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ein Zuhause

Ich will ein Zuhause haben...

Ich bin ja schon volljährig und zu Hause wohnen darf ich auch nicht. Aber am liebsten wäre ich dort. Weil da habe ich wenigstens meine Familie. Auch wenn mein Stiefvater mich nicht ausstehen kann. Und auch wenn meine Brüder nerven. Und auch wenn meine Mutter mich kaum beachtet und wenn dann nur, weil sie was zum Schimpfen hat. Oder bei meinen Grosseltern. Auch wenn mein Opa und ich immer streiten und meine Oma mich gar nicht so gerne bei sich hat. Aber irgendwie habe ich da wenigstens das Gefühl zu Hause zu sein. Irgendwo hinzugehören. Aber eben, es geht ja nicht.

Ausserdem studiere ich ja dann im Herbst sowieso in einer anderen Stadt.

Aber ich habe noch gar keinen Ort wo ich bleiben kann. Ich finde einfach nichts, wo ich nicht panische Angst davor hätte oder total überzeugt bin, dass es sowieso nicht funktioniren wird.

Denn was ich suche ist ja ein Zuhause. Ein Ort wo ich Zuflucht finde, mich geborgen fühle, Unterstützung kriege, mir jemand zuhört... Ein Zuhause, wo ich die Dinge lernen und nachholen kann, die ich bis jetzt verpasst habe.

Und ich weiss eben auch, dass es das unbedingt braucht.

Wenn ich mich nicht wirklich wohl fühle kann ich nicht lernen und werde das Studium nicht schaffen. Wenn ich keine Unterstützung bekomme, dann gehe ich unter. Wenn ich niemanden hab, der mich gern hat, dann rutsche ich wieder in irgendein Loch.

Aber mir solchen "Ansprüchen" finde ich doch nichts...

Und das ist mir völlig klar. Aber ich kann nicht einfach etwas anderes suchen. Weil ich es ja nicht möchte.

Und da ich fest überzeugt bin, dass ich das Studium ohne ein richtiges Zuhause sowieso nicht schaffe, nützt auch das Argument, dass ich nicht studieren kann, wenn ich nirgends wohne, rein gar nichts.

Das schlimmste ist, dass sich niemand einen Dreck darum schert, wie es mir geht, was ich brauche und ob ich alleine klar komme. Auch die ganzen blöden Ämter, die einem eigentlich helfen sollten. Die wollen mich bloss schnellstmöglich in eine möglichst billige WG stecken, damit ich ein Dach über dem Kopf hab. Der Rest ist dann mein Problem. Zum Beispiel, dass ich Hilfe brauche und ohne nicht klar komme.

Das ist doch nicht fair!

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

Für sich selber Zeit nehmen

Hallo Lilli

Das scheint eine vertrackte Sache zu sein, in der du steckst. Du willst studieren, doch das geht für dich nicht ohne ein Zuhause. In deinem alten Zuhause kannst du nicht länger bleiben, und vor einem neuen Ort fürchtest du dich zu sehr. Helfen konnte dir offenbar bis heute auch niemand. Wie weiter? Oder willst du gar nicht weiter, sondern dich an eine unbefriedigende Vergangenheit klammern und darüber klagen? Ich habe den Eindruck, dass es bis heute niemand schaffte, deine Wünsche zu erfüllen - und jetzt bist du wütend und enttäuscht. Angenommen du könntest auch etwas an der Sache verändern, was wäre dann dein Beitrag um deine Wünsche zu erfüllen?

Da ist deine Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit und deine Angst alleine zu sein. Doch offenbar gibt es niemanden, der dir freundschaftlich nahesteht und dich unterstützt. Überlege, ist es so, oder gibt es da doch noch jemanden zu dem du Vertrauen hast? Und gerade da wäre dann ein Miteinander anstelle eines Gegeneinanders möglich.

Aber vielleicht ist es jetzt für dich gar noch nicht an der Zeit zu studieren - wenn es dir so schlecht geht. Und es wäre hilfreicher, wenn du den Beginn deines Studiums noch etwas aufschiebst und dich zuerst mal um dich kümmerst. Vielleicht bleibst du noch etwas in deinem gewohnten Umfeld und erduldest die alltäglichen Probleme deines Zuhauses. Du kannst das Tempo bestimmen und die Entscheidung triffst du.