glaube Depression zu haben

Hallo, also... ich glaube, dass ich Depressionen habe. Ich bin immer antriebslos und denke oft daran mich umzubringen und sehe seit längerer Zeit alles nur noch schwarz. Angefangen hat das als ich 12 war (ich werde bald 18), aber da war es nur gelegentlich, und jetzt ist es eigentlich immer so. Ich werde einfach nicht mehr glücklich, morgens wenn ich aufwache denke ich sofort dass ich sterben will..

ich habe eine beste Freundin, die im Moment das einzige ist, was mich am Leben hält, und auch der einzige Mensch den es überhaupt interessiert wie es mir geht.. außer meiner Mutter natürlich, aber dazu komme ich später. Auf jeden Fall ist meine beste Freundin auch manchmal niedergeschlagen und wir helfen uns dann gegenseitig, aber sie hat es echt nicht leicht in ihrem Leben und ich will sie nicht unnötig mit meinen Problemen belasten, vor allem dass bei mir meistens gar nichts "passiert ist" sondern ich einfach wegen der Gesamtsituation unzufrieden bin, mit mir selbst, mit der Schule, den Leuten, meiner Familie, meiner Vergangenheit, es kommt einfach alles zusammen und meistens gibt es kein konkretes Problem, meistens will ich einfach nur sterben. Ich habe Angst dass meiner besten Freundin das auch irgendwann mal zu viel wird und sie dann geht, es haben mich schon viele meiner Freunde verlassen weil ich sie mit meiner Stimmung runtergezogen habe. Ich klammere mich dann auch immer an einen einzigen Menschen und der hat es dann nicht leicht mit mir... im Moment ist sie das, und wenn sie mich auch verlassen würde, wüsste ich gar nicht mehr, was ich machen soll. Deswegen rede ich immer seltener mit ihr über meine Gefühle auch wenn sie oft nachfragt. Ich will einfach ausgeglichener sein und nicht so abhängig von anderen. Und vor allem nicht ständig traurig.

Deswegen habe ich mir überlegt zum Psychologen zu gehen aber ich will nicht dass meine Eltern das mitbekommen. Mein Vater ist der Überzeugung dass man selbst für seine Stimmung verantwortlich ist und Depressionen kennt er gar nicht, er denkt das wäre Einbildung. Mit meiner Mutter könnte ich über alles sprechen und vielleicht würde sie mir dann auch helfen, einen Psychologen zu finden, aber wenn ich ihr erzähle, dass ich an Selbstmord denke, wird sie die Schuld bei sich suchen und es wird ihr sehr wehtun. Und falls ich es doch irgendwann mal schaffen sollte, mich umzubringen, wird sie denken, sie hat nicht genug für mich getan, obwohl sie es wusste. Da ist es mir lieber, dass sie nichts weiß... Ich brauche einfach irgendwen. Weiß auch nicht, ob ihr mir da jetzt helfen könnt, aber ich wollte das einfach mal jemandem erzählen und manchmal hat jemand anders, der nicht in der Situation steckt, ja doch noch eine Idee, auf die man selbst gar nicht gekommen