Bald keine Hoffnung mehr

Hallo

Ich bin verzweifelt. Ich kann einfach nicht mehr fühlen, wie es mir geht. Alles begann im Sommer letztes Jahr. Da war mir immer schlecht, so dass ich fast nichts mehr essen konnte. Ich hatte dann alle medizinischen Abklärungen gemacht aber es wurde nichts Körperliches gefunden. Als es mit der Übelkeit im September etwas besser wurde, kamen plötzlich sehr seltsame Gefühle, vor allem wenn ich alleine war. Meine Hausärztin meinte, es seien Panikattacken, weshalb sie mich zu einer (Erwachsenen-)Psychologin schicken wollte, jedoch musste ich dafür zuerst eine Abklärung bei einem/r Jugendpsychiater/in machen. Und weil diese sehr überlastet waren verging sehr viel Zeit und es wurde immer schlimmer, so dass ich den ganzen Tag nur mit Angst und Unwohlsein verbrachte. Im Februar konnte ich dann die Abklärung machen und die JugendPsychiaterin sagte, es sei eine leichte Depression und diese sei womöglich der Grund für die vielen Panik/Angstmomente. Kurz bevor ich dann bei der Psychologin mit der Therapie anfangen wollte, verschwanden aber auf einmal alle Symptome. Aber es fühlte sich irgendwie komisch an, da es sehr plötzlich alles weg ging. Die Psychologin war zwar nett aber sie konnte es auch nicht ganz verstehen, wieso jetzt plötzlich ,,nichts,, mehr ist. Ich gehe zwar immer noch zu ihr, aber ich weiss nie was ich sagen soll, Fragen stellt sie mir eigentlich keine. Ich rede dann einfach alle paar Wochen mit ihr über Dinge wie ,,Motivation für die Schule,, oder solche Sachen, aber für das brauche ich ja keine Therapie und viel gebracht haben diese Gespräche auch nichts. Doch meine jetzige Situation sieht so aus: Ich kann nicht fühlen wie es mir geht und welche Gedanken echt sind und welche nicht. Ich red mir die ganze Zeit selber etwas vor. Wenn ich glaube, fröhlich zu sein, red ich mir ein, dass ich mir das nur einbilde und alles schlecht ist. Und wenn ich denke, dass ich traurig bin, rede ich mir ein, dass ich mir auch das nur einbilde, weil ich einfach ,,zu faul,, sei etwas mit meinem Leben anzufangen und ich soll nicht so tun und so. Und diese Gedanken machen mich einfach fertig, da ich dann nie weiss wie es mir geht und ich kann mir nicht ,,erlauben ,, traurig zu sein. Und manchmal fühle ich mich einfach nur leer. Ich ritze mich auch, weil ich dann wenigstens ein Gefühl habe aber während ich es tue, kommen wieder die Gedanken welche mich fertig machen, und welche sagen ich tue dies doch nur um mir Aufmerksamkeit zu geben und ich solle nicht so tun. Gegenüber anderen verhalte ich mich wütend, teils schon fast aggressiv. Seit einer Woche muss ich ständig daran denken, wie ich meinen Kopf an die Wand schlage oder mich selbst schlage oder Geschirr zu Boden werfe. Manchmal tue ich diese Sachen auch. Seit ein paar Tagen muss ich ständig daran denken, dass ich besser sterben und nicht mehr leben möchte. Dann würde ich mir auch nicht mehr in meine Gefühle reinreden. Und niemand müsste sich Sorgen um mich machen. Ich kann einfach nicht mehr. Entschuldigung für diese lange Nachricht. Was soll ich nur tun? Ich habe bald keine Hoffnung mehr. Ps: Ich bin weiblich und Anfangs diesen Sommer 17 geworden. (ihr könnt diese Nachricht auch etwas kürzen.)

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

Du bist nicht faul oder suchst nach Aufmerksamkeit

Liebe Melanie

Es tut mir sehr leid, dass du so verzweifelt bist und dass es dir schon recht lange nicht gut geht. Für mich ist es von Weitem natürlich schwierig zu beurteilen, was los ist. Aber es hört sich schon alles immer noch mach einer Depression an. Und es hört sich so an, als würde dir deine aktuelle Therapie nicht viel bringen. Ich würde die vorschlagen, deiner Therapeutin genau diesen Text zu zeigen. Vielleicht fällt es die einfacher zu schreiben, als ihr zu erklären, was los ist. Es ist auch wichtig, dass sie versteht, dass du etwas hilflos bist, wenn sie dich nichts fragt. Oder du überlegst die, jemand neuen zu suchen.

Was ich fast sicher weiss, ist, dass es dir nicht „absichtlich“ schlecht geht, dass du nicht einfach faul bist und dass es dir bestimmt nicht einfach um Aufmerksamkeit geht. Genau solche abwertenden Gedanken sich selber gegenüber sind Symptome einer Depression. Und ich finde nicht, dass es nach einer leichten Depression tönt. Vielleicht war es das am Anfang, aber ich denke, du brauchst jetzt wirklich mehr Unterstützung als ein Gespräch über Motivation alle paar Wochen. Dafür musst du aber ein bisschen aktiv werden und diese Unterstützung einfordern. Hol dir Hilfe dabei, von Freund*innen, von Eltern, von Ärzt*innen, von Therapeut*innen.

Ich wünsche dir von Herzen viel Kraft und Mut weiterhin, Mika