Suchen ist menschlich

Jetzt sitze ich hier und versuche seit ner viertel Stunde zu formulieren wie es mir geht. Ich bin eigentlich kein Mensch der vielen Worte, deshalb ist es für mich schwer mein Problem verständlich zu formulieren. Ich glaub es fing alles mit meiner damaligen besten Freundin an. Wenn ich bei ihr war oder neben ihr stand, fühlte ich mich immer so klein, so als ob nur sie etwas besonderes ist. Ich wollte immer ihre Aufmerksamkeit aber irgendwann wollt ich das nicht mehr und hab mich von ihr abgeseilt. ich wollte immer so sein, wie jemand anderes. mal so mal so. ich hab mich innerhalb von ein paar Tagen total verändert. Dann wollt ich wieder wie jemand anders sein, also so wie er. Mehr reden oder mehr das machen oder mehr das. Ich hab mich so oft versucht zu verändern, dass ich jetzt nicht mehr weiß, wer ich wirklich bin. Wie ich schon gesagt habe, bin ich eigentlich nicht der Typ von vielen Wörtern, aber dadurch, dass ich mich immer verändern wollte, oder so sein wollte wie jemand anderes rede ich nur noch bescheuertes Zeug, das keinen Interessiert. ich weiß einfach nicht, wie ich wieder ich sein kein. Was kann ich ändern? Wie weiß ich wieder, wer ich wirklich bin? Ich weiß wirklich nicht mehr weiter

GLG Laura

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

Du bist auf der Suche nach dir selbst

Liebe Laura

Wer von uns ist nicht auf der Suche? Die Suche ist ein Teil der menschlichen Identität, ja, ein unverzichtbarer Baustein der persönlichen Entwicklung.  Wir möchten dies und jenes erreichen, so oder so aussehen und wie andere Menschen rhetorisch stark sein. Die Liste liesse sich unendlich weiter führen. Viele erfolgreiche Menschen kaufen sich Bücher über Biografien von anderen Erfolgreichen. Menschen lernen von Menschen. Studenten gehen an die Unis um zu lernen, was die anderen geschrieben haben. Doch im Kern geht es um die Frage, weshalb möchte man, um es in deinen Worten zu formulieren "wie die andern sein"? Welches menschliche Bedürfnis wird damit erfüllt?

Ich glaube, Anerkennung und Respekt sind für jeden Menschen wichtig. Ich gehe daovon aus, dass es diese Bedürnisse sind, welche dich "auf die Suche" schicken. Und dies ist gut so. Du fühlst dich dennoch nicht wohl dabei. Vielleicht denkst du dir, es ist nicht gut wie die anderen zu denken und zu reden. Ich bin schliesslich nicht mehr ich. Nein, liebe Laura, du kannst machen was du willst, du wirst nicht wie die anderen sein. Es werden immer nur irgendwelche Aspekte sein, die du von den anderen lernst und übernimmst. Laura bleibt Laura.

Mein Tipp: Versuche bitte deine Bilder von den anderen zu konkretisieren. Denke an die letzten drei Menschen, welche du "nachmachen wolltest". Was genau hat dir dabei gefallen? Nimm ein Stück Papier und schreibe es für dich auf. Überleg dir weiter, was genau war es es beim ersten, danach beim zweiten und schliesslich beim dritten Menschen, das dir gut gefallen hat. Vielleicht kommst du dann zum erstaunlichen Schluss, dass das was du an anderen gut findest, schon bei dir vorhanden ist. Vielleicht denkst du dir, nein, ich will aus diesem und jenem Grund nicht mehr so wie XY sein. Lass dich von dir überraschen. Du siehst, liebe Laura, in erster Linie ist es wichtig Klarheit über das zu haben, was man will. Eine bewusste Entscheidung etwas von jemand anderem zu übernehmen, ist Teil deiner Persönlichkeit. Es kann sein, dass du bald merkst, dass du es doch nicht so willst und die Entscheidung änderst. Das ist gut so, weil du dich während deines ganzen Lebens verändern wirst und ganz sicher gehört es dazu, Dinge auszuprobieren.

Lieber Gruss

Enver

© 2020  IOGT Schweiz

Alle Rechte vorbehalten