Bin ich wertlos?

Bin ich der lebende Beweis, dass ein Mensch, doch wertlos sein kann?

Sehr geehrte Damen und Herren von der "Kopf hoch"-Website.

Ich weiß nicht, ob man auch als 20-jährige hier noch schreiben darf und ob das die richtige Stelle ist. In manchen Seiten wird es hauptsächlich als eine Hilfestelle für Kinder von suchtkranken Eltern angegeben. Aber da anscheinend auch andere Themen besprochen werden, kann ich es mal versuchen und hoffen, dass meine Eltern niemals davon erfahren werden.



Die Sache ist die:

Ich... komm einfach nicht mit meinen Leben zurecht!

Mit Ausbildung, mit meinen Eltern, mit den Menschen!

Einfach mit allen!

Ich bin eine beschissener, langweiliger, fauler Niemand mit Hobbies, die kein Schwein nachvollziehen wird, und ihm eh GARNICHTS gelingt, was er auch selbst anpackt!!!

Ich habe keine Freunde (außer eine Fantasiefreundin, mit dem ich zur Zeit kaum spreche) und hab sowieso Niemanden, dem ich anvertrauen kann, außer ein beschissenes Tagebuchprogramm mit Passwortschutz.

Ich kam eigentlich nie mit den Menschen zurecht, wurde in meiner Schulzeit fast durchgehend gemobbt (was sich aber erst gegen Ende legte, weil mich ab da schon gezielt von den Menschen fernhielt). Seit ungefähr zwei Jahren bin ich nun ausbildungssuchend, wobei mein Abiturabschluss mir so gut wie garnichts bringt, außer zum Arsch abwischen!!

 Auch mit meinen Eltern ist es im Moment sehr schwierig. Sie verstehen mich nicht, nehmen mich kaum ernst und belächeln im Grunde genommen meine Gefühle mit den Worten "Stell dich nicht so an!", "Sei nicht so'ne Dramaqueen!" oder "Reiß dich zusammen!". Gerne machen sie auch Scherze auf meine Kosten (sie verarschen mich) und wenn ich drauf reinfalle und (aus meiner Sicht) zu Recht darüber aufrege, meinen sie dann nur, dass ich übertreibe und selber Schuld bin, wenn ich darauf reinfalle. (Dürfen die eigenen Eltern sowas sagen?)

Allgemein gewinne ich den Eindruck, dass sie mich nicht als eigenständige Person akzeptieren und ihnen egal ist, ob ich wohlfühle. (Sie meinen, dass ich in der Gesellschaft funktionieren muss.)

 Vielleicht täusch ich mich (wie immer), aber ich würde mich selbst ungefähr so beschreiben:

Von Person her bin ich eher zurückhaltend(also introvertiert) und allgemein sehr vorsichtig, ganz besonders wenn es um vollkommen fremde Menschen geht. Desweiteren kleide ich mich eher dunkel(bin aber kein Goth) und maskulin, obwohl ich von Geschlecht her weiblich bin. (Kurze Haare, schlichte Kleidung, Farben, Muster, kein Make-up und natürliche Körperbeharrung.) Ich kann gut mit mir selbst beschäftigen(denke mir im Kopf eigene Geschichten aus, zeichne und schreibe gern) und mir macht es auch nichts aus den ganzen Tag Zuhause zu sein.(Hab es wahrscheinlich durch die damalige Mobbing-Geschichte mir "beigebracht".)

Ist also ein solcher Charakter so schlimm und falsch, dass es von Gesellschaft geächtet werden muss und am besten garnicht existieren soll?

Diese Frage stell ich mir, weil meine (eigene!) Eltern mir regelmäßig sagen, dass ich mich verstellen muss, was vorspielen soll und nur Zuhause, wo keiner es sieht, man selbst sein darf, um überhaupt im Leben voranzukommen. Erst neulich sagte meine Mutter zu mir, dass ich weiblicher kleiden muss, vorheucheln muss und lächeln muss, obwohl mir (vor allem im Vorstellungsgespräch)es gefühlsmäßig beschissen zugeht. Das interessiert sie aber herzlich wenig. Sie meint auch, dass es im Leben dazugehört sich immer zu verstellen und immer etwas vorspielen und man niemals Ich-selbst sein kann. Auch ist Individualität in Job sehr ungern gesehen, meint sie.

Ich versteh's nicht... wird also uns von Kindesalter etwas vorgelogen?

