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Schmerz und Angst

Hallo..

Ich habe hier schon einmal etwas geschrieben, auch eine sehr hilfreiche Antwort bekommen, nur kann ich den Beitrag nicht mehr finden um darauf zu antworten..

Vor ein paar Monaten habe ich es aufgegeben zu lachen und versucht meine zwei "Freunde" loszuwerden, ich war ihnen nie wichtig..

Das Lachen war oft genug echt, dch der Schmerz war nie ganz Weg. Nachts muss man dafür bezahlen, dass man lacht, mit noch mehr Schmerz und Angst.

Aber ich darf mich nicht beschweren.

Meiner Klassenlehrerin ist nun aufgefallen, dass ich immer traurig aussehe, sagt sie zumindest, meiner Meinung nach nicht.

Ich habe ihr dann - ich weiß nicht warum ich das getan habe, ich glaube es war nicht gut... schwach -die Narben an meinem Arm gezeigt.

Sie will mir helfen, denkt, sie wüsste jetzt so ziemlich alles, aber da irrt sie sich..

Einerseits möchte ich versuchen mich noch mehr zu öffnen, andererseits habe ich Angst, dass ich das nicht darf, dass es sie stört. Außerdem soll ich zu so einer Beratungsstelle gehen.. Ich hab es nicht geschafft ihr zu erklären, dass ich nicht darüber reden kann, erst recht nicht mit jemand völlig Fremdem... Ich habe einfach nicht das Recht irgendwen mit mir zu belästigen, aber so kann ich nicht weiter machen und leben.

Auch auf die Gefahr hin, dass man mich für egoistisch - das Wort "Ich" kommt ja oft genug vor -und nervig hält, schicke ich ab.

LG

Lacrima

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

Sich Hilfe holen ist stark!

Liebe Lacrima

Es tut mir sehr leid zu hören, dass du nicht mehr lachst. Dein Leben scheint mit Schmerz, Angst und Tränen (lacrima heisst ja Träne auf Spanisch) erfüllt zu sein. Deine Nachricht ist weder egoistisch noch nervig. Diese Seite ist genau dafür da, dass man sich einen Moment Zeit für sich und nur ganz alleine für sich nimmt und sein Anliegen niederschreibt. Hier soll es nur um dich und dein Wohlbefinden gehen.



Du schreibst, dass es schwach war, deiner Lehrerin die Narben zu zeigen. Doch sich Hilfe holen zu können, ist eine starke Persönlichkeitseigenschaft. Das zeigt, dass du dir einer Notlage bewusst bist und kämperisch genug, das Problem anzugehen. Und du schreibst ja, dass du dich mehr öffnen möchtest. Das unterstütze ich sehr. Du wirst sehen, dass es ein sehr befreiendes Gefühl ist, mit jemandem über seine Probleme zu sprechen. Dabei kann man in ganz kleinen Schritten beginnen, man muss nicht von Anfang an alles erzählen.

Ich bin sicher, dass deine Klassenlehrerin dir helfen möchte, dabei kommt es auch nicht so darauf an, ob sie alles weiss oder nicht. Du darfst und sollst bei jeder Hilfe, die du annimmst, selber bestimmen, wieviel du von dir verrätst. Du machst dir auch Sorgen, ob du deine Lehrerin mit deinen Problemen nerven könntest. Aber ich glaube nicht, dass es sie stören würde, denn sonst hätte sie dich ja nicht angesprochen. Wahrscheinlich wäre ihr dann auch keine Traurigkeit an dir aufgefallen. Das zeigt, dass sie dich wertschätzt und möchte, dass es dir besser geht. 

Ich kann gut verstehen, dass die Vorstellung auf so eine Beratungsstelle zu gehen und einer fremden Person alles zu erzählen, abschreckt. Doch meistens funktioniert es so, dass man erstmal hin geht und über ganz allgemeine Sachen spricht. Du erzählst dann ein bisschen von dir und deinem Leben, das heisst, du erzählst über deinen Alltag, deine Familie, deine Freunde, deine Lieblingsbeschäftigungen. Nach einem solchen Gespräch kannst du dann ein bisschen abschätzen, ob du es dir vorstellen kannst, dieser -jetzt nicht mehr ganz fremden Person- ein bisschen mehr zu erzählen. Und natürlich hast du das Recht über die Dinge, die dich beschäftigen und belasten, zu sprechen. Gerade in solchen Beratungstellen arbeiten Personen, die genau dafür ausgebildet worden sind. Das sind Leute, die gerne helfen und für andere da sind. Darum sind sie auch besonders gut im Zuhören und Helfen. 

Ich würde dir auf alle Fälle raten einen Versuch zu starten und eine solche Beratungstelle aufzusuchen. Du musst dabei immer Hinterkopf behalten, dass du jederzeit entscheiden kannst, das Ganze abzubrechen. Du verpflichtest dich dabei zu nichts, denn in dem Moment soll es nur um dich gehen und darum, dass du dich wohl fühlst. Du darfst auch verschiedene Beraterinnen oder Berater ausprobieren, es gibt sicher jemanden, mit dem du es gut kannst.

Liebe Lacrima, ich wünsche dir viel Kraft und Mut, diesen Weg, denn du begonnen hast, weiterzugehen, dir Hilfe zu holen und bald frei von Schmerz und Angst zu sein.

Kim