das Gefühl, neben mir zu stehen

Ich hab das Gefühl, ich steh neben mir, ich bin nicht glücklich und habe Angst, das Abitur nicht zu schaffen. Ich gehe in die 12. Klasse, bzw. ich wiederhole die Klasse. Und im letzten Jahr hat es angefangen, ich bin unmotiviert und weiß eigentlich meistens schon im vorraus, dass ich die Aufgabe nicht meistern werde und gehe sie wohl deshalb auch nicht an. Dabei möchte ich mich anstrengen und gut sein. Ich fühl mich auch gar nicht wohl in der Klasse und Umgebung. Irgendetwas fehlt mir, und ich komm auch nicht dahinter was es ist. Ich fühl mich wie ausgelaugt und ich bin mir immer total unsicher, egal in welcher Hinsicht. Ich fühl mich so schon so schlecht in der Klasse, weil im Vergleich zu meiner alten Klasse, das einfach eine Streberklasse ist und ich das nicht gewohnt bin. Zudem weiß ich oft die Antworten auf gestellte Fragen, aber ich trau mich nich,t was zu sagen.

Dabei gab es mal eine Zeit, in der ich recht offen und gut drauf war, ich war fröhlich und motiviert, meine Noten war auch ziemlich gut. Ich weiß nicht, was passiert ist, kann es vielleicht auch daran liegen, dass mein Freund mich in irgendeiner Weise ablenkt?! Oder dass mein Vater seit letztem Jahr nicht mehr bei uns wohnt?! Ich weiß nicht weiter..

LG!

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

an dich glauben

Hallo Nadja

Beim Lesen ist mir aufgefallen, wie genau du es verstehst, dich auszudrücken. Vor meinem inneren Auge ist sofort ein Bild von dir entstanden. Du scheinst dich selber gut zu kennen und deine Gefühle präzise wahrzunehmen. Das wird dir auch helfen, herauszufinden, warum du dich in letzter Zeit wie ausgelaugt fühlst.

Du erwähnst in deiner Nachricht deinen Freund. Lenkt er dich denn ab und wenn ja, wovon? Nur wenn dir in eurer Beziehung nicht wohl wäre könnte ich mir vorstellen, dass du davon völlig eingenommen wärst und dich vom Leben rundherum ablenken liessest. Aber nur du selber kannst beurteilen, ob du da genauer hinschauen solltest.

Und welche Gefühle hast du denn deinem Vater gegenüber? Bist du wütend, dass er nicht mehr bei euch wohnt? Oder eher erleichtert, weil nun weniger Streit herrscht? Ich könnte mir gut vorstellen, dass du ihn vermisst und deswegen viel nachzudenken hast. Aber du beschreibst deinen Zustand noch extremer, nämlich, dass du irgendwie neben dir selber stehst.

Für mich als Aussenstehende könnte dies mit deiner Schulsituation zusammenhängen, da du unter grossem Leistungsdruck stehst und zwar von dir selber, da du das Abitur schaffen willst, aber auch von aussen, da du ja in einer Streberklasse gelandet bist. Das kann echt mühsam sein. Ich kann es mir gut vorstellen!

Du sagst selber, dass du unmotiviert bist und die Aufgaben nicht löst aus Angst, dass du sie nicht meistern kannst. Gleichzeitig weisst du oft die Antworten auf gestellte Fragen im Unterricht, getraust dich aber nicht, dich zu melden. Wahrscheinlich hast du auch ein bisschen den Glauben an dich selber verloren und denkst, dass du das Abitur ohnehin nicht schaffen wirst, oder?

Wenn dem so wäre, fände ich das sehr schade. Du hast auf jeden Fall das Potenzial, dies alles durchzustehen. Wenn du kannst, wäre es sicher hilfreich, deine Streberklasse nicht als Hindernis zu sehen, sondern sie zu deinen Gunsten zu nutzen. Bis zum Abitur dauert es ja nicht mehr lange. Wenn du dich für diese letzte Zeit mit dem nettesten Streber zusammentun könntest, würdest du bestimmt - jedenfalls, was den Stoff anbelangt - profitieren.

Versuche doch einmal, mit jemandem eine Arbeitsgruppe zu bilden. Streber lassen die Aufgaben nicht liegen und wenn du dich an sie hältst, wirst du ebenfalls mehr für die Schule arbeiten. Daneben ist es aber sehr wichtig, dass du gut zu dir schaust, indem du nicht nur lernst und an das Abitur denkst. Triff dich auch mit Freunden, geh aus mit ihnen und geniesse das Zusammensein mit ihnen. Gönne dir diese Freizeit und unternimm Dinge, die dir guttun! Versuche dich auch daran zu erinnern, was dir früher gefallen hat und unternimm wieder Ähnliches. Und das Wichtigste: Glaube an dich!

Liebe Grüsse

Larissa

© 2020  IOGT Schweiz

Alle Rechte vorbehalten