Die Ganze Gerede von Toleranz, Akzeptanz, Individualität, "Sei du selbst!" und Persönlichkeitsentfalltung von Fernsehen, Internet und CO. auch nur ein Teil des bloßen Scheins?

Sieht so das Leben aus?

Berufe auszuführen, die man hasst? Sympathien und gute Gefühle vorheucheln, die gar nicht da sind? Niemals die eigentliche Person eines Menschen kennenlernen? Niemals um den Charakter selbst gemocht werden, sondern nur um das Äußere?

Nein, so möchte ich nicht leben... auf gar keinen Fall! Ich möchte echte Freundschaften! Echte Gefühle! Echte Persönlichkeiten! Keine Verpackungen! Ist dieser Wunsch so unerfüllbar? :(

Ich hab inzwischen kein Vertrauen zu meinen Eltern (zu keinen von beiden).

Mein Vater... wenn er nicht schon den peinlichen Vollidioten abgibt (was aber an sich eigentlich gar nicht soooo schlimm wär), kann er sich aufführen wie das letzte Arschloch. Er ist meckerig, schlecht gelaunt und sogar auf vollkommen fremde Personen neidisch. (Er beneidet z.B. Hartz-4-Empfänger darum, dass sie so viel Freizeit und Geld haben.) Ich glaube, er scheint auch selbst irgendwelche Probleme mit sich zu haben.(Wo die aber genau liegen, kann ich zur Zeit nicht beurteilen.) Meine Mutter hingegen ist eine Sache für sich. Sie neigt dazu oft ihre Meinung und Ansichten zu ändern, doch ich kann sie nicht darauf ansprechen. Ein harmloses Beispiel: Einmal wollte ich wieder eine Wasserflasche für die Nacht nehmen, wo sie aber dabei plötzlich sagt, dass ich es angeblich "mir nur nehme" und sie es nicht in Ordnung finde. Dabei hab ich es schon dutzende Mal gemacht, wo ich nach einer Wasserflasche gefragt und dann genommen hab. Und jetzt auf einmal ist es falsch??? Nächste Nacht: Frage erneut und hole wieder eine Wasserflasche. Und was war? Plötzlich ist es wieder in Ordnung! An anderen Stellen läuft das gleiche Muster: Meine Mutter ist mit dem was ich mache einverstanden und hält zu mir, wobei es aber Stunden, Tage, Wochen usw... vergehen kann bis sie plötzlich das nicht richtig findet und komplett gegen mich ist.

Bin ich so dumm? Bilde ich es mir nur ein? :(

Warum versteh ich sie nicht?

Dummerweise, kann es gut sein, dass ich mir nur einbilde, weil ich mich ständig in meiner Wahrnehmung irre. (Meine Mutter weißt mich seeeehhhhrr gerne darauf.)

Damit komme ich schon zum nächsten Problem. Ich egal was ich tue, was ich auch sage... meine Mutter hat IMMER Recht. Im Allen! Sie irrt sich nie, macht keine Fehler und verletzt sowieso Niemanden. Und wenn doch, redet sie so als hätte man das schlimmste Verbrechen überhaupt getan (dass es also igerndwie Absicht war, auf diesen oder jenen Fehler hinzuweisen, was ich nicht verstehe) oder hollt eines ihrer Tausend Todschlagargumente raus, wo ich nichts dazusagen kann und wieder ganz still bin. Irgendwie kann ich diese Argumente nicht so richtig wiedergeben, weil es immer mit der Zeit vergesse. (Was aber nicht heißt, dass ich es mir ausdenke. Glaubt mir bitte!)Aber sie lassen mich schnelle machen und denken, dass "sie wieder Recht hat und ich wieder Unrecht hab".



Meine Eltern mögen mich zwar mit Nahrung versorgen, Kleidung, mit einer Unterkunft und Medien geben... aber mir fehlt trotzdem (ich weiß nicht wie es richtige beschreiben kann)eine... naja, emotionalen Rückhalt. Das Gefühl halt, dass ich trotzt meiner "Makel" als Person wertgeschätzt und geachtet werden. Vielleicht klinge ich damit so wie ein verwöhntes Wohlstandskind von der Stadt, aber ich fühle mich tatsächlich so und bin mir schon bewusst, dass die hungernden Kinder aus Afrika oder irgendeinen anderen Entwicklungsland es viel schwerer haben.

