Suche Geborgenheit

Hallo

Meine Eltern haben sich im Dezember getrennt, es war für mich nicht überraschend es hat 3Jahre gedauert. Leider musste meine Mutter ausziehen, weil mein Vater ein arroganter Mensch ist. So lebe ich jetzt mit meinem Vater und meinem älteren Bruder (17)(Ich 15) zusammen. Leider muss ich sagen ich hasse meinen Vater.. und mit meinem Bruder kann ich es auch nicht gut. Mein Vater hasst mich auch, er sagt mir immer ich soll zu meiner Mutter gehen, und das tut mir so weh =(

Ich würde sehr gerne zu meiner Mutter gehen, doch sie lebt in einem Haus vo ich mich einfach nicht wohlfühle, alles ist alt und dunkel klein. Ich musste mich von meinem 15-jährigen Zimmer trennen von einem Wohnort und das will ich eifach nicht es wäre für mich viel zu belastend alle Freunde zu verlassen. Ich weiss nicht mehr weiter.. ich suche geborgenheit ich bin momentan so einsam und weiss einfach nicht an wenn ich mich wenden sollte. Ich traue mich nicht mit Freunden darüber zu reden.. ich würde am liebsten ausziehen aber mit 15 geht das ja nicht... Ich habe seit 5 Wochen abend depressionen und ritze mich auch häufig.. ich hoffe ihr könnt mir helfen lg Karin (15)

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

Viel Kraft!

Liebe Karin

Es tut mir sehr leid zu hören, dass deine Eltern sich getrennt haben. Auch wenn es nicht überraschend kam, hast du dir vielleicht heimlich immer gewünscht, sie würden zusammen bleiben. Egal, ob die Trennung von Eltern angekündigt ist oder nicht, es wirft einen einfach aus der Bahn. Und dass dein Vater dir das Gefühl gibt, dich zu hassen, ist gemein. Das macht traurig. Eltern sind in Trennungssituationen oft fest mit sich selber beschäftigt und auch überfordert, dass sie fast vergessen, wie es ihren Kindern dabei geht. Und mit einem grossen Bruder hat man es auch nicht immer leicht...

Ich kann gut verstehen, dass du nicht von deiner gewohnten Umgebung und deinen Freunden wegwillst. Im Moment ist dein Zimmer und deine Freunde genau das, was trotz der Trennung gleich geblieben ist. Ich nehme an, dass dir dein Zimmer ein Gefühl von Schutz und Sicherheit gibt. Es gibt sicher noch mehr Dinge in deinem Leben, die dir ein Gefühl von Geborgenheit geben. Versuche dich daran zu erinnern, wann du dich im Leben so richtig wohl gefühlt hast. Vielleicht war da ein bestimmter Duft, ein Musikstück oder aber auch bei Freunden oder bei einem Hobby. Mach eine Liste von Dingen, die du gerne machst und versuche jeden Tag etwas davon zu machen. Zum Beispiel jeden Abend, bevor dich die depressiven Gefühle und das Bedürfnis, dich zu ritzen überwältigen. Das muss ja nicht lange sein. So kannst du aktiv und unabhängig von deinen Eltern dir ein Gefühl von Geborgenheit schaffen. 

Du sagst, du traust dich nicht, mit deinen Freunden darüber zu sprechen. Das kann ich gut nachfühlen. Man weiss ja schlussendlich nie, wie sie darauf reagieren werden. Vielleicht hast du aber jemanden in deinem Freundeskreis, dessen Eltern auch getrennt oder geschieden sind. Mit diesem Freund könntest du all die Dinge besprechen, mit denen du dich jetzt allein in deinem Gedanken herumschlägst. Denn es gibt viele Jugendliche, deren Eltern sich trennen oder scheiden lassen. Überhaupt würde ich versuchen, oft mit Freunden zusammen zu sein, die dich gern haben und bei denen du dich wohl fühlst. 

Wie ist es denn mit deiner Mutter? Hast du schon einmal versucht, mit ihr über deine Einsamkeit zu sprechen? Vielleicht kann sie im Moment gut verstehen, wie es dir geht. Sie ist neu ja auch alleine. So wie du schreibst, hast du es gut mit deiner Mutter, das ist schön! Im Moment ist halt alles neu, sie ist nicht mehr zuhause und ihr neues Haus ist so unbekannt. Wahrscheinlich verbindest du mit diesem neuen Haus schmerzhafte Gefühle, weil es ja nur deshalb da ist, weil sich deine Eltern getrennt haben. Ich würde dir und deiner Mutter raten, den Spiess umzudrehen und viele gute Situationen und Erlebnisse in diesem Haus zu planen und durchzuführen. Plant ein feines Abendessen oder schaut zusammen einen schönen Film. Füllt dieses neue Haus mit guten Erinnerungen!

Liebe Karin, ich wünsche dir viel Kraft für die nächste Zeit. Im Moment ist alles neu, doch ich bin sicher, du wirst diese Situation packen und das Beste daraus machen!

Lieber Gruss.

Kim

© 2020  IOGT Schweiz

Alle Rechte vorbehalten