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Kann nicht sagen, wie schlecht es mir wirklich geht

Hallo

Ich bin 18 jahre alt und bin bei einem psychologen wegen einer mittelschweren depression, jedoch schaffe ich es nie meine gedanken und gefühle genau so zu beschreiben wie sie sind, ich schaffe es auch nie zu erzählen wie schlecht es mir wirklich geht.. Ich bin habe auch das gefühl bald wieder rückfällig zu werden, was das selbstverletzende verhalten angeht, aber ich weiß dass ich es beim nächsten termin nicht schaffen werde darüber zu reden. Es fällt mir leichter und ich bin ehrlicher als zu freunden oder meiner familie aber so richtig klappt es trotzdem nicht.. Ich weiß auch nicht was es ist.. Irgendwie habe ic dass gefühl, nicht genug wert zu sein um von meinen problemen reden zu dürfen bzw um aufmerksamkeit zu bekommen, habe auch irgendwie angst vor aufmerksamkeit..

Ich weiß nicht wie ich es schaffen soll, diese angst davor die wahrheit zu sagen zu überwinden.. Denn wenn ich es nicht tue kann ich doch auch nie wirklich geheilt werden? Ich hoffe ihr versteht was ich meine und könnt mir eventuell helfen..

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

Du bist es wert, dass man dir zuhört

Liebe Yvonne

Du bist sehr selbst-reflektiert und hast ein gutes Verstädnis von deinem Problem – du kannst nicht so gut und offen über die Schwere deiner Probleme reden, da du das Gefühl hast, dass du die Aufmerksamkeit nicht verdient hast. Vor allem bei deiner Psychologin hast du Mühe, und dort wäre es, wie du selbst erkannt hast, besonders wichtig, dass sie weiss, wie schlecht es dir wirklich geht, damit sie dir helfen kann.

Es ist auch schwierig, die Gefühle genau so zu beschreiben, wie sie sich anfühlen. Das ist aber Übungssache. Du könntest deine Psychologin mal fragen, ob sie eine Liste mit allen Gefühlszuständen hat. Oder du kannst es auch googlen und eine solche Emotions-Liste online finden. Dann hörst du in dich rein und versuchst mit der Liste zu überlegen, welche Gefühle du in dieser Situation hast. Schreibe diese Gefühle auf. Auf diese Weise könntest du lernen, deine Gefühle besser in Worte zu fassen und zu beschreiben. Vielleicht hilft es dir auch, Metaphern und Vergleiche zu verwenden, um zu beschreiben, wie du dich fühlst. Z.B. ich fühle mich so schlapp als wäre ich 20 Kilomenter gerannt, oder ich fühle mich so, als würde ich ständig einen schweren Rucksack mit vielen Büchern drin mit mir rumtragen. Auf diese Art könntest du deine Gefühle in Bildern ausdrücken. Vielleicht fällt dir dies leichter.

Hast du deiner Psychologin mal erzählt, dass es dir schwer fällt zu sagen, wie es dir wirklich geht? Wenn nicht, dann könntest du dies tun und ihr könntet gemeinsam einen Weg finden, wie du damit umgehen könntest. Oder, falls es dir schwer fällt, dies anzusprechen, könntest du ihr diesen Eitrag zeigen, damit sie darüber informiert ist.

Vielleicht fällt es dir generell einfacher, deine Gefühle aufzuschreiben. Schreibe mal auf, was deine Probleme sind, wie schlecht es dir geht, dass du denkst, mit deinem selbstverletzenden Verhalten rückfällig zu werden, dass du Angst vor Aufmerksamkeit hast...schreib alles auf, was in dir vorgeht und du gerne los werden möchtest. Dies könntest du dann beim nächsten Termin deiner Psychologin zum Lesen geben. Probiers mal aus, vielleicht fällt dir dies leichter.

Es ist schön, dass du bei deinen Freunden und Familie über deine Probleme reden kannst (auch wenn es nicht immer klappt) – das darfst du nämlich auch. Du bist es Wert, dass man dir zuhört und für dich da ist, wenn es dir schlecht geht. Das gleiche gilt bei deiner Psychologin. Auch dort darfst du all deine Probleme abladen, für das ist sie ja auch da, um dir ihre Aufmerksamkeit zu schenken.

Rebecca