Die Ausbildung ist für mich inzwischen ein Thema, wo ich mich schon komplett verschließe. Ich schreibe zwar Bewerbungen, aber das ist Moment ein Müssen als ein von Innen herangebrachtes Wollen. (Hoffentlich versteht einer was ich meine.) Ich bin sogar erfreut, dass in meinem Email-Postfach keine Antwort kommt als eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch oder eine Absage. Ja... ich bin faul! Ja! Das bin! Sagen meine Eltern oft genug! Sie vergleichen mich oft mit einen Hartz-4-Schmarotzer und meinen, dass ich die erste Hartz-4-Empfängerin mit Abitur sein werde und alle sich verwundert am Kopf kratzen werden. Auch die Betreuerin ist nicht sonderlich ‘ne Hilfe.

Sie heuchelt mir ständig ihre Interesse vor, aber sobald ich etwas sage merke ich an ihrem ständigen “M’hm! M’hm!” bei jeden zweiten Wort, dass mein Gerede von einen Ohr zu anderen geht.

Wie ist es denn sonst zu erklären, dass sie mir Stellen schickt, wo ich (gerade vor kurzem!) ihr berichtet hab, dass ich mich schon längst beworben habe? Oder dass sie mir immer noch Angebote zu Mediengestalterin schickt, obwohl ich ihr selbst gesagt habe, dass ich nicht die entsprechenden Vorraussetzungen habe?



Ich weiß selbst nicht wie es dazu gekommen ist. (In der Schulzeit hab ich mich ja bemüht.) Aber anderseits hatte ich diese Faulheit schon immer:

Zum Beispiel hab ich nie eine Hausarbeit gemacht und habe in meinen gesamten Leben (wenn überhaupt) nur drei Mal Spaghetti gekocht (aber nur, wenn meine Mutter es beaufsichtigt hat). Ich könnte mir vorstellen zumindest bestimmte Hausarbeit zu übernehmen (Z.B. einmal im Monat Fenster putzen und zu festen Zeiten den Müll rausbringen), aber wenn dieses Thema schon mal zur Sprache kommt, wollen sie, dass ich gleich alles mache... (Also lasse ich es lieber ganz.)



Nicht einmal bei meinen Hobbies will es klappen:

Ich schreibe zur Zeit an einen Roman. (Eigentlich eine nette Sache) Doch das Dumme ist... es ist schon x-te Versuch einen Roman zu schreiben. Ich hab's auch mit Kurzgeschichten versucht, doch ich hab es auch nicht fertig gekriegt. Es ist immer dasselbe: Ich habe eine Idee und will es niederschreiben. Anfangs habe ich sogar eine hohe Motivation und schreibe viel aufeinmal. Doch dann tauchen die ersten Schwierigkeiten auf, stoße auf Szenen, die garnicht so toll sind wie ich es mir vorgestellt habe, finde Logikfehler... Ich finde dann noch weitere Logikfehler, zweifle dann an meiner Idee bis ich dann beginne mich für das Geschriebene zu schämen und einfach abzubrechen.

Manchmal frage ich mich, ob ich überhaupt in Geschichtenschreiben Talent hab, weil sie eh dumm, peinlich sind und eh unverständlich sind, so dass jeder Leser davon gelangweilt wär. Meine Mutter meinte, dass keine meine Geschichten lesen würde, weil sie so schlecht sind. (Sie würde heute wahrscheinlich es abstreiten so etwas jemals gesagt zu haben... aber sie hätte so oder so Recht.)



Seit einiger Zeit recherchiere in solchen Selbstvertrauen-Seiten und stieß dabei auf ein Begriff, wo ich mich von der Beschreibung her komplett selbst wiedererkannt hab: Komfortzone.

Ich glaube, dass das vielleicht ein Urwurzel meiner Probleme ist. Dass ich in einer über die Jahre aufgebaute Komfortzone feststecke, dass mich jetzt so stark in meinem Handeln einschränkt. (Allerdings bin ich nicht sicher, ob ich mit meiner Einschätzung richtig liege.)



