Torschlusspanik mit 24

Hallo :)

seit einem Jahr bin ich nun Single... und plötzlich habe ich irgendwie Angst übrig zu bleiben. Bald bin ich Mitte 20 und die einzige Beziehungserfahrung die ich vorweisen kann, sind 1.5 Jahre. Ich weiss nicht, woran es liegen kann. Einerseits bin ich ein schüchterner Mensch, andererseits gehe ich immer offen auf Leute zu, lerne gerne neue Menschen kennen. Flirten kann ich auch ;-) gerade an der Uni ist im Moment sehr viel los in dieser Hinsicht. Jedoch sind alle in meinem Umkreis vergeben, und z.t. schon ziemlich heftig (mit Baby, gemeinsamer Wohnung, etc). Das macht mir langsam Angst... und ich habe Angst, übrig zu bleiben am Schluss. Ich lerne schon Männer kennen, aber die sind (bis auf eine Ausnahme) immer schon vergeben. Es ist nicht so, dass ich völlig panisch durch die Gegend laufe und verzweifelt nach einem Mann suche, das strahlt man dann ja auch aus. Ich habe diese Trennung nun langsam überwunden, weil es ein Jahr her ist und bin nun ein bisschen am "Schaufensterbummeln" und muss feststellen, der Markt ist dünn! Dadurch, dass ich nur ein bisschen schaue, was so "herumläuft", habe ich eine eigentlich lockere Art, und das kommt bei den Männern gut an. Im Moment bin ich beliebt wie nie zuvor... aber eben, die sind alle vergeben. Und für sie ist ein Alltagsflirt natürlich cool, da sie ja abends nach Hause zu ihren Freundinnen können.

Ich habe meine Ansprüche und ich finde, die darf ich auch haben. Sie sind nicht kompliziert oder so, er muss einfach intelligent sein und wenn möglich auch attraktiv, wobei mir ersteres wichtiger ist.

Dadurch, dass ich schon vor meiner ersten Beziehung lange alleine war, habe ich nun Angst, wieder 3,4,5 Jahre alleine zu bleiben... und diese Angst lähmt mich irgendwie. Weil es ja keine Garantie gibt. Rein statistisch gesehen ist es wahrscheinlicher, dass eine 40-jährige Akademikerin Opfer eines Terroranschlags wird, als noch einen Mann zu finden. Und weil ich halt schon oft alleine war, entwickelt man so ein bisschen Eigenarten, die vielleicht nicht so weiblich sind. Ich kann alleine ein Bild aufhängen mit dem Akkubohrer, ich kann meinen PC alleine flicken, ich kann alleine eine Kommode zusammenbauen. Entsprechend trete ich vielleicht im Alltag auch etwas "hart" auf... dabei wollen Männer ja eigentlich eine eher "weiche" Frau, die sich helfen lässt (was ich mir ja auch würde, aber vielleicht werden viele einfach schonmal im vorneherein "abgeschreckt"). Natürlich binde ich es nicht jedem auf die Nase, was ich alles alleine meistere. Aber aus Gesprächen geht halt doch deutlich hervor, dass ich eigentlich keinen Mann "brauche". Ich brauche auch keinen, aber ich hätte gerne jemanden an meiner Seite. Auch wenn ich das Bild selber aufhängen kann ;-)

Wisst ihr einen Weg, mich da ein bisschen zu beruhigen in dieser Hinsicht? Oder ist die Torschlusspanik mit 24 gerechtfertigt?

Kommt noch dazu, dass ich nicht so oft ausgehe am Wochenende... mein Freundeskreis ist ausnahmslos vergeben und im Moment finden Taufen und Wohnungseinweihungsfeste statt ;-) ich lebe aber ein aktives Leben, engagiere mich, studiere, arbeite.... aber das mit der Liebe funktioniert nicht.

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

Deinen Radius erweitern

Liebe Elin

In deinem Umfeld sind die meisten Leute vergeben und haben z.T. bereits Kinder. Und du machst dir als Single langsam Sorgen, dass du alleine enden wirst. Deine Sorgen sind verständlich – du bist auf Taufen und Wohnungseinweihungen eingeladen, deine Flirts sind meist bereits vergeben und wenn du dich so rumschaust, findest du den Markt eher beunruhigend. Dabei wünschst du dir auch jemanden an deiner Seite. Du hast auch Recht – es gibt keine Garantie. Andererseits bedeutet es keinesfalls, dass du alleine enden wirst, nur weil du momentan in keiner Beziehung bist. Nur weil du vor deiner letzten Beziehung sehr lange single warst bedeutet nicht, dass es dieses Mal wieder so lange dauern wird. Es kann manchmal sehr schnell gehen. Und es gibt viele Untersuchungen die zeigen, dass das Alter der Familiengründung immer weiter nach hinten rückt, vor allem bei Akademikerinnen. Lass also deinen Kopf nicht hängen und lass dich deswegen nicht stressen. Du bist eine unabhängige Frau, die weiss was sie will und die sich selbst helfen kann. Das ist etwas sehr Positives. Es gibt bestimmt viele Männer, die es toll finden, wenn eine Frau mitanpacken kann. Das macht dich nicht „Unweiblich“ und das musst du auch nicht verstecken. Es ist schon mal sehr gut, dass du offen bist und flirten kannst. Und du sagst selbst, dass deine Art bei Männern gut ankommt. Was du noch tun könntest, um Männer kennen zu lernen (da ja in deinem Umfeld fast alle vergeben sind), wäre z.B. einem Verein beitreten, wo es auch Männer gibt (Sportverein, Theaterverein, Musikgruppe…). So könntest du deinen Radius etwas erweitern und die Chance erhöhen, dass Singles dabei sind, mit denen du dann sogar ein Hobby gemeinsam hast. Oder du könntest auch sowas wie Online Dating probieren oder dich anderen Single-Mädels anschliessen und öfters ausgehen.

Wenn du etwas aus deinem Freundeskreis hinaus schaust, wirst du sehen, dass du überhaupt nicht die einzige bist,  die noch nicht vergeben ist. Versuche dir daher nicht allzu grosse Sorgen zu machen. Und stehe zu dir – ist doch toll, dass du auch alleine klar kommst.

Rebecca

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