Unendlich viele Probleme

Hallo, ich bin 17 Jahre alt.

Ich hab so unendlich viel Probleme auf einmal, ich ertrag das alles nicht mehr.

Es fing alles letztes Jahr an, ich hatte durch meine beste Freundin einen neuen Jungen kennengelernt und er stand extrem auf mich. Wir sind dann auch zusammengekommen. Nach den Herbstferien, wollte ich auf einmal nicht mehr in die Schule. Ich hab angefangen zu schwänzen und wollte immer lieber bei ihm sein. (Er hatte schon sein Abi und wartete auf sein Studienplatz in Holland). Irgendwann hat das auch meine Mutter mitbekommen. Wir haben uns sehr oft gestritten und angeschrien.

Als ich dann nach ein paar Tagen GAR NICHT mehr in die Schule gegangen bin, immerzu geweint habe ohne Grund, es gehasst habe, wenn andere lachten, mich geritzt und Schlafstörungen hatte, da haben sich alle Sorgen gemacht. Ich musste zu einer Therapeutin. Die hat gesagt, ich hätte Depressionen und hat mich auch krankgeschrieben. Aber alles, was ich wollte, war nur bei meinem Freund zu sein. Ich hatte Selbstmordgedanken und meine Therapeutin konnte nicht mehr die Verantwortung für mich übernehmen und hat mich an eine Jugendpsychiatrie weitergeleitet. Ich brauchte die Zuneigung von einem anderen Jungen, jetzt da mein Freund nicht mehr jeden Tag für mich da sein konnte. Und hab dann auch mit einem anderen Jungen was angefangen, während ich meinen Freund noch hatte. Einen Monat später wurde ich entlassen, weil ich dort mit dem Jungen im Bett gesehen wurde. Angezogen, und wir haben abgestritten, dass wir miteinander geschlafen haben. Aber es stimmte, ich hatte mit ihm geschlafen. Disziplinar entlassen wurde ich ambulant von meiner alten Therapeutin weiterbehandelt. Da ich mich mit meiner Mutter immer schlechter verstand, wollte ich zu meinem Vater ziehen, der brauchte aber erstmal eine größere Wohnung, doch meine Mutter hatte unser Reihenhaus schon gekündigt und ich hatte dann keine richtige Bleibe. Also hab ich bei meinem Freund "gewohnt"/geschlafen.<

Als es schon Mai wurde, da musste mein Freund aber zu einem Sprachkurs für sein Studium nach Holland. Einen Monat. Das bedeutete, ich musste von jeden Tag sehen auf gar nicht mehr sehen umschalten. Es fiel mir so unglaublich schwer. Es schmerzte. Jeden Tag wünschte ich, ich wäre bei ihm und jeden Tag fühlte ich mich ungeliebter.

Weil ich aber nicht ich die Schule musste (krankgeschrieben), hatte ich die Chance, ihn dort zu besuchen. Er hatte ja sein eigenes Zimmer. Also war ich dann bei ihm, es war schrecklich. Er war den ganzen Tag in der Uni und wenn ich nicht mit seinen komischen Freunden abhängen wollte, tat er es allein mit denen. Ich verstand nicht, wie er dann noch sagen konnte, dass er mich liebt. Das was er da immer gemacht hat, das war für mich keine Liebe. Aber ich war besessen von ihm. Liebe würd ich das meinerseits nicht nennen, nur abhängig. Er brauchte sein Freiraum und ich immer mehr Nähe - das ging nicht mehr gut und als ich von Holland wieder nach Hase gefahren bin, habe ich Schluss gemacht. Aber ich konnte einfach nicht ohne ihn, also kam ich wieder angekrochen. Wir waren dann wieder zusammen. Doch als der Sprachkurs zu Ende war und er wieder in Deutschland war, da wollte ich ihn unbedingt sehen und war wieder zu besessen und zwang ihn, sich mit mir zu treffen, dann hat er Schluss gemacht. Ich konnte das nicht ertragen und wollte mich umbringen. Es gab nur 2 Optionen: entweder ich darf ihn noch treffen oder ich bring mich um. Dann hat er es noch erlaubt, dass ich zu ihm gefahren bin. Es war schon nachts. Wir haben ein bisschen geredet und uns auch gut verstanden und er hat gefragt, ob ich bei ihm schlafe. Wir haben dann ausgemacht, dass wir noch Freunde bleiben. Also richtig gute. Und nach 3 Tagen, da wollte er mich wieder. Er sagte, dass er das so gut findet, wenn ich nicht aufdringlich bin und ich ihn nicht zwinge sich mit mir zu treffen. Ich hab mich natürlich mit Absicht so zurückgehalten. Es war aber anstrengend und nicht schön für mich. Aber ich dachte, gut, dann lieber so, als wenn ich gar nicht mit ihm zusammen bin. Früher war ich anders. Da waren mir alle Jungs scheißegal und war aus Spaß mit denen zusammen und ich hatte mich niemals so zu jemanden hingezogen gefühlt… aber als ich angefangen hab ihn gern zu haben, da wurde ich zum Weichei. Nur jetzt wo ich ein besessenes Weichei war, wollte er mich nicht mehr so wie früher.

