Kann am Morgen kaum aufstehen

Hallo

Ich würde gerne etwas loswerden... Ich arbeite seit Januar bei einer neuen Stelle. Doch merke ich, dass es fast unmöglich scheint am morgen aufzustehen und in den Alltag zu starten. Seit längerer Zeit beschäftigen mich meine Probleme die ich in der Vergangenheit erleben musste. Ganz ehrlich fühle ich mich unfähig und kraftlos meine Arbeit zu leisten. Habe auch schon krankheitshalber gefehlt und ich merkte einfach, dass ich Zeit brauche meine Problemen zu verarbeiten, damit ich in Zukunft wieder die Kraft besitze um den Alltag zu meistern.

Ich bin mir seit ein paar Tage auch schon am überegen, ob ich meine neue Stelle kündigen soll desswegen, habe aber Angst ein Geld vom RAF oder Sozialamt zu bekommen. Was soll ich tun? Wäre um jede hilfreiche Antwort dankbar.

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

Sprich mit jemandem über deine Probleme

Liebe Murielle

Ich kann mir vorstellen, wie schwierig es ist, wenn man so vollkommen kraftlos ist, dass man am Morgen kaum aufstehen kann. Es tut mir sehr leid, dass du in deiner Vergangenheit einiges durchmachen musstest, das dich auch heute noch so beschäftigt, dass es dich regelrecht aus der Bahn werfen kann. Ich finde es jedoch toll, dass du selber gemerkt hast, dass du Zeit brauchst um alles zu verarbeiten und fände es ganz wichtig, dass du dir diese Zeit auch nimmst. Damit möchte ich aber nicht sagen, dass du deine Stelle kündigen solltest. Denn auch wenn es sehr schwierig ist, deine Probleme einen Moment lang auszublenden und am Morgen aufzustehen, fände ich es wichtig, dass du es trotzdem jeden Morgen versuchst! Gib nicht auf und stehe auf, gehe zur Arbeit und lass dich nicht von deinen Problemen klein kriegen. Denn wenn du dich zuhause verkriechst, dann hast du nur noch mehr Zeit um an deinen Problemen rumzudenken, als wenn du raus gehst, arbeitest, Leute triffst, und dich ein wenig ablenken kannst.

Versuche dich unbedingt jemandem anzuvertrauen. Denn über seine Probleme zu sprechen, hilft meistens schon ein ganz grosses Stück, die erlebten Ereignisse zu verarbeiten. Überlege dir, wer deine engste Bezugsperson ist und wem gegenüber du dich öffnen könntest. Wem vertraust du deine Vergangenheit an und wer könnte dich unterstützen und für dich da sein, wenn es dir nicht gut geht und du es am Morgen nicht aus dem Bett schaffst? Falls es dir lieber ist, könntest du dich auch einer externen Person anvertrauen. Psychologen, Ärzte oder Therapeuten unterstehen der Schweigepflicht. Das heisst, alles, was du ihnen erzählst bleibt unter euch und darf nicht an andere Personen weitergegeben werden. Sie könnten dir helfen, dich mit deiner Vergangenheit auseinander zu setzten, könnten dich unterstützen und dich gegebenenfalls auch (teilzeitig) krank schreiben, falls dies nötig wäre. Sie könnten dir also auch die nötige Zeit verschaffen, die du brauchst um deine Probleme zu lösen und könnten zudem den Kontakt zu deinem Arbeitgeber herstellen, falls du das möchtest. Denn vielleicht wäre es gar nicht so schlecht, deinen Arbeitgeber darüber zu informieren, dass es dir momentan nicht so gut geht und du viel zu verarbeiten hast. Ein Therapeut könnte dich dabei in einem gemeinsamen Gespräch unterstützen. Somit müsstest du auch nicht aufs RAV oder vom Sozialamt Geld beziehen.

Auf folgenden Links findest du Vermittlungsstellen für PsychotherapeutenSchweiz:http://www.psychotherapie.ch/content/d/thv/index.php?N1=TherapieplatzvermittlungDeutschland:http://www.therapieplaetze.deÖsterreich:http://www.psychotherapie.ch/content/d/thv/index.php?N1=TherapieplatzvermittlungZudem würde ich dir raten einen Ausgleich zu finden. Gibt es etwas, was dir besonders Spass macht, was du gerne unternimmst, Leute, die dir gut tun und welche du gerne triffst? Überlege dir, womit du dir selbst etwas Gutes tun könntest und tanke so wieder Kraft und Energie, um am Morgen vielleicht einen zusätzlichen Ansporn zu haben um aufzustehen und den Tag zu meistern.

Gib nicht auf und kämpfe weiter! Ich bin überzeugt, dass du es schaffen kannst und drücke dir die Daumen! 

Herzliche Grüsse und alles Gute.

Ronja

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