Depression und Borderline

Hallo,

mein Problem hängt mit meinem Freund zusammen. Wir sind seit 5 Monaten ein Paar und sehr glücklich, er ist immer für mich da und ich für ihn. Allerdings gibt es ein Problem: Er leidet unter Depressionen und wenn er einen schlechten Tag hat, schließt er die Welt aus und will nicht reden. Ich verstehe, dass er auch Zeit für sich braucht, und wenn es mir gut geht, ist das auch kein Problem für mich. Wenn ich jedoch einen schlechten Tag habe (ich habe Borderline und Aufmerksamkeit gibt mir das Gefühl geliebt zu werden), brauche ich mehr Liebe und Nähe als sonst, um die Unsicherheit und Verlassensängste zu bekämpfen. Wenn wir dann beide gleichzeitig einen schlechten Tag haben, fällt es uns oft schwer, sein Bedürfnis nach Zeit für sich und mein Bedürfnis nach Aufmerksamkeit miteinander zu vereinbaren. Wir haben deswegen schon oft gestritten und er versteht nicht, wieso ich ihm nicht einfach glauben kann, dass er mich liebt, wenn er es doch gestern gesagt hat. Aber ich habe immer diese irrationale Angst, dass er seine Meinung seitdem geändert haben könnte.

Freunde oder Familie, mit denen ich reden kann, habe ich auch nicht wirklich; nur Leute, denen ich nicht wirklich nah stehe oder die immer nur sagen "reiß dich mal zusammen", weil sie nicht so emotionale Menschen sind wie ich.

Ich möchte wirklich, dass diese Beziehung funktioniert, aber es tut so weh, wenn er mir manchmal stundenlang nicht schreibt (es ist auch eine Fernbeziehung) und ich kann dann manchmal nicht anders, als mir einzureden, dass ich ihm egal bin.

Was können wir tun, um das zu ändern?

Lg

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

Akzeptieren statt Verstehen, Kompromisse statt Streit

Liebe Berit

Ihr habt beide Momente, in denen eure psychischen Schwierigkeiten stärker sind als alles andere. In denen keiner von euch sich mit reiner Willenskraft zu etwas zwingen oder sich von etwas überzeugen kann. Das habe ihr gemein.

Es geht nicht darum, dass ihr genau versteht, was beim anderen passiert. Du musst nicht verstehen, warum er so depressiv ist, dass er nicht schreiben kann. Und er muss nicht verstehen, dass du verzweifelst, wenn du nicht stetige Sicherheit bekommst. Aber ihr solltet es voneinander akzeptieren und versuchen damit zu arbeiten. Während bei dir das Aushalten im Zentrum steht, ist es bei ihm die Überwindung. Vielleicht könnt ihr einen Kompromiss aushandeln. Zum Beispiel, dass er dir zwei Mal am Tag wenigstens ein Emoji schickt und du ihn dafür der Rest der Zeit in Ruhe lässt. Daneben muss jeder an seinen eigenen Problemen weiterarbeiten, für die Beziehung, aber vor allem für sich selbst.

Liebe Grüsse, Mika

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