Will weg von meiner Mutter!

Ich (15J.) lebe mit meiner Mutter alleine, da mein Vater vor 8 Jahren gestorben ist. Das Verhältniss zwischen meiner Mutter und mir war nie bessonders gut und seit einigen Jahren wurde es immer schlimmer. Vor ein paar Jahren war sie Alkoholikerin und hat mich in dieser Zeit oft geschlagen und vernachlässigt. Ich habe es so lange versucht zu verdrängen und mich zu verstellen, aber ich kann und werde sie nie lieben. Seit ein paar Monaten ist es unerträglich zu Hause. Wir streiten nur noch, sie beschimpft mich, kontrolliert mich und wirft mir nun auch vor, dass ich stehle. Sie hat mir zuerst angeboten zu einer Phsychologin zu gehen und dieser zu sagen warum ich meine Mutter so hasse. Ich weiss aber das ich sie nie mehr als Mutter ansehen kann. Sie will mich nun weg geben. Ich finde auch das dies das beste ist. Aber ich habe so Angst, dass ich weiter weg ziehen muss und die Schule wechseln muss. Ich habe nur 1 Freundin und ohne die würde ich nicht überleben. Sie ist auch die einzige Person die über meine Depressionsphasen und ES bescheid weiss. Ich weiss nicht was ich nun machen soll. Ich will nicht mehr mit meiner Mutter reden. Kann ich einfach selber zu einem Jugenamt gehen? Und komm ich in ein Heim oder Pflegefamilie? Ich habe auch von diesen WGs gehört aber ich weiss, dass es hier in der Nähe keine gibt

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

Vergangenheit aufarbeiten

Liebe Carla

Das Verhältnis zwischen dir und deiner Mutter ist alles andere als gut. Ihre Vergangenheit als Alkoholikerin und all die Dinge, die während dieser Zeit passiert sind, haben Narben bei dir hinterlassen. Nachdem was du alles mit ihr erlebt hast, ist es nicht erstaunlich, dass euer Verhältnis so angespannt ist. Du konntest ihr früher nie vertrauen und das hat dich geprägt, deshalb fällt es dir auch heute noch schwer, sie als eine vertrauensvolle Mutter anzusehen. Alkoholabhängige Eltern verlieren oftmals leider völlig die Kontrolle und tun dann Dinge, die im nüchternen Zustand nie machen würden. Der Vesuch alles zu verdrängen, ist zwar ein gute Idee, klappt aber meistens nicht!! Das Erlebte schlummert noch im Unterbewusstsein deiner Gedanken und früher oder später kommt all das Erlebte wieder auf und die Vergangenheit holt einem ein. Das Erlebte muss man zuerst verarbeiten... Eine Psychologin kann dir dabei helfen. Ich finde es gar keine schlechte Idee, wenn du mal mit einem Psychologen über das gespannte Verhältnis zu deiner Mutter und über eure schwierige Vergangenheit redest. Denn auch wenn du von deiner Mutter wegziehen würdest, kannst du das Erlebte nicht rückgängig machen und du musst einen Weg finden, wie du in Zukunft damit umgehen wirst.

Klar kannst du auch alleine zum Jugendamt gehen. Dafür muss deine Mutter nicht mitkommen. Es kann mit Sicherheit nicht schaden, wenn du dort mal vorbei gehst. Auch ihnen kannst du über deine schwierigen Verhältnisse zu Hause berichten. Sie können dich über allfällige Möglichkeiten beraten wie du von deiner Mutter wegkommst. Ob Heim, Pflegefamilie oder WG ist je nach Umgebung und Angebot unterschiedlich. Informationen einholen, bedeutet noch nicht, dass du auch tatsächlich ausziehen musst. Das kannst du dir dann immer noch sorgfältig überlegen. Prüfe zuerst, ob es für dich eine gute Auszieh-Alternative gibt.

Laura

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