Mein Vater trinkt zu viel

Mein Vater trinkt zu viel. Er kommt nachhause und hat meistens schon was getrunken(merkt man an der Fahne die er hat wenn er uns einen Bergrüssungskuss gibt), dann holt er gleich den Wein und macht weiter.

Er ist nicht bösartig aber man kann nach einer gewissen Zeit nicht mehr normal mit ihm reden, er bekommt nicht mit was wir am Tisch beim Essen reden oder versteht es voll falsch, ausserdem vergisst er alles. Das was am Abend geredet wird weiss er sicher nicht mehr am nächsten Tag, behauptet aber, dass er es doch wüsste wenn man es erklärt hat.

In den letzten Monaten gab es deswegen auch öfters Streit, mich regt es auf wie er so verwaschen redet und nicht richtig zuhört, meine Mutter ist zwar sehr geduldig aber zwischendurch lässt sie ihren ganzen Kummer und Zorn dann doch raus aber er scheint es gar nicht zu verstehen.Er grinst einfach. Ich behaupte er weiss das am nächsten Tag auch nicht mehr. Aber meinen jüngeren Bruder(13) und mich(15)belastet das sehr, dass meine Mutter so leiden muss.

Wir haben es so gut mit ihr aber sobald er nachhause kommt ist die Stimmung kaputt obwohl ich auch gute Momente mit ihm habe und wir reden können aber da hat er halt noch nicht so viel getrunken.

Ich habe gehört dass es eine Krankheit ist aber es gibt ja keine Medikamente dafür und er will es ja auch nicht wahr haben.

Was kann ich da tun?

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

Darüber sprechen

Liebe Laura

Das hört sich anstrengend und auch auch traurig an. Was ihr erlebt, erleben viele Familien. Obwohl ab und zu ein Glas Alkohol in unserer Gesellschaft normal ist, kann sich bei manchen Personen eine Sucht zum Alkohol entwickeln. Manche Menschen sind dafür anfälliger als andere. Und ja, Alkoholsucht ist eine Krankheit. Aber es stimmt, man kann nicht einfach ein Medikament dagegen nehmen und dann ist man geheilt. Das ist ja bei vielen Krankheiten so. Aber es gibt Behandlungen und sogar auch Medikamente. Je nach dem, was die Person braucht.

Aber du schreibst schon richtig, "er will es ja auch nicht wahrhaben". Das ist bei den meisten Alkoholkranken so und gehört zur Sucht, dass man es nicht wahrhaben kann. Darum ist es so schwierig zu helfen. Das ist wohl auch das, was deine Mutter so zornig und verzweifelt macht.

Sprecht als Familie darüber. Wenn das mit eurem Vater nicht geht, dann sprich erstmal nur mit deiner Mutter und deinem Bruder. Ihr müsst das "Nicht Wahrhaben" nicht mitmachen, denn durch Ignorieren wird alles nur schlimmer. Sprecht miteinander. Auch mit Personen ausserhalb der Familie, holt euch Unterstützung. Viele Familien werden in solchen Situationen immer einsamer, weil sie sich schämen. Das ist schade und hilft nicht.

Das Wichtigste aber: Schau gut zu dir selbst. Tu, was dir gut tut, um dich zu selbst zu stärken. Denn nur wenn es dir gut geht, kannst du auch für andere da sein.

Ich wünsche euch alles Gute, liebe Grüsse, Mika

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