Zumindest wird immer beschrieben, dass man über den ersten kleinen Schritt man versuchen sollte seine Komfortzone zu verlassen, um dann nach und nach seine Probleme zu lösen. Und ich glaube, ich sehe schon eine Möglichkeit:



Ich könnte dem deutschen Creepypasta-Wiki beitreten. (Falls niemand weiß, wovon ich spreche: Es ist eine Internetseite, wo man kleine Horror- und Gruselgeschichten schreibt und sie ins Netz stellt.) Ich hab schon dort anonym zwei Creepypastas veröffentlicht (diese scheinen auch mehr oder minder anzukommen) und habe abundzu auch mit einigen anonymen und angemeldeten Nutzern geschrieben. Die Community ist sehr interessant und die Leute scheinen nett. Ich könnt dort meine Geschichten veröffentlichen und direkt Feedback bekommen. Und könnte vielleicht (wenn zuerst nur online) Leute kennenlernen, die dieselben Interessen teilen.



Wäre das was? Auch wenn mich nicht direkt bei der Ausbildung weiterbringt, wäre es die erste Sache, von dem ich sagen kann "Das hab ich alleine geschafft!". Bewerben werde ich und muss ich selbstverständlich weiterhin, also müsste sich das nicht in die Quere kommen.



Ich würde sooo gerne dort mitmachen. (Ich habe sogar eine Creepypaste erstellt, die ich gerne als angemeldeter Nutzer veröffentlichen will, und hab sogar per Gimp passende Bilder erstellt.)



Die Sache ist nur die... ich... trau mich einfach nicht!



Der erste Grund ist: Ich müsste es heimlich machen(also ohne ihren Wissen). Fragen kann ich sie nicht, weil sie es direkt als unnützen Scheiß abschmettern werden, obwohl sowohl die Anmeldung, als auch das Erstellen von Creepypastas kostenlos ist und man per Einstellung dafür sorgen kann, dass von dort keine unnötigen Emails kommen. Außerdem hab ich selber festgestellt, dass es oft dauern kann bis überhaupt Feedback zu der einen Geschichte kommt. (Somit kann ich mich nicht den ganzen Tag mit dem "unnützen Scheiß" beschäftigen.)

Der Zweite Grund ist: Was ist wenn es der Community nicht gefällt? Also nicht die Rechtschreibung und Grammatik (die kann man ja verbessern), sondern meine Geschichte? Dass ich mich blammiere und alles umsonst war? Klar, ich sollte erst einmal mir keine Panik machen, aber ich hatte bis auf meiner Mutter niemanden etwas von meinen Geschichten erzählt. (Und meine Mutter hatte mir da eine ziemlich harte Kritik gegeben damals.) Ich möchte halt, dass die Leser von meinen Geschichten begeistert sind! Meine Charaktere mögen, die Botschaft hinter meinen Geschichten verstehen und sich dabei Phantasiewelten entführen!

:( Es wäre sooo schön, wenn jemand meine Geschichten gefällt. (Aber was ist, wenn nicht?)



Durch die zwei Jahre hab ich auch zugenommen.(fast 85kg.) Es ist zwar noch kein Adipositas, aber ich bin schon leicht übergewichtig. (Bin halt "pummelig" geworden.) Meine Mutter weißt mich ständig auf mein Gewicht hin und meint, dass das was esse zu fettig sei, ungesund und usw. Das weiß ich, aber ich hab mich schon lange vor meinen Übergewicht so ernährt, bin halt ein Fast-Food-Junkie. Und es fällt mir sehr schwer jetzt aufeinmal Salat und Co. zu essen, weil es mir nie wirklich geschmeckt hat. Außerdem brauch ich manchmal etwas Deftiges in den Mund. Und dass umso mehr, wenn ich Streit mit meinen Eltern habe. (Mir ist schon bewusst, dass es in Richtung Frustessen geht. Aber was soll ich machen?) Seltsamerweise stört mich mein Übergewicht nicht so wirklich... zumindest nicht so, dass ich jetzt an Diäten oder gar an Sport denke. (Ich hab Sport immer gehasst - egal ob dick oder dünn!) Es ist mir sogar stellenweise egal. Ich war auch nie eins von diesen Tussis, die hysterischen Anfall bekamen, weil sie einen einzigen Pickel auf der Nase, oder schreiend vor einen kalorienreichen Keks wegliefen.



Ja... eigentlich sollte ich nicht so denken. (Vor allem aus gesundheitlichen Gründen.) Aber irgendwie… ist es so.

