bin komplett mit allem überfordert

Ich weiß nicht mehr wie ich weiter machen soll, ich bin komplett mit allem überfordert, schreibe nur noch schlechte Noten, tue mir weh und ich kann nicht mehr schlafen, ich fühle mich total leer und wenn ich nicht leer bin dann fühle ich mich als würde ich platzen. Manchmal sitze ich vor dem Schränkchen mit den Tabletten und schaufel sie einfach in mich rein, damit mir alles egal ist und ich einen weitern Tag ertrage. Ich weiß nicht wie ich weiter machen soll, ich kann nicht mehr, ich hab viel mit Freunden darüber geredet, aber das ist denen egal und meine Mutter würde durchdrehen wenn sie wissen würde das ich mir wieder selbst weh tue.. bitte ich brauche hilfe..

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

Nimm Hilfe an, lenk dich ab und lerne neue Gefühle

Hallo Tanja



Wie du selber sagst, brauchst du Hilfe. Ich finde es gut, dass du einen ersten Schritt gewagt hast und uns geschrieben hast. Du schreibst, du tust dir "wieder" weh - also hast du schon mal damit aufgehört? Was hat dir geholfen, mit Überforderungen oder Schwierigkeiten mit dir selbst und in deinem Umfeld umzugehen, ohne dir selber weh zu tun? Wenn du dir und deinem Körper selber Schaden zufügst, sinkt auch deine Fähigkeit, dich anders zu entspannen und du kannst dich nicht mehr konzentrieren.

Dass du nicht mehr gute Noten schreibst und Schlafstörungen hast sind Folge-Probleme, die auch selber wieder zu Anspannungen führen. Wenn du Hilfe annehmen willst, dann durchbreche diesen Kreis von sich weh tun, um Anspannung zu lösen, wobei die Anspannung nur grösser wird. Du solltest lernen, dein Gefühl der Leere anders zu füllen als mit Schmerzen und dein Gefühl des Platzens anders zu lösen als mit Tabletten. Diese Gefühle können mit deinen Strategien nur kurzfristig gelöst werden, verstärken sich aber über die Zeit noch mehr! Das willst du selber nicht, wie du sagst.

Es gibt kleine Tricks, wie du dich bei der nächsten grossen Anspannung ablenken kannst. Wenn du zu Hause bist und du merkst wie du platzen könntest, stell dich schnell unter die kalte Dusche. So spürst du dich selber, aber du schadest dir nicht. Du kannst auch für unterwegs, frischen Meerrettich dabei haben oder eine kleine (nicht allzu scharfe) Chilischote. Beim nächsten Gefühl von Platzen, kaust du die Stücke. Sitzt du vielleicht im Bus, wenn die Anspannung kommt, setz Musikhörer auf und dreh die Musik auf, die dich runterbringt.

Füll die Zeiten der Leere mit etwas, was dir Freude bereitet. Zeichnest du? Machst du Sport?  Machst du Musik? Hörst du gerne Musik? Magst du Tiere? Kochst oder backst du gerne? Magst du schreiben? Finde Aktivitäten, die du mit wenig Aufwand schnell machen kannst und dir positive Gefühle beschaffen.

Du beschreibst nur eine totale Leere oder ein beinahe Platzen von Gefühlen. Achte dich darauf, wie viele hunderte unterschiedliche Gefühle du noch haben kannst. Teil deine Welt in verschiedene Farb- und Graustufen ein, anstatt das radikale Schwarz-Weiss-Denken zu verstärken. Einen letzten wichtigen Punkt, den ich dir mitgeben möchte: Nimm die Hilfe an, die du bekommst. Es gibt viele Fachpersonen wie Psychologen, die dir noch mehr Tipps geben können, wie du mit diesen Gefühlsschwankungen umgehen kannst und dir genauere Ratschläge geben können, wenn du dich überfordert fühlst.



Claire

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