Asperger und Depressionen

Hallo

Ich bin Asperger - Autistin und ich habe das Problem, dass ich keine Gefühle anderer erkennen kann und mich somit nicht ordnungsgemäß in den Alltag der Masse miteinbringen kann. Ich beherrsche keinen Small-Talk und habe spezielle Interessen und das stellt für die meisten Menschen ein Problem dar, u.a auch für meine Eltern, die alle Dinge, die ich anders mache als andere auf meine "Krankheit" reduzieren und mir somit nicht zuhören, da sie eine für sich festgesetzte, ja eigentlich einbetonierte Meinung haben. Man hat erst vor 4 Jahren für mein Anderssein einen Namen gefunden und seitdem werde ich nur darauf reduziert.

Ich bekomme nun vermehrt Depressionen, die sich aber nicht mehr mit Suizidgedanken befassen, sondern mit endloser Traurigkeit. Meine Mutter ist der Meinung, dass es daran liegt, dass ich keine Freunde habe. Doch das ist nicht der Grund. Ich bin damit eigentlich sehr zufrieden, auch wenn mir das selten welche glauben.

In der Schule kommt es immer wieder zu Missverständnissen, da ich Mimik nicht deuten kann, für mich sehen Gesichtsausdrücke relativ gleich aus. Natürlich sehe ich, wenn jemand laut lacht, dass er glücklich ist, aber alles dazwischen nicht, da mir Neuronen im Kopf fehlen, wie man mir erklärt hat. Jedenfalls habe ich früher nie über solche Dinge nachgedacht, ich wusste ja nicht, dass andere das können...

Seit meiner letzten Beziehung vor 2 einhalb Jahren, kann ich keine Erlebnisse, über die ich mich geärgert habe, vergessen. Es frisst mich innerlich auf und die Depressionen werden immer häufiger. Ich kann mich nicht mal darüber freuen, dass ich das Fachabi und die Ausbildung geschafft habe. Mit einem Durchschnitt von 2,8 kann ich nicht allzuviel werden, zumal für mich nicht alles in Frage kommt.

Ich habe gedacht, der Leistungsdruck und der Druck, den mir meine Eltern machen, würde sich verringern, wenn ich es schaffe, aber leider sieht es ganz anders aus. Es wird immer schlimmer und die Depressionen nehmen zu, ich weiß einfach nicht mehr, was ich machen soll.

Manchmal sagen sie, dass ich ein Alien bin und dass "wir" eben anders sind...

Meine Frage ist also, was kann ich machen, um vergessen zu können?

Wie kann ich die Depressionen loswerden?

LG Sarah

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

Unterstützung, nicht nur Diagnose

Liebe Sarah

Auch wenn das Asperger-Syndrom ein Teil der Person ist, lässt sich nicht einfach alles damit erklären, wie es deine Eltern machen. Da machen sie es sich zu einfach. Auf diese Weise hast du Mühe ernst genommen zu werden und dich durchzusetzen. Ich denke nicht, dass deine Depression daher kommt, dass du keine Freunde hast, das schreibst du ja selber. Du brauchst Unterstützung darin, wie du mit deiner Art, die Welt zu sehen, zu Recht kommen kannst. Eine Diagnose allein hilft dir nicht viel. Ich empfehle dir, einen Psychiater oder Psychologen aufzusuchen, der sich mit dem Asperger-Syndrom auskennt und auch mit Depressionen, den die sind bei Asperger-Patienten nicht selten. Hab auch den Mut, verschiedene Fachpersonen auszuprobieren, bist du jemanden gefunden hast, bei dem du dich wohl fühlst. Versuch die Erlebnisse, die dich nicht loslassen, aufzuschreiben und so deinen Kopf etwas zu entlasten.

© 2020  IOGT Schweiz

Alle Rechte vorbehalten