Den Drang andere zu verletzen

Hey... ich hab da so einige Probleme und es wächst mir über den Kopf. Ich bin zur Zeit als Au Pair tätig und kann mir keine wirkliche Psychiatrische hilfe holen. Anfangs hab ich alles für die gewöhnliche Pubertät gehalten doch es erscheint mir langsam unwahrscheinlich. Also ich habe diese Phasen in denen es mir gut geht ich meine ich bin noch immer irgendwie traurig aber ich krieg es hin Dinge zu erledingen. Sport und Lernen meistens da mir eine Aufnahmeprüfung bevor steht. Kedoch gibt es auch viele viele Tage an denen ich es nicht einmal schaffe mich aus einer unbequemen position im Bett zu wälzen nicht weil ich zu Faul wäre sondern weil ich nicht kann. Ich hab nicht die Kraft dazu, dann frage ich mich wofür ich noch aufstehen soll und wieso ich noch lebe. Alle anderen wären besser dran ohne mich und all dies. Mein Ventil ist nicht etwa Ritzen nein, es ist Musik. Ich bin seit langer Zeit nicht mehr Fähig Gefühle spontan rauszulassen. Manchmal wenn diese Dunkelheit die oberhand gewinnt dann höre ich mir absicht musik die mich noch trauriger macht und denke an Dinge die mich runter ziehen bis ich schliesslich weine. Das wiederum hilft und dann bin ich einige Tage wieder mehr oder weniger stabil und kriege was auf die Reihe. Das Schicksal arbeitet aber auch gegen mich es fällt mir nicht einfach das zu schreiben aber all das hat mit einer Vergewaltigung begonnen und verschlimmert sich zunehmends. Was mir aber wirklich angst macht ist mein "zweites ich". Es kam auch kurz nach diesem vorfall zum vorschein. Ich kann es unterdrücken wenn ich stabil bin doch nicht wenn es mir so richtig schlecht geht. Ich bin nicht Chizofren (oder wie man das schreibt) trotzdem habe ich wie zwei Gesichter. Klar jeder hat das aber meine sind gegensätze. Ich hasse es menschen zu verletzen doch ich brauche es. Ich sage absichtlich Dinge und tue Dinge die andere verletzen die mir nie was zu leide getan haben. Es erfüllt mich mit seelischer zufriedenheit aber ich werde dadurch selbst sehr sehr verletzt da ich es eigentlich nicht mag. Wenn ich wütend werde verliere ich die kontrolle aber nicht auf eine normale weise. Ich will, und ich meine ich will es wirklich, diese menschen die mich wütend machen mit dem Kopf gegen die Wand schlagen bis sie bluten. Um dieses "ich" zufrieden zu stellen schreibe ich ein buch in dem die protagonistin männer foltert die mädchen vergewaltigt haben. Was zur hölle stimmt nicht mit mir. Bin ich wirklich gefährlich für andere? Ist es eine Depression? bitte helft mir.

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

Den Drang andere zu verletzen

Liebe Zoé

Erstmals möchte ich dir sagen, dass ich es toll finde, dass du den Mut hattest, dich bei uns zu melden! Bestimmt hat es grosse Überwindung gebraucht, dich uns anzuvertrauen und über deine Gefühle und Befürchtungen zu berichten. Dass du nicht einfach mit jemandem darüber reden möchtest, kann ich gut verstehen weil du bestimmt die Befürchtung hast, dass andere Leute geschockt darauf reagieren könnten und kein Verständnis für deine Situation aufbringen würden, geschweige denn dir helfen könnten. Auch deswegen finde ich es umso besser und mutiger, dass du dich an uns gewendet hast!

Ich kann mir vorstellen, dass du dich in den Phasen, in denen es dir nicht gut geht und du kaum aus dem Bett kommst, weil dir die Kraft dazu fehlt, so richtig hilflos fühlst. Doch wenn du sagst, dass alle anderen bestimmt besser dran wären ohne dich, möchte ich dir unbedingt widersprechen! Auch wenn du denkst, du schaffst das alles nicht mehr und es gäbe keinen Ausweg - es gibt immer einen Ausweg und nur schon, dass du dich bei uns gemeldet hast zeigt mir, dass du etwas an deiner Situation ändern möchtest und auch die Kraft dazu aufbringen kannst. Da bin ich überzeugt! Ich finde es super, dass du selber schon herausgefunden hast, was dir gut tut - Musik! Das ist schon ein sehr grosser Schritt! Auch, dass du bemerkst, dass es nicht nur düstere, sondern auch gute Phasen gibt, in denen es dir gut geht und du Sport, Lernen und sonstige Dinge unter einen Hut bekommst, finde ich grossartig!

