Mögen Freund lieber als Tochter

Eine gute Bekannte von mir hat seit einigen Monaten einen Freund. Vor ein paar Wochen merkte sie immer mehr, dass sie ihn nicht mehr liebte und sagte ihm das auch mehrmals. Er liess sie nicht los und schrieb ihr immer wieder SMS. Letzten Montag hat sie ihm dann gesagt es sei nun wirklich Schluss. Kurze Zeit später tauchte er bei ihr zu Hause auf, redete auf sie ein und meinte, er wisse dass sie das nicht wolle. Er würde ihr bis Mittwoch (gestern) Zeit geben um es sich zu überlegen. Gestern tauchte er wieder bei ihr auf und wollte ihre Entscheidung hören. Sie sagte es würde niemehr etwas zwischen ihnen sein. Er stürzte aus ihrem Zimmer und redete mit ihrer Mutter.

Nun, ihre Eltern mögen ihren Freund lieber als ihre Tochter. Das merkt man eindeutig.

Da meine Bekannte und ih ex-Freund sich seit ca. einem Monat (bevor sie Schluss machte) nicht mehr gesehen haben, glaubten ihre Eltern sie habe Schluss gemacht. Nun wird meine Bekannte seit 3 Wochen zu Hause eingesperrt. Sie darf nicht mehr raus, nichts mehr. Heute hat ihre Mutter ihr sogar alle sachen weggenommen, die sie meiner Bekannten geschenkt hat. Ihre Eltern reden nicht mehr mit ihr. Ihr Ex-Freund hat ihren Eltern angeblich gesagt, sie habe ihn nur verarscht. Ihre Mutter äusserte daraufhin ihre Meinung, dass sie hoffe, dass meine Bekannte auch einmal so verarschen wird. Doch von Verarschung kann hier keine Rede sein. Denn ich weiss, dass sie ihren Freund wirklich liebte. Meine Bekannte hält es zu Hause inzwischen nicht mehr aus. Ihr wird alles weggenommen (sie ist ein Einzelkind), sie wird eingesperrt und wird von den Eltern ignoriert. Wie kann ich ihr helfen? Was soll sie tun? Kann sie aufs Jugendamt und Hilfe anfordern? Könnte sie mit der Hilfe vom Jugendamt eventuell ausziehen und in eine WG oderso, auch wenn sie noch minderjährig ist?



Vielen Dank für Ihre Antwort!

Vanessa

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

Miteinander reden

Hallo Vanessa

Es ist hart, wenn Entscheide nicht respektiert werden. In jemanden verliebt sein und sich dann wieder entlieben, kommt immer wieder vor. Doch das Schluss machen wird von den Beteiligten oftmals nicht gleich verstanden. Und wenn dann aus anfänglichen Liebesgefühlen auch noch Rache wird, dann wird es für die Betroffenen sehr schwierig.

Als Teenager ist man in dem Alter, wo die Gefühle für sich selber und für eine Beziehung erst mal ausgestestet und erfahren werden müssen. Es ist ein Ausprobieren und sich beschnuppern und erspüren, was man/frau überhaupt möchte. Das kann mit guten Gefühlen verbunden sein, aber auch dem Risiko, dass man sich auf Enttäuschungen einlassen muss. Kurz gesagt: der ganzen Bandbreite von guten bis schlechten Gefühlen ist man ausgesetzt. Da wäre es nun denn sehr hilfreich, wenn verständnissvolle Eltern zur Stelle wären, um das Auf und Ab der Gefühle einigermassen ausgleichen zu können. Doch es kommt immer wieder vor, dass Eltern in dieser Zeit einerseits mit den Gefühlen ihrer Kinder überfordert sind und andererseits zu überbesorgt sind und zu sehr ins Geschehen eingreifen. Beschützen wollen kann dann zu einem Gefängnis werden.

In dem Fall den du beschreibst, scheinen die Beteiligten aneinander vorbeizureden und das Verständniss für einander zu fehlen. Was hier hilfreich sein könnte, wäre, wenn sich die Familie gemeinsam zu einer Beratungsstelle begibt, um dort ihre gegenseitigen Erwartungen zu klären. Ich kann mir auch vorstellen, dass deine Bekannte zuerst mal selber bei einer Jugend/Familenberatungsstelle in eurer Wohngegend einen Termin abmacht. Dort wird man dann mit ihr schauen, wie der Rest der Familie auch miteinbezogen werden kann, oder was es für weitere Möglichkeiten gibt.

Übrigens, schön dass deine Bekannte auf eine so engagierte und besorgte Kollegin zählen kann, wie du es bist!

Karin

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