Glaube, bin depressiv

Hallo, ich bin Lena.

Ich bin 14, werde 15 und habe das Gefühl oder die Vermutung, dass ich depressiv bin. Anfangs, so vor 1 1/2 Jahren, hab ich gedacht es sei nur eine Phase, jedoch ist es immernoch so. Ich fühle mich lustlos, habe einfach keine Interesse mehr um mich mit Freunden zu treffen oder meine Hobbys auszuüben. Ich bin auch ziemlich leicht reizbar und aggressiv in letzter Zeit. Schlechte Laune ist schon lange da, jedoch verstelle ich mich in der Schule, damit nicht jeder das merkt. Ich habe einfach totale Schwierigkeiten in letzter Zeit, erstens mal in der Schule weil meine Noten immer schlechter werden, obwohl ich Klassenbeste war, und zweitens allgemein Freundschaften zu schliessen und mich jemandem anzuvertrauen. Deshalb habe ich oft Momente wo ich einfach nicht mehr kann und greife deswegen auf die Klinge zurück und ritze mich. Bisher hat es auch niemand gemerkt. Jedoch möchte ich das alles nicht mehr, ich möchte auch ganz normal wieder leben und rauskommen aus dieser Phase. Ich weiss aber nicht wie. Ich habe länger überlegt, es meinen Eltern zu sagen, jedoch weiss ich nicht wie sagen und ich habe auch Angst vor ihrer Reaktion. Nicht das ich schlechte Eltern habe, aber ich kann mir nur vorstellen dass sie dann sagen würden, dass ich mir das nur einbilde und das weggeht. Also meine Frage an euch: Was soll ich tun? Und wie bzw wem soll ich es sagen?

Danke im Voraus!

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

Vertraue dich jemandem an, der dich ernst nimmt

Liebe Lena

Du bist lustlos, desinteressiert, reizbar, aggressiv und das schon über eine längere Zeitspanne. Was du beschreibst, könnte auf eine depressive Verstimmung oder eine Depression hindeuten, muss aber nicht zwingend. Viel wichtiger aber, als dies so zu definieren ist, dass du herausfinden könntest, warum das seit einer Weile so ist und was du dagegen tun kannst. Dass du als Strategie gegen deine schlechten Gefühle ritzt, ist sicherlich eine schlechte Idee und bringt ganz viele weitere Probleme mit sich, die dich weiter runterziehen. Durch das Ritzen verletzt du dich, du entstellst deinen Körper, was du später durch hässliche Narben bereust und dich (und auch alle anderen Leute, die dich sehen) immer an unschöne Zeiten erinnert. Zudem setzt du deinen Körper unter Druck, weil er ständig Wunden heilen muss und läufst so immer am Rande der Energie. Psychisch fühlst du dich danach noch schlechter als vorher, weil du dir weh getan hast und dadurch hast du noch mehr das Bedürfnis dir weh zu tun. Das ist ein Teufelskreis, den du jetzt durchbrechen solltest. Dass du sagst, du willst raus aus dem und bei uns Hilfe suchst, ist schon mal ein toller Anfang und genau so solltest du jetzt auch weitermachen. Probier mal aus, wenn du es das nächste Mal fast nicht mehr aushältst und dir weh tun möchtest, auf eine Chillischote zu beissen, oder unter die eiskalte Dusche zu stehen. Das tut beides auch weh, aber du schadest dir nicht langfristig.

Es tut gut, sich in einer Phase, wo man keine Lust auf nichts mehr hat und sich zu nichts mehr aufraffen kann, an Leute wendet, die einem gut tun. Natürlich könntest du es deinen Eltern sagen. Du machst dir aber Sorgen, dass sie dich nicht ernst nehmen. Das ist sehr schade und wirklich auch nicht unterstützend für dich. Gibt es denn jemand in deinem Umfeld, der dich ernst nimmt? Vertraue dich dieser Person an. Du bist eine sensible junge Person, die zur Zeit fest vom Leben herausgefordert wird. Niemand soll das kleinreden. Erzähl der Person, was dich belastet, und warum. So wie du es hier mit mir gemacht hast. In einem Gespräch kommen dann noch ganz viele weitere Sachen heraus, die du jetzt vielleicht noch nicht erwähnt hast, die du aber auch mal loswerden solltest. Falls du gar niemanden kennst, von dem/der du denken würdest, du könntest dich ihr/ihm anvertrauen, überlege dir mal, in eine psychologische Beratung zu gehen. Das kannst du einerseits, indem du zu deinem Hausarzt gehst und dich weiterleiten lässt, oder indem du Psychotherapie & dein Wohnort googelst. Das tolle daran wäre, dass du ALLES loswerden kannst, was du willst und die sind professionell und sehr geübt im Zuhören und Ratschläge geben. Ich bin mir ganz sicher, dass du Leute findest, die dich ernst nehmen, ob das in deinem Umfeld ist, oder in einem psychotherapeutischen Gespräch, und das hast du auch verdient.

Ich wünsche dir alles Gute

Claire

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