Getrennte Familie

Kann mein Vater es irgendwann verstehen?

Meine Mutter hat sich vor gut 3 Jahren von meinem Vater getrennt. Seit dem wohne ich mit meinem Bruder bei meiner Mutter. Wir sind ausgezogen und nach einem Jahr wiedergekommen. Meine Mutter ist nur unsretwegen wieder bei meinem Vater eingezogen. Alle waren glücklich, nur meine Mutter nicht. Also ist meine Mutter nach einem halben Jahr wieder mit uns ausgezogen und mein Vater wartet wie verrückt auf den Tag, an dem meine Mutter ihm sagt, dass wir zurück kommen. Tun wir aber nicht. Sie will sich nicht scheiden lassen, sie will bloss nichts mehr mit ihm zutun haben... an dem Tag, an dem sie ihm gesagt hat, dass wir ausziehen, hat er geweint. Aber richtig doll. Ich habe ihn noch nie weinen sehen und für uns (meinen Bruder und mich) war es schrecklich. Mein Vater hat gesagt, dass er sich umbringen will und ich habe angst vor dem Tag, an dem meine Mutter ihm sagt, dass wir nicht wiederkommen...Was kann ich bloss machen?

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

Zeig beiden, wie wichtig sie dir sind

Liebe Natascha

da stehst du ja ziemlich zwischen den Fronten! Wahrscheinlich möchtest du ja auch, dass deine Eltern wieder zusammen kommen - wenn sie so glücklich wären! Aber so einfach ist es nicht...

Weisst du, es ist nicht deine Aufgabe, die Beziehung zwischen deinen Eltern zu klären und schon gar nicht, ihm zu sagen, dass ihr nicht mehr zurück kommt. Das ist die Aufgabe deiner Mutter! Sie wird auch ihre Gründe haben, dass sie ihm nicht schon klar gesagt, dass sie nicht zu ihm zurück kehren wird. Vielleicht hat sie auch Angst vor seinem Schmerz und seiner Verletztheit und hat darum noch nichts gesagt.

Du kannst nur beiden zeigen, wie wichtig sie dir sind. Bei deiner Mutter wird das einfacher sein, weil du ja schon bei ihr lebst. Zeige auch deinem Vater, dass du ihn magst, dass er dir wichtig ist und dass das auch nicht davon abhängt, ob ihr nun eine "heile" Familie seid oder nicht. Zeig deinem Vater, dass er mit seiner Frau nicht auch noch gleich seine Kinder verloren hat!

Vielleicht ist das für ihn auch ein Grund (mehr), leben zu wollen. So dass er diese schreckliche Drohung auch nicht mehr ausstossen muss, um euch an sich zu binden. Solche Sätze sind für die Angehörigen ganz schlimm und setzen sie unheimlich unter Druck.

Aber: du bist nicht verantwortlich für das Leben und das Lebenwollen deines Vaters! Das kann man nicht.

Und auch wichtig: nimm dir viel Zeit und Spass für dich selbst heraus, dass du nicht noch vom "Familien-Streit" aufgefressen wirst!

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