Ich weiß auch nicht…



Manchmal wünschte ich hätte ein anderes Leben, andere Eltern, andere Umgebung. Einen Vater, zu den ich hinaufschauen und der mit sich selbst ins Reinen ist. Und sich auch für mich interessiert! Eine Mutter, die einen aufbaut und ermutigt, anstatt mir immer das Gefühl zu geben ich sei nicht in Ordnung und ständig mich daran erinnert was ich alles falsch gemacht habe. Freunde, die mich so akzeptieren und schätzen wie ich bin. Eine Umgebung, wo ich mein Leben selbst frei gestalten.

Doch dieses Leben… mein Leben… ist nicht frei.

Nein, das war eigentlich nie. Schon von Kindesbeinen an wurde ich besonders von meiner Mutter in irgendeine Richtung geschoben.

Mach die Grundschule…

Mach die Realschule…

Mach das Abitur…

Mein gesamtes Denken war in der Schulzeit bestimmt gute Noten zu schreiben. Aber wenn ich so recht darüber nachdenke, hab ich das nur gemacht, weil es von meiner Mutter der einzige (und auch wirkliche einzige) Grund war mich zu loben. Ich zweifle auch langsam, ob ich auch wirklich das Abitur machen wollte, oder ich auch nur dahin geschoben wurde. Anfangs wollte ich studieren. Aber wollte ich es auch wirklich?

Wenn ich so darüber nachdenke, war das nur, weil mir sonst nichts anderes einfiel…

Im Grunde genommen bin ich selber Schuld! Ich hätte viel eher reagieren müssen! Selber meine eigene Entscheidungen getroffen, um dann nicht später von so vielen Dingen abhängig zu sein.

Jetzt bekomm ich von allen Seiten zu hören, wie ich sein muss, wie ich mich kleiden muss, was ich für Interessen ich haben soll oder wie ich fühlen und denken soll.



Irgendwie bewege ich mich Kreis, stecke in einer Sackgasse.

Diese Oberflächlichkeit (Lifestyle, Castingsshows, Model…) und die Heuchelei dieser Gesellschaft (Individualität, Toleranz…)… das alles kotzt mich einfach an! Am liebsten würde ich nie wieder etwas damit zu tun haben. Einen Therapeuten kann und will ich nicht aufsuchen, weil es erstens nichts bringt (allein schon wegen den Wartezeiten) und zweitens vielleicht sogar verschlimmert. (Meine Mutter hat mir erklärt, dass die Psychologen in Deutschland sehr schlecht ausgebildet sind und eh nur auf Geld aus sind. Und ich befürchte, dass sie auch Recht hat.)

Zwar wird dieses Thema schon angesprochen von meinen Eltern, aber das nehme ich ihnen als eine Art “halbgare Drohung” wahr.

Ich weiß wirklich nicht mehr weiter… L

 Tut mir leid, dass der Text so ekelhaft lang geworden ist und dass ich an manchen Stellen so ausfällig geworden bin. (Aber es hat mir gut getan das alles von der Seele zu schreiben

Hoffentlich versteht einer mein Geschreibsel. Ich versteh nicht selbst was mit mir ist. Ich weiß nicht, was genau mein Problem ist, ob ich mehrere Probleme hab oder etwas ernsthaftes ist. Beispielsweise hatte ich kurzzeitig Phasen von Selbstverletzung, doch das kann nichts ernstes gewesen sein, weil meine Eltern es mir erfolgreich durch niedermachen und unter Druck setzen mir abgewöhnen konnten.

Das aller Schlimmste an der Sache ist, dass ich nicht einmal traurig oder frustriert darüber sein darf, weil meine Gedanken und Gefühle scheinbar keine Daseinsberechtigung haben. Wahrscheinlich strotzt mein Text nur so vor Banalitäten und ich stelle mich tatsächlich an. Und wahrscheinlich wird mir eh Niemand helfen können, weil ich ein hoffungsloser Fall bin. (Hatte mich vor ca. 1 Jahr an einer anderen Seite aus einen etwas anderem Grund angeschrieben und mich seit dem nie mehr gemeldet.)

Aber ich kann doch nicht mein ganzes Leben lang meine Sorgen nur an einem stummen Tagebuch niederschreiben, während ich anderswo meine Ängste und Sorgen nicht einmal ansprechen darf???



Würde mich freuen auf eine Antwort….

