ein Haus

Ich bin in letzter Zeit so traurig. So schrecklich traurig. Ich hab so ein Brennen in meinem Bauch und mir ist manchmal richtig schlecht deswegen. Und einen Kloss im Hals habe ich auch, wenn ich die Tränen unterdrücke und dann kann ich kaum mehr atmen. Ich habe echt noch nie so stark körperlich auf Gefühle reagiert! Aber das traurig sein ist so stark, dass ich es nicht mal vergessen kann. Nicht, weil es in meinem Kopf festsitzt. Aber das Brennen und der Kloss, die gehen nicht weg. Dabei hab ich doch gar keinen Grund zum traurig sein. Wirklich nicht. Aber ich hab mir da so ein Bild ausgedacht: Ein Haus. Ich selber, ich bin der Boden, meine Familie ist die eine Wand, meine drei Freundinnen die drei anderen und Gott ist sozusagen die Decke. Jetzt aber ist die eine Freundin im Austauschjahr. Und die andere geht jetzt auch 4 Monate ins Ausland. Und die dritte hat so wenig Zeit für mich. Und meine Familie ist ja sowieso weg. Und irgendwie ist mein Haus ganz schön wackelig geworden... Und das macht mich so schrecklich traurig. Irgendwie ist ohne meine Freundinnen mein ganzer Halt futsch. Ich brauche sie! Und zwar hier und nicht nur am PC und auf dem Handy. Ohne sie macht mein ganzes Leben hier so keinen Sinn für mich. Meine vielen Kolleginnen machen es auch nicht wirklich besser. Weil selbst wenn ich mit ihnen zusammen bin, fühle ich mich noch einsam. Weil sie mich übersehen und vergessen, wenn ich mal still bin. Normalerweise bin ich eben ziemlich aufgeweckt und am Lachen und so etwas wie der "Klassenclown". Aber jetzt mag ich nicht. Und das halte ich nicht aus!

Was kann ich tun, damit es mir wieder besser geht?

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

aktiv werden

Hallo LiliEs tut mir leid zu hören, dass es dir nicht gut geht und du dich traurig fühlst. Du schreibst, dass der Grund für deine Traurigkeit der ist, dass zwei deiner drei Freundinnen momentan im Ausland sind oder bald für einige Zeit ins Ausland gehen. Daraus schliesse ich, dass du in einem Alter bist, in dem es darum geht, langsam selbstständig zu werden und auf eigenen Beinen zu stehen.

Du beschreibst deine drei Freundinnen und deine Familie als "Wände deines Hauses". Auch wenn ich es gut finde, dass du so tolle Freundschaften hast, so denke ich doch, dass eine einzelne Person nicht eine Wand deines Hauses sein sollte. Vielmehr scheint es mir wichtig, dass du selber das Fundament deines Hauses sein kannst (Boden, Wände und Dach). Nur so kann es dir gelingen, auf Dauer stabil zu bleiben und den Halt nicht zu verlieren, wenn sich dein Freundeskreis verändert.

Dass diese beiden Freundinnen momentan nicht da sind, kann eine Chance für dich sein, deine eigene Stärke zu entdecken. Versuche, deine Aufmerksamkeit nicht nur darauf zu richten, was du nicht hast, sondern darauf, was immer noch da ist. Eine deiner Freundinnen ist ja noch in deiner Nähe und du könntest mit den beiden anderen Freundinnen z.B. über Facebook oder Skype in Kontakt bleiben. Auch wenn dies nicht dasselbe ist wie persönliche Gespräche, kann man sich auf diese Weise doch nahe sein. Und vergiss nicht die vielen Kolleginnen in deinem Umfeld. Sprich zu ihnen, wenn du sie brauchst. Ich glaube nicht, dass sie dich absichtlich übersehen. Wahrscheinlich sind sie einfach auch mit sich selber beschäftigt. So wie du.

Versuche, dich darauf einzulassen, was im Moment ist. Aus jeder Situation lässt sich etwas machen. Warum vertiefst du nicht die Bekanntschaften zu deinen Kolleginnen, indem du ihnen von dir erzählst? Solange sie nicht wissen, warum du still geworden bist anstatt zu lachen, können sie nicht reagieren. Ich an deiner Stelle Stelle würde versuchen, ihnen eine Chance zu geben. Du könntest auch mit deiner Familie das Gespräch suchen. Erzähl ihnen, was sie für dich bedeuten und dass du sie vermisst.

Du hast einige Möglichkeiten, um aktiv zu werden. Ich wünsche dir viel Mut dabei und auch eine Portion Neugierde, den Veränderungen in deinem Leben entgegen zu sehen.

Liebe Grüsse

Larissa

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