Angst vor dem Stiefvater

Jetzt hab ich ganz lange nicht geschrieben und dabei ist sovieles vorgefallen! Ich kriege immer mehr Angst vor meinem Stiefvater und je mehr ich mich fürchte, desto schlechter geht es mir und desto mehr brauch ich meine Familie und meine Freunde.

Meine Freunde sind ja echt lieb, sie versuchen ja mir zu helfen, aber sie sagen einstimmige: So geht das nicht weiter, du musst einfach mal weg von Zuhause. Aber gerade das macht mir Angst. Und nächtelang liege ich wach und denke nach, was ich tun soll.

Ich hätte genugend Gründe um wegzugehen, auch Fotos. Ich habe vom letzten Streit sogar Narben behalten, gut sichtbare. Aber die körperlichen sind längst nicht so schlimm, wie die seelischen. Wir waren im Lager, da hat es einen Jungen, der auf den Ruf meiner Freundin auf mich zukam, um sie zu befreien (Kitzelatacke von mir). Er war recht grob und da kriegte ich schreckliche Angst vor ihm, einfach so. Ich glaube, ich fange an zu spinnen!

Ich hab auch Albträume, dass mein Stifvater mich umbringen will und lauter solchen Blödsinn. Und wenn ich solche Sachen denke, träume, dann hab ich immer ein schlechtes Gewissen. Meine Freunde sagen, das müsste umgekehrt sein.

Ich weiss immernoch nicht, was ich tun soll. Es ist einfach aussichtslos. Und diese Situation ist für mich nicht tragbar, ich hab schon Riesenärger mit der Schulleitung, bin aus dem Lager geschmissen worden und zuhause hab ich àrger, weil ich meinen Kummer anderen erzähle und es dann zu Mama zurück kommt. Ich muss irgendwie da raus kommen! Habt ihr eine Ahnung wie?

PS: Ich gehe jetzt auf Rat einer Mitarbeiterin vom X zur Psychiatrin.

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

den Mut haben, eine Pause zu machen

Liebe Melinda

das wird ja wirklich immer schlimmer und langsam spürst du auch, wie die Angst dir in Fleisch und Blut übergeht. Du hast Angst vor Rammeleien - auch mit anderen - und du hast Albträume. Das sind beides Zeichen, dass du in dauernder Angst lebst und es keine Entlastung mehr gibt.

Weisst du, wenn du mal weggehen würdest, so hiesse das ja nicht, dass du dann weg von der Familie wärst. Ich nehme an, dass du Angst hast, dass du dann ganz aus der Familie fällst und nie mehr richtig dazugehören wirst.

Das ist aber nicht so. Ich glaube auch, dass es eine Entlastung sein könnte und ihr vielleicht so einen Weg finden könntet, wie ihr ohne Prügeleien miteinandern leben könntet. Deine Mutter würde vielleicht auch aus ihrer Überforderung finden. Sie ist ja überfordert, so dass sie nicht mehr zwischen den Menschen, die sie liebt - nämlich dir und ihrem Mann - vermitteln kann.

Es ist gut, dass du zur Psychiaterin gehst. So hast du jemanden, dem du vertrauen kannst und dem du auch von deinen Sorgen erzählen kannst, ohne dass du Angst haben musst, dass es zu deiner Mutter zurückkommt. Besprich das mit ihr und sag ihr, sie solle dir helfen, dass du für eine Zeitlang zu jemandem anderen gehen kannst.

Es ist ganz wichtig, dass du wieder ohne Albträume schlafen kannst und nicht so unter dauernder Spannung lebst, dass eine Rammelei unter Freunden zum Horror wird. Und auch, dass du wieder in Ruhe in die Schule gehen kannst und dich dort aufs Lernen konzentrieren kannst.

Meinst du, du kannst das mit deiner Psychiaterin besprechen?

Wir haben auch immer ein offenes Ohr! Kopfhoch!

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