bla bla dann waren wir wieder zusammen und er musste nach Holland. Das heißt, dasselbe wie mit dem Sprachkurs, nur diesmal bleibt er in Holland. Ich wusste nicht mal, wann er wiederkommt um uns zu besuchen. Als er wegfuhr, fing auch die Schule wieder an. Aber das machte mir so zu schaffen, dass er wieder so plötzlich weg war, dass ich mich wieder umbringen wollte, meine Therapeutin hat mich wieder sofort in die Psychiatrie eingewiesen. Da hatte ich einen neuen Therapeuten bekommen. Er hat festgestellt, dass es mir an Mutterliebe fehlte und ich deshalb mir diese Liebe bei anderen suche. Meinem Freund. (und bei allen Fremdgehereien, weil ich zudem auch noch eine Schlampe geworden bin. Das belastet mich sehr. Ich schlafen mit vielen, obwohl ich das eigentlich gar nicht will…). Seit 1. September ist er weg und vorgestern das erste Mal wiedergekommen. Aber er hat es mir gar nicht erzählt, dass er kommt. Ich weiß das durch andere. Er hat mich auch nicht angerufen, aber ich konnte nicht widerstehen und hab ihn vorhin angerufen. Er fährt morgen früh. Ich wollte noch zu ihm. Ich hab gefragt, wieso er mir das nicht erzählt hat, er sagte, er dachte, ich hätte das bei Facebook mitgelesen. Aber den anderen hat er es doch auch nochmal extra geschrieben. Er sagte, auch er hätte jetzt keine Zeit sich mit mir zu treffen, weil er grad bei einem Freund ist und später noch zu einem anderen geht. Klar, er war lange weg, und wir sind ja auch gar nicht mehr zusammen, aber er kann mich doch gar nicht nicht sehen wollen oder?! Ich verzweifle grad schon wieder und ich bereue es richtig, dass ich ihn noch angerufen habe. Das Gefühl immer wieder zu ihm angekrochen zu kommen, um dann herauszufinden, dass er mich nicht so liebt wie ich es brauche, und ich kann auch nicht aufhören zu heulen und hab wieder so starke Selbstmordgedanken und ich finde auch keinen Ausweg. Ich bin jetzt schon so lange so verletzt und es ist jedes Mal wieder so schlimm. Ich möchte so gerne sterben. Ich will das alles so nicht mehr! Ich möchte wieder frei sein. Und es sieht schwer danach aus, als ob der Tod der einzige Weg dahin ist. Aber es muss doch noch eine Möglichkeit geben, wie ich wieder so wie früher werde!

Also wie soll ich mit diesen Schmerzen weiterleben? Warum kann ich nicht ganz normal zu Schule gehen? Wie stell ich diese "Schlampen-Ader" ab? Bitte helft mir, ich bin so unglaublich verzweifelt, ich weiß nicht, was ich tun soll. Immer den Drang haben, sich umzubringen und wenn dann so eine Abfuhr von jemandem kommt, den du sehr magst ist man ganz kurz davor...

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

Balance

Liebe Lisa

Deine Geschichte tut mir sehr leid. Du hast dich wahnsinnig fest in diesen Jungen verliebt, der offensichtlich nicht das Gleiche empfindet wie du. Du bist jemand der viel Aufmerksamkeit braucht und sich diese auch zu holen versucht, wenn sie nicht von alleine kommt. Das führte dazu, dass du oft abgewiesen wurdest. Von deinem Freund und auch bei deiner Therapeuten habe ich das Gefühl, dass du dich abgeschoben fühlst.

Kurzfristig musst du dich wirklich von diesem Jungen lösen, dieses Hin und Her tut dir nicht gut, du versuchst ihn zu manipulieren, um seine Liebe zu bekommen, bist dann aber verletzt, wenn er eben doch nicht so handelt, wie jemand es tun würde, der für dich da ist. Du solltest diese "Chance" nutzen, dass er in Holland ist und ihn vergessen, lösche ihn von deiner Facebook-Freundeslist oder blockier wenigsten seine Beiträge, so dass du es nicht mehr mitkriegst. Liebeskummer oder sogar Lebenskummer ist hart, aber da musst du durch. Das vergeht, wenn du wirklich einsiehst, dass du einfach besseres verdient hast, als jemand, der nicht genau weiss, dass er dich liebt. Das brauchst du nicht. 

Langfristig musst du versuchen, Beziehungen aufzubauen und zu pflegen, die du mit normalen Menschen führst, also niemanden den du vergötterst. Such dir Freundinnen, die aber nicht deine allerbesten Freundinnen werden, sondern zu denen du doch eine gewisse Distanz hast, die dir aber stetig Sicherheit, Geborgenheit und Zuwendung schenken, also stabil sind. 

Ausserdem würde ich mir ein paar Beschäftigungen suchen, solche bei denen du dich auspowern kannst, wie Joggen, Boxen oder ähnliches, denn in dir steckt sehr viel Energie, und andereseits aber Dinge die dich beruhigen und die dir gut tun, wie Yoga oder andere Entspannungstechniken, Malen oder Musik machen oder ein Nebenjob mit Tieren. Dein Leben ist ein grosses Auf und Ab und du musst versuchen ruhiger zu werden, in dem du deine Kräfte und Energie gezielt anwendest und aktiv nach Dingen suchst, die dich beruhigen und gut tun. Das ist eine grosse Aufgabe, aber wenn du dich dransetzt und dir Mühe gibst, wird es immer besser werden.

Lieber Gruss, Kim

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