Will zu meinem Vater

Ich bin nochmal die Gabriella. Also: ich wohne in Thun und bin 17 Jahre alt.

Ich komme aus Costa Rica. Ich wohne in der Schweiz seit 7 Jahren. Ich wohne nur mit meiner Mutter und meinem Stiefvater in der Schweiz. Melne ganze Familie lebt in Costa Rica. Ich habe viele Probleme zu hause und komme mit meiner Mutter und meinem Stiefvater nicht mehr klar. Sie beleidigen mich sogar, schreien mich an und fast immer ohne Gründe. Alle denken dass es nur wegen meinem Alter ist und dass diese Probleme normal sind. Sind sie aber nicht. Mein Stiefvater hat sogar schon gesagt dass er mich gerne mal schlagen würde (hat er aber noch nie gemacht) und hat manchmal so Krisen. Er ist glaub wirklich krank. Und meine Mutter macht nichts weil sie immer denkt dass er recht hat und älter ist usw. Ich habe viele Freunde hier in der Schweiz, und habe mein Leben auch sehr gerne hier (ausser wenn ich zuhause bin. Ich bin lieber auf der Strasse als zuhause). Aber ich würde so gerne wieder zu meinem Vater. Weil ich lebte schon seit immer mit ihm aber dann bin ich in die schweiz gezogen. Ich vermisse ihn sehr. Aber ich weiss dass man in Costa Rica nicht so ein tolles Leben hat wie hier wegen der Schule, sicherheit auf der strasse usw. Und ich habe auch angst dass ich spanisch verlernt habe und dort zur schule gehe und schlechte noten deswegen bekomme. Ich weiss wirklich nicht was machen. Ich will meine Freunde hier nicht verlieren aber zuhause geht es wirklich nicht mehr. Und ich hab au keinen schweizerpass das heisst dass wenn ich nach costa rica zurück gehe kann ich nicht einfach so wieder in die Schweiz ziehen wann ich älter bin.

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

Denke in kleinen Schritten

Liebe Gabriella

Im Moment weisst du nicht so richtig wo du hingehörst. Das ist eine schwierige Situation. Du hast deine bisherige Jugendzeit in der Schweiz verbracht und hier Freunde und ein Umfeld gefunden, das dir gefällt. Aber zu Hause ist es schwierig. Dass dich deine Mutter und dein Stiefvater ohne Grund anschreien, ist unfair und sehr belastend. Wahrscheinlich gibt es aber einen Grund dafür - er liegt einfach nicht unbedingt bei dir. Aus was für Gründen auch immer sind deine Mutter und dein Stiefvater vielleicht völlig überfordert mit ihrer eigenen Situation und unzufrieden, und lassen dann ihre schlechten Gefühle an dir aus. Wenn das so ist, rate ich dir an, dich möglichst von ihnen abzugrenzen. Denke in dem Moment wo sie gemein sind zu dir, dass das jetzt weniger dein Problem ist als ihr eigenes. Das hilft dir vielleicht, dass du dich emotional nicht so fertig machen lässt davon. Wenn es ausserdem schwer ist zu Hause, dann lenk dich draussen ab, triff deine guten Freunde, unternimm etwas was dir gut tut. Du darfst dich von ihnen distanzieren und zurückziehen (z.b. in dein Zimmer), wenn sie unfair und gemein sind mit dir und du darfst auch mit anderen Leuten darüber reden. Wenn du denkst, es ist möglich kannst du auch mal in einer ruhigen Minute das Gespräch mit deiner Mutter suchen (ohne deinen Stiefvater). Sag ihr, was dich verletzt und dass du nicht weisst, warum du so behandelt wirst. Vielleicht kannst du ihr auch klar machen, dass es für dich wichtig ist, dass sie dich beschützt und nicht deinen Stiefvater, schliesslich bist du ihre Tochter.

Die Situation mit dem Ausland ist schon etwas komplizierter. Du hast recht, ohne Schweizer Pass wieder einfach in die Schweiz zurück zu kommen kann schwierig sein, auch wenn du schon hier gelebt hast. Für dich scheint die Lösung wegzugehen im Moment sehr verlockend, weil die Situation bei dir zu Hause nicht schön ist. Wie wäre es denn, wenn du mal in kleinen Schritten denkst? Also zum Beispiel mal für die Sommerferien 5 Wochen zu deinem Vater nach Costa Rica zu gehen, anstatt direkt auszuwandern. Vielleicht hilft Abstand auch mal, die Situation bei dir zu Hause etwas zu entschärfen. Kannst du auch mit deinem Vater mal über die Probleme bei dir zu Hause reden? Ich rate dir an, diesbezüglich verschiedene Meinungen einzuholen (von deinem Vater, und vielleicht gibt es noch Schulsozialarbeiter?) und Schritt für Schritt auszuprobieren, welche Situation für dich am meisten stimmt.

Alles Gute

Claire

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