Ist die "Stoffwechselerkrankung" zu heilen?

Ich habe zwischen meinem 16-18. Lebensjahr viele verschieden Drogen genommen. Jetzt bin ich 19 geworden und mache dieses Jahr mein Abi, weshalb man vielleicht vermuten könnte dass ich zufrieden sein sollte. so ist es nicht: ich bin von den drogen weg, auch alkohol trinke ich nur noch wenig aber ich spiele besonders in letzter zeit oft mit den gedanken mich umzubringen und male mir dazu auch verschiedenste szenarien aus! ich fühle dass mich die drogen verändert haben und kann oft keinen klaren gedanken mehr fassen, im gegensatz zu früher. Ich erleide täglich eine art Realtätsverlust und sobald ich alleine bin, bin ich zutiefst traurig, vor allen weil ich weiß dass ich hätte viel schlauer sein können und ich weiß, dass ich meine eltern mit meinem verhalten mega enttäuscht habe. Sie wissen nichts von meinen strapazen und auch sonst weiß niemand von meinen kumpels, außer natürlich meine drogenfreunde, von meiner vergangenheit. ich kann mit dieser last nicth mehr weiterleben und fühle mich zudem auch noch extrem benachteiligt und dümmer als alle anderen. Das setzt dem ganzen noch die krone auf und ich heul mir abends die seele aus dem leib, wenn ich daran denke mich umzubringen weil ich meine eltern, geschwister und freunde nicht verlketzen möchte.

Kann mir einer sagen, ob diese "Stoffwechselerkrankung" wieder heilen kann, z.B durch Spoort, Ruhe, soziale Kontakte, Bildung (ok, eigentluch meine ich also eine Minderung der spürbaren Symptome! und: möchte eig keine medikamente einnehmen da diese mich bestimmt ebenfalls zerstören). was könnte eine therapie, gesprächstherapie etc bringen und sowieso, welchen Rat hättet ihr für mich?

bin euch dankbar für eure Seelsorge :p

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

Welche Rolle haben die Drogen in deinem Leben gespielt?

Lieber Michael

Was du hinter dir hast, ist der körperliche Entzug der Drogen, die du konsumiert hast. Das ist schon eine grosse Leistung! Daneben ist es tatsächlich auch wichtig, dass man psychotherapeutisch betreut wird, denn in der Zeit nach dem Entzug stimmt für einen nichts mehr. Man muss sich ständig mit der eigenen Persönlichkeit und seiner Lebensweise - so wie sie ohne Drogen sind - auseinandersetzen. Viele Menschen in dieser Situation entwickeln Depressionen - Schuldgefühle inklusive-, das Selbstwertgefühl ist angegriffen und sie haben Selbstmordgedanken. 

In einer Therapie würde angeschaut werden, welche Rolle die jeweiligen Drogen in deinem Leben gespielt hat und welche Voraussetzungen du in deinem Leben schaffen müsstest, um auch ohne Drogen glücklich zu sein. Dabei geht es darum, durch neue Verhaltensweisen, also neuen Hobbys usw., zu lernen eigenständig Glücksgefühle zu entwickeln, es geht um dein Selbstbewusstsein und auch deine Rolle im sozialen Umfeld, also bei deinen Freunden (neuen und alten), deiner Familie und in der Schule. Ich würde dir auf alle Fälle empfehlen, eine Therapie zu machen. Um eine geeignete zu finden, solltest du dich bei der Drogenberatungsstelle in deiner Region melden und dort fragen, was für Therapeuten sie dir empfehlen. Du kannst auch deinen Arzt fragen, sofern dieser von deiner Vergangenheit weiss oder wissen soll...

Im Alltag wird dir helfen, wenn du versuchst eine gewisse Stabilität und Struktur aufzubauen, Geborgenheit zu schaffen und eine gesunde Lebensweise hast, was heisst ausgewogenes Essen, genug Schlaf und Ruhephasen, Sport, aber auch soziale Kontakte und kleine Erfolgserlebnisse. 

Ich bin sicher, du wirst das packen, deine Abitur machen und so langsam ein neues Leben beginnen können. Liebe Grüsse

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