vielleicht sogar zu deinem eigentlichen Lebensinhalt machen? Überleg dir mal, wann du glücklich bist oder warst und ob du Faktoren aus diesen glücklichen Situationen auf viele andere übernehmen könntest. Z.B. macht dich das Zusammensein mit Kindern glücklich? - könntest du dir vorstellen mit Kindern zu arbeiten / eine Ausbildung dafür zu machen? Oder geniesst du gutes Essen? Könntest du häufiger für dich in der Freizeit kochen, backen oder neue Rezepte ausprobieren? Oder machst du gerne Musik? Könntest du einem Chor oder einer Band beitreten? Es gibt ganz sicher etwas, was du gerne machst oder/und gut kannst, das müssen überhaupt nicht meine Beispiele sein. Aber überleg dir, wie du häufiger dazu kommst, deine Stärken und Vorlieben in deinem Alltag anzuwenden. 

Was sind denn die Faktoren, die dir an der Zukunft angst machen? Weisst du nicht, was du machen sollst? Vielleicht könntest du mehr auf dich zukommen lassen. Oder hast du angst, die falschen Entscheidungen zu treffen? Hier könntest du dir überlegen, ob es wirklich richtige und falsche Entscheidungen gibt, oder einfach passendere und weniger passende. Du könntest dir mal eine Liste mit Zielen machen für deine Zukunft. Was möchtest du mal erreichen in den nächsten 10 Jahren? Schreibe grosse und kleine Ziele auf. Ein grosses Ziel kann z.B eine Familie gründen oder ein Schul-/Ausbildungsanschluss sein. Diese Ziele sind nicht von heute auf morgen umgesetzt, du bist noch abhängig von anderen und du musst viele Zwischenziele dafür erreichen. Es ist gut diese Ziele zu kennen, sie zum geeigneten Zeitpunkt zu verfolgen, aber lass dir für so grosse Ziele Zeit. Kleine Ziele können tagesabhängig sein, oder ein Ziel pro Woche, oder in dem Monat möchte ich noch XY erreichen. Schreib mal alles auf, was du willst. Du wirst nie alles erreichen können, das schafft kein Mensch. Aber vielleicht merkst du beim Verfolgen von deinen Zielen auch, das andere Sachen noch besser zu dir passen, und du an gewissen Dingen festgehalten hast, die dich gar nicht so glücklich machen und du merkst, dass du eigentlich ganz viele Wege offen hast, von denen du jetzt noch gar nicht wissen kannst, welcher der richtige für dich sein wird  - bis du ihn betreten wirst. 

Du hast einen ersten guten Schritt gemacht - uns geschrieben. Lass dich mit deinen Sorgen nicht allein, sondern hol dir Rat und Hilfe bei anderen. Wenn es gar nicht mehr geht, kannst du auch mal hier anrufen: 147 (Schweiz), oder 11611 (Deutschland) oder uns einfach nochmal schreiben, was dich denn genau so belastet.

Ich wünsche dir alles Gute

Claire