Ich bin langsam am Ende angekommen..

Hallo erstmal... Ich habe diese seite zufällig gefunden und fand sie sehr interessant..

Ich bin 20 jahre alt...

Mit 15 nahm das schicksal seinen lauf.. Ich habe 2 brüder, beide älter. Mein Vorbild: Mein großer Bruder wurde plötzlich Inhaftiert . Er war Heroinabhängig... Ich wusste es nicht...er bekam eine strafe von fast 7 jahren. (mittlerweile ist er clean). Kaum einen Monat später fand ich meinen vater.. Er war tot.. Kreislaufzusammenbruch...

Naja an schule war dann nun wirklich nicht mehr zu denken und ich musste die 9. klasse der realschule wiederholen.. Zu meiner entlastung/entspannung sollte ich mit meiner damals besten freundin in den urlaub, was wir auch machten.. viellicht nicht so gut, denn kaum 5 monate nach dem tod meines vaters , fand ich im urlaub meinen opa tot im meer... das wars dann mit URLAUB...

bis hierhin alles "verkraftet"

ich besuchte mit 17 die berufschule und fing eine schulische ausbildung an.. hat mir keinen spaß mehr gemacht und ich fing meine lehre an...

in der zwischenzeit starb dann noch ein guter freund von mir ( suizid) und meine oma. auch alles "verkraftet"

Bis zum jetzigen zeitpunkt: Ich nehme seit ca. 5 Monaten täglich amphetamine..

mein anderer bruder der immer alles im griff hatte, wurde auch inhaftiert...ich verstehe es nicht. jemand der alles hat..( wegen nicht geringen mengen drogenbesitz)

in 2 wochen bin ich arbeitslos, weil mein chef mich nicht übernehmen kann... ich habe angst, weil ich eine eigene wohnunug und ein auto finanzieren muss... aber wie soll das gehen ohne arbeit..?

Das schlimme daran ist, das ich weiß weiß drogen alles anrichten und ich es trotzdem mache, obwohl ich IMMER gegen drogen war. ich verstehe mich selber nicht mehr.. kann ein mensch so am ende sein?

ich bin den weg von anfang an gegangen und glaube bin jetzt langsam am ende angekommen.

wenn ich keine arbeit mehr habe dann ist alles vorbei .. dann habe ich keine verpflichtungen mehr und rutsche noch tiefer ab...

die zusätzliche einsamkeit macht mir auch sehr zu schaffen.. man hat mir alles genommen was mir wichtig ist...

was soll ich tun..?

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

Du musst deine Stärken wieder aus dir hervorholen

Liebe Johanna

Du fragst, ob ein Mensch so am Ende sein kann? Was du in den letzten 5 Jahren erlebst, war sehr heftig. Du scheinst eine starke Persönlichkeit zu sein, denn du hast dich immer wieder von Schicksalsschlägen erholt. Der Mensch kann viel verkraften, doch die Bedingung dafür ist, dass man sich zwischen den Ereignissen erholen kann. Und dass man zwischendurch auch erfahren kann, dass die Dinge um einen herum nicht einfach passieren, sondern, dass man sein Leben selber in der Hand hat. Du konntest die letzen Jahre nur zuschauen, wie deine Lieben einer nach dem anderen gegangen sind, sei es durch den Tod oder durch die Realtität, die dir zeigte, dass deine Brüder doch nicht so stark waren und alles im Griff hatten, wie du immer dachtest. Solche Erlebnisse lösen ein grosses Gefühl der Hilflosigkeit aus und man verliert das Vertrauen in sich, das Leben zu packen. 

Durch die Amphetamine hast du auf eine Art und Weise versucht dir oder besser deinen Gefühlen zu helfen. Kurzfristig macht es einen ja auch glücklicher, selbstsicherer und leistungsfähiger. Man schafft Dinge und traut sich Sachen zu, an die man vorher nicht mal zu denken wagte. Genau diese Gefühle brauchst du, diese Gefühle wurden dir durch dein letzten 5 Jahre weggenommen. Aber es gibt andere Wege als sich dies künstlich zu verabreichen. Ich denke wirklich, du solltest dich an eine Beratungsstelle wende, du solltest eine Therapie machen. Eine Therapie, die dir hilft wieder die alte zu sein, deine Stärken, die immer noch in dir drin sind und dich das alles haben durchstehen lassen, wieder richtig aufleben lässt und dir dein Selbstvertrauen wieder gibt. Ein Training sozusagen. Denn, was du erlebt hast, lässt sich kaum alleine bewältigen. Da muss dich jemand eine kurze Weile begleiten, der das gelernt hat und genau weiss, wie das angehen. Wenn du dich erst mal an eine psychologische Beratungsstelle wendest, kannst du dort wahrscheinlich auch gleich abklären, wie es mit der Finanzierung einer Therapie aussehen würde. 

Wenn du noch Kontakt zu deinem älteren Bruder hast und ihm vertraust, dann wende dich an ihn, denn wenn er heute clean ist, weiss er, was es heisst, eine schwierige Zeit gehabt zu haben und er weiss aber auch, wie man kämpft, um wieder raus zu kommen. 

Ich wünsche dir viel Kraft!

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