Ich kann mir aber vorstellen, wie sehr dich die düsteren Phasen bedrücken und es ist absolut verständlich, dass dich die Gedanken, anderen weh zu tun beängstigen. Du beschreibst sehr gut, dass diese Gedanken zwar deine eigenen sind, aber diese eigentlich gar nicht zu dir passen. Dass du eigentlich gar niemandem weh tun willst und das eigentlich gar nicht DU bist. Du schreibst von einem "zweiten ich" und nur schon das zeigt mir, dass du eine tolle junge Frau bist, die eigentlich sehr einfühlsam ist und niemanden verletzen möchte. Mit Schizophrenie hat dies, wie du korrekt gesagt wenig zu tun. Solche wiederkehrende Gedanken, jemanden verletzen zu wollen verängstigen einen sehr und man wird richtig unruhig und angespannt wenn sie auftreten. Diese Gedanken stehen komplett im Widerspruch zu der Person, die du eigentlich bist und deshalb versuchst du möglichst solche Gedanken zu unterdrücken. Diese Gedanken, jemanden zu verletzen will man ja nicht zulassen und möglichst schnell vergessen, doch trotzdem kommen sie immer wieder und teilweise sogar häufiger, obwohl man sie doch echt gar nicht will. Wenn man beispielsweise jemandem sagt "Denke auf keinen Fall an einen rosaroten Elefanten", ist es enorm schwierig, nicht sofort ein Bild von einem rosaroten Elefanten vor sich zu sehen. Genau dasselbe passiert mit deinen Gedanken: Das heisst: umso mehr du versuchst diese Gedanken zu unterdrücken, desto eher treten sie wieder auf. Und da diese Gedanken so beängstigend und zu deinem "Ich" so unpassend sind, kann es durchaus dazukommen, dass du dann halt auch mal Dinge tust (z.B. in einem Buch niederschreiben, was du mit Männern machen möchtest, die Mädchen vergewaltigt haben) oder Dinge sagst, die andere verletzen. Es ist absolut verständlich, dass du diesen Gedanken nicht einfach Stand halten kannst und es dann zu solchen Situationen kommt. Diese anschliessende seelische Zufriedenheit, die dir diese Handlung (jemanden verbal zu verletzen) verleiht ist jedoch wohl eher das befreiende Gefühl, dass die Gedanken nun gerade verschwunden sind, als dass du wirklich Freude daran hättest jemanden zu verletzen. Denn wie du sagst, du verletzt dich in solchen Momenten ja selber (wenn du jemanden verletzt, obwohl du das doch eigentlich gar nicht wolltest).

Was diesen Gedanken genau zugrunde liegt und was möglich Ursachen dafür sein könnten, gilt es herauszufinden. Dass du eine Vergewaltigung erlebt hast, tut mir schrecklich leid und ich bin mir sicher, dass auch das viel Mut gekostet hat, uns dies mitzuteilen. Eine Vergewaltigung ist etwas sehr schlimmes und niemand sollte dies erleben müssen!! Mir ist es enorm wichtig, dass du weisst, dass du absolut keine Schuld daran hast und dass es nicht dein Fehler war, dass dir dies widerfahren ist!! Dass dein "zweites Ich" genau zu dieser Zeit zum Vorschein kam, kann darauf hinweisen, dass diese Zwangsgedanken wie wir sie nennen (da einem diese Gedanken regelrecht aufgezwungen werden, obwohl man sie gar nicht haben will) damit zusammenhängen. Auch eine Depression kann, muss aber nicht mit Zwangsgedanken einhergehen!

Du beschreibst, dass du zur Zeit als Au-pair tätig bist und keine professionelle Hilfe holen kannst. Liegt dies daran, dass du im Ausland bist und nicht weiss, an wen du dich wenden könntest oder weil du Angst davor hast, dass deine Arbeitgeber davon erfahren? Denn ich fände es enorm wichtig, dass du dir professionelle Hilfe holen würdest. Du hast so viel erlebt und durchgemacht und auch wenn du mir einen sehr starken Eindruck machst - du musst da nicht alleine durch! Lass dir helfen und suche dir eine Unterstützungsperson. Diese Person kann dich begleiten und dir auch mit diesen bedrohlichen Gedanken weiterhelfen. Sie kann dich dabei unterstützen herauszufinden woher sie kommen, warum sie stets wiederkommen und auch wie man sie zum Verschwinden bringt. Auch wird sie dir erklären können, dass du, nur weil du diese bedrohlichen Gedanken hast, nicht eine tatsächliche Gefahr für andere darstellst. Denn die Inhalte dieser Gedanken sind vollkommen austauschbar. Damit will ich sagen: Die Gedanken suchen sich immer genau einen Schwachpunkt aus, an dem du sensibel bist und der dich am meisten verletzt und machen dir deshalb so viel Angst. Und umso bedrohlicher die Gedanken von dir wahrgenommen werden, desto häufiger treten sie auf, was dir noch mehr Angst macht,... ein Teufelskreis! Eine professionelle Bezugsperson könnte dir dabei helfen aus diesem Teufelskreis auszubrechen und dir zeigen, wie man mit solchen Situationen und Gedanken umgehen kann. Auch untersteht jeder Psychologe/Therapeut der Schweigepflicht. Das heisst also, dass sie niemandem davon erzählen dürfen, was du ihnen berichtest. Du bräuchtest also keine Angst davor zu haben, dass deine Arbeitgeber, deine Familie und Freunde davon erfahren. 

Falls du dich einmal umsehen möchtest, sind hier einige Links für den deutschsprachigen Raum:Schweiz:http://www.psychotherapie.ch/content/d/thv/index.php?N1=TherapieplatzvermittlungDeutschland:http://www.therapieplaetze.deÖsterreich:http://www.psychotherapie.ch/content/d/thv/index.php?N1=TherapieplatzvermittlungIch hoffe, dir einen Teil deiner Angst genommen zu haben und wünsche dir auf deinem weiteren Weg - und bei deiner Aufnahmeprüfung - alles Gute! Ich bin überzeugt, dass du es schaffen und deinen Weg gehen wirst und wünsche dir viel Erfolg dabei!

Liebe Grüsse

Ronja