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

Verlasse deine Komfortzone

Liebe Anonym

In der Schule wurdest du gemobbt, deine Eltern schreiben dir vor, wie zu  leben hast und machen dich immer wieder auf deine Schwächen aufmerksam, anstatt dich in deiner Entwicklung zu unterstützen. Du zweifelst nun stark an dir (an deinem Charakter, deiner Wahrnehmung etc.) und hast ein sehr schlechtes Bild von dir als fauler, dummer, wertloser Mensch, der nichts auf die Reihe kriegt. Es ist super, dass du hier schreibst – du hast gemerkt, dass dein Leben für dich nicht stimmt und dass du etwas ändern willst. Das ist ein wichtiger Schritt. Es ist auch völlig in Ordnung, dass dein Text so lange geworden ist und es ist toll, dass es dir gut getan hat, dir alles von der Seele zu schreiben.

Dein Charakter ist nicht schlimm oder schlecht. Du bist eher schüchtern und zurückhaltend, was für viele Leute angenehm ist. Du kannst dich gut mit dir selbst beschäftigen und Tätigkeiten alleine nachgehen. Das ist ebenfalls eine tolle Eigenschaft, denn das können viele nicht. Du kleidest dich eher unauffällig, was vollkommen in Ordnung ist - es ist nicht jedermanns Sache, durch Make-Up oder Kleider aufzufallen. Du hast auch schon einige Tätigkeiten gefunden, die dir Spass machen – zeichnen und schreiben. Mach das unbedingt weiter! Dein Charakter ist überhaupt nicht schlecht oder geächtet in der Gesellschaft, auch wenn deine Eltern das sagen. Du sollst dich nicht verstellen müssen, um geliebt zu werden. Jeder Mensch ist anders und wertvoll, du auch! Klar, in einem Vorstellungsgespräch versucht man sich oft von seiner besten Seite zu zeigen und sich „zu verkaufen“, insofern stimmt es schon, dass man sich in dieser Situation etwas verstellt. Trotzdem soll man seine Persönlichkeit nicht verleugnen. Du beschreibst dich als introvertiert – das ist eine Charaktereigenschaft, die du nicht zu verstecken brauchst, denn viele Arbeitgeber schätzen es, wenn die Mitarbeitenden zurückhalten sind. Es nicht so, dass man nur zu Hause sich selbst sein darf und in der Öffentlichkeit ein angepasster, anderer Mensch sein muss. Du wurdest in der Schule gemobbt und deine Eltern zeigen dir immer wieder, dass du nicht in Ordnung bist, so wie du bist. Das macht es natürlich schwierig, zu sich selbst zu stehen und einen guten Selbstwert zu entwickeln. Was du geschrieben hast, mit der Komfortzone verlassen und deine Geschichten bei Creepypasta Wiki zu veröffentlichen, ist ein super Idee!! So erhältst du Rückmeldungen zu deinen Geschichten (und Schreiben ist ja ein Hobby von dir) und könntest Leute kennen lernen, die ähnliche Interessen haben wie du. Gemeinsamkeiten verbinden, vielleicht könnten sich daraus Freundschaften entwickeln. Ich verstehe, dass du dir Sorgen machst, dass deine Geschichten nicht gut ankommen. Vor allem auch, weil das Urteil deiner Mutter sehr vernichtend war. Sie hat aber bestimmt auch nicht denselben Geschmack wie du und die Leute auf Creepypasta. Versuch mal, eine Geschichte zu posten. Wenn du es nämlich nicht machst, wirst du nie erfahren, wie es herauskommt. Und Feedback ist etwas sehr gutes, so kannst du dich auch beim Schreiben weiterentwickeln und auch mal eine Kurzgeschichte oder einen Roman fertigstellen. Ein ganzes Buch oder eine ganze Geschichte zu schreiben ist sehr schwierig, das hast du ja bereits gemerkt. Das braucht Übung und Geduld. Du hast viel Phantasie und Ideen, die du niederschreibst. Gib nicht gleich auf, wenn du einen Logikfehler entdeckst. Behebe den Fehler und schreib weiter. Und nimm deinen Mut zusammen und veröffentlich eine Geschichte auf Creepypasta, ich finde das nämlich wirklich eine super Idee von dir!

Bezüglich deiner Ausbildung, weisst du denn, was du  gerne tun würdest? Gibt es einen Job oder doch auch ein Studium, das dich sehr interessieren würde? Dir fehlt dich Motivation, dich bei irgendwelchen Stellen zu bewerben, und das ist auch verständlich. So wie du schreibst hilft dir deine Betreuerin nicht dabei, etwas Gutes zu finden. Finde heraus, was dich interessieren würde und bewerbe dich dann gezielt auf diese Stellen hin. Dann ist auch deine Motivation grösser. Warst du schon bei einer Berufs-und Laufbahnberatung? Die könnten dir helfen herauszufinden, welcher Weg zu dir passen würde.

