Freundschaft?

Ich habe eine Freundin, die ich sehr sehr mag. Sie mich offenbar auch. Sie hört mir oft stundenlang zu, aber NICHT, weil ich sie mit meinen Problemen überstürze, sondern weil sie immer nachfragt, was bei mir so am Laufen ist, mit Männern, etc. Wir haben auch viele Personen, die wir beide kennen und uns beiden bekannt sind. Viele sehen uns und denken, dass wir unzertrennlich sind, und manchmal kommt es mir selbst auch so vor. Wir haben es sehr gut zusammen.

Was ich nicht verstehe: wenn ich mich bei ihr NICHT melde, kommt ihrerseits auch nichts. Sie hat einen Freund, der für sie an allererster Stelle kommt. Manchmal habe ich das Gefühl, dass sie sich nur mit mir trifft, damit sie mal wieder etwas mit Freunden macht. Ich verstehe diese Gleichgültigkeit nicht. Ich melde mich immer bei ihr. Ich melde mich alle zwei Wochen mindestens! Und sie? Hätte ich mich heute bei ihr nicht gemeldet, hätte sie sich mit Sicherheit auch nicht gemeldet.

Ich erwarte ja nicht, dass wir uns IMMER sehen... Doch bei Freunden will ich doch immer wissen, was bei ihnen läuft und wie es ihnen geht...  Könnt ihr mir helfen? Eins muss ich dazu sagen, ich stehe meistens im Mittelpunkt, wenn wir ausgehen. Ich weiss nicht warum, auch wenn ich mich zurückhalte, bekomme ich mehr Aufmerksamkeit, es liegt aber nicht am Aussehen! Sie ist eine bildhübsche Frau! Ich vertraue ihr soviel an und habe Angst, dass ich sie nur Vorteile daraus zieht, mit mir "befreundet" zu sein... Oder bin ich eventuell einfach nur Unterhaltung für sie? Wenn ja, warum investiert sie soviel Zeit, um sich meine Probleme anzuhören? (ich mache ja dasselbe bei ihr!)

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

Was tut dir gut, was nicht?

Liebe Laure

Es tut mir leid, dass du dich mit dieser Freundschaft so herumschlägst. Vor allem, weil du sie so magst. Wenn man beginnt sich solche Gedanken zu machen, ist das Verhältnis nachher oft nicht mehr so unbeschwert wie vorher. Vermutlich überlegst du dir nun bei jedem Schritt, den du auf sie zumachst, ob sie das "verdient" oder nicht. Was macht also eine Freundschaft aus? In erster Linie wohl, dass du glücklich mit der anderen Person bist. Dann kommt aber schon auch Gleichheit zwischen Geben und Nehmen, vor allem langfristig gesehen.

Das Problem ist, dass alles, was du ihr innerlich unterstellst, nicht überprüfbar ist, wenn du sie nicht darauf ansprichst. Du kannst dir unmöglich überlegen, warum sie sich so verhält, das weiss sie vermutlich nicht mal selber. Darum hilft es dir wenig, dir den Kopf darüber zu zerbrechen. Ich denke, du hast zwei Möglichkeiten. Die erste ist, dass du wieder versuchst - ohne im Kopf Rechnungen anzustellen - einfach das zu machen, worauf du Lust hast, was du gerade brauchst. Wenn du sie sehen willst, rufst du sie an, egal wann sie sich das letzte Mal gemeldet hat. Du sprichst mit dir über deine Probleme, wenn dir danach ist, nicht wenn sie danach fragt. Die andere Möglichkeit ist, sie darauf anzusprechen. Das ist schwierig, aber oft merkt man in so einem Gespräch, dass der andere eine ganz andere Sicht auf die gleichen Dinge hat und dass man mit seinen Gedanken in eine falsche Richtung gegangen ist.

Freundschaften verändern sich über die Zeit. Nicht alle - auch noch so enge und ehrliche - Freundschaften halten fürs Leben. Wichtig ist, dass du bei dir bleibst und für dich weisst, was dir gut tut und was nicht.

Lieber Gruss, Kim