Auf einen Schlag Freundeskreis verloren

Ich bin zur Zeit echt totunglücklich. Und eigentlich auch absolut nicht grundlos. Es würde wahrscheinlich zu lange dauern um alles zu erklären. Ich habe einfach auf einen Schlag meinen ganzen Freundeskreis verloren, weil ich aus unserer Jugendarbeit rausgeworfen wurde. Ich verstehe nicht was ich falsch gemacht habe und niemand kann oder will es mir sagen. Ich habe halt Adhs und in meiner Familie ist auch viel schief gelaufen, deswegen bin ich schon nicht immer einfach. Aber ich dachte, dass die mich trotzdem gern haben. Auf jeden fall bin ich jetzt sehr traurig und verunsichert. Das ist jetzt 4 Monate her und ich dachte eigentlich es wird besser, aber eigentlich passiert das Gegenteil. Ich halte es vor Kummer fast nicht mehr aus. Mein Hausarzt hat mir Johanniskraut mitgegeben, aber ich denke nicht, dass es wirklich hilft. Und wenn doch will ich gar nicht wissen, wie es ohne wäre. Heute konnte ich nicht mal zur Schule gehen. Das ganze Wochenende habe ich geweint, ich hab einfach keine Kraft mehr. Und Angst, dass meine Seele daran kaputt geht. Für mich ist vor alllem schlimm, dass ich nicht verstehe was passiert ist. Aber es quält mich auch total nicht mehr dazu gehören zu dürfen. Nicht akzeptiert zu werden ist auch voll verletzend. Ich halte das nicht mehr aus. Was kann ich tun, damit es mir besser geht? An der Situation kann ich ja nichts ändern, leider...

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

Teufelskreis

Liebe Leila

Ich kann gut verstehen, dass Du so unglücklich bist. Es ist sehr verletzend, was Dir passiert ist. Und vor allem nicht zu verstehen, was passiert ist, macht so hilflos. Menschen mit ADHS haben nicht einfach nur Konzentrationsprobleme und sind für andere "nicht immer einfach". Sie sind auch sehr sensibel und haben es schwerer als andere, die eigenen Gefühle zu kontrollieren, weil sie so stark fühlen. Du spürst Zurückweisung wahrscheinlich mehr als andere, das kennen viele mit ADHS. Doch Du hast schon begonnen, etwas dagegen zu tun, das finde ich sehr gut. Gut, hast Du mit Deinem Arzt gesprochen. Ich denke, Johanniskraut kann eine Hilfe sein, ausserdem wäre es gut, wenn Du auch Hilfe im Umgang mit Deinen Gefühlen bekommen würdest. Ich würde mich informieren, was für Hilfeangebote es in Deiner Gegend gibt. Vielleicht gibt es ADHS-Gruppen oder spezialisierte Fachpersonen, die Dich unterstützen können. Es tut gut, zu merken, dass man mit seinen Eigenheiten nicht alleine ist und das Du aktiv etwas dagegen tun kannst.

Du musst jetzt beginnen, wieder aktiver nach guten Gefühle und guten Menschen zu suchen. Ich weiss, wie anstrengend das ist und wie lähmend die schlechten Gefühle sind, doch in bin sicher, in Dir steckt eine Kämpferin, die sich nicht unterkriegen lassen will. Damit es einem wieder besser geht, muss man gute Dinge (kleine und grosse) erleben. Wenn man sich aber wegen der traurigen Stimmung immer mehr verkriecht, hat man keine Chance dazu. Das ist dann ein Teufelskreis. Was machst Du gerne oder was hat Dir auf alle Fälle früher Spass gemacht? Versuch eine Liste von solchen positiven Aktivitäten zu machen und jeden Tag mindestens etwas davon zu machen. Es ist, als ob Du gute Laune trainieren müsstest. Geh auch auf die Suche nach neuen Menschen, mit denen Du Zeit verbringen kannst. Ein Hobby, ein Sport, ein Engagement. Vielleicht musst Du noch etwas länger nach guten Freunden suchen, doch Du wirst Leute finden, die genau erkennen, was für eine gute Freundin Du bist und wieviel Du wert bist.

Ich wünsche Dir, dass Du es schaffst, Deine Kraft zu aktivieren und da wieder rauszukommen. Liebe Grüsse, Mika

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