Zu deiner Ernährung: Es ist super, dass du zu deinem Körper stehst und es dich nicht stört, wenn du ein paar Kilos mehr auf der Wage hast. Aber wie du selbst sagst, ist es aus gesundheitlicher Sich nicht ideal, wenn man nur Junkfood isst. Du merkst selbst, dass dein Essverhalten mit deinen Problemen zusammenhängt. Es ist dir ja wichtig, ein selbstbestimmtes Leben zu führen und nicht nur nach dem zu leben, was dir deine Eltern vorschreiben. Wie wärs, wenn du dir ein tolles Kochbuch kaufen würdest und dir dann nach Lust und Laune daraus ab und zu etwas kochst? Etwas, was dir schmeckt. Es muss ja nicht unbedingt Salat sein, wenn du das nicht magst. Aber es gibt ja so vieles, was gesund ist und gut schmeckt. Und wenn du selbst entscheidest, was du kochen willst, würdest du auch ein bisschen mehr Selbstbestimmung erfahren.

Die Situation mit deinen Eltern ist sehr schwierig und du bist nicht verwöhnt, wenn du sagst, dass dir die emotionale Unterstützung gefehlt hat. Es ist verständlich, dass du von deinen Eltern mit all deinen Seiten geliebt werden willst. Niemand ist perfekt und das ist auch gut so, jeder ist anders und das macht das Leben auch spannend. Aber das hast du zu Hause nie so zu spüren bekommen. Du hörst wie faul du bist, dass du anders sein und dich anders kleiden solltest und so weiter. Du hast sehr angefangen, an dir selbst zu zweifeln – an deinem Schreibtalent, an deiner Wahrnehmung, daran ob dein Charakter, deine Gedanken und Gefühle in Ordnung sind und so weiter. Du hast dich sogar eine Weile selbst verletzt. Du weisst auch gar nicht mehr, was du selbst willst und was du nur getan hast, weil es deine Eltern so gewollt haben. Du bist kein hoffnungsloser Fall und dies ist alles andere als eine banale Situation. Wie willst du auch wissen, dass du gut bist, so wie du bist, wenn dir das nie vorgelebt wurde? Es ist bewundernswert, dass du erkannt hast, dass es für dich so nicht stimmt und dass du etwas ändern willst. Deine Gefühle und deine Gedanken haben eine Daseinsberechtigung. Wenn es dir hilft, deine Sorgen in ein Tagebuch niederzuschreiben, mach das weiterhin. Doch du solltest deine Sorgen auch bei anderen Menschen ansprechen können und du musst sie nicht verheimlichen. Du schreibst, dass du zu keinem Psychologen willst, weil die schlecht ausgebildet sind und sie zum Teil lange Wartezeiten haben. Es könnte aber auch eine gute Idee sein, in eine Psychotherapie zu gehen. Dann hättest du jemanden, dem du all deine Sorgen erzählen kannst und der dir helfen könnte, deine Vergangenheit aufzuarbeiten (Situation zu Hause, Mobbing) und dir helfen könnte, bei der Gestaltung DEINER Zukunft und DEINES Lebens.

Du willst echte Freunde, keinen Job, der dir nicht gefällt und Gefühle nicht vortäuschen zu müssen. Du willst dir nicht vorschreiben lassen, wie du dich zu kleiden und zu verhalten hast. Du sagst, du hättest viel früher deine eigenen Entscheidungen treffen sollen. Es ist nicht zu spät dazu. Nimm dein Leben in die Hand und lebe es so, wie es dir gefällt. Verlasse deine Komfortzone. Lass dir von deinen Eltern nicht einreden, dass du ein schlechter Mensch bist, der es zu nichts bringt und sich verstellen muss, um Anerkennung zu finden. Lerne Leute kennen, die dir ähnlich sind und dich so nehmen, wie du bist. Finde heraus, was DU in DEINEM Leben willst, was DU erreichen willst und was DEINE Ziele sind. Wenn du nämlich dein Leben lebst und nicht das, was deine Eltern von dir wünschen, wirst du mehr Motivation haben auch etwas anzupacken und etwas zu erreichen.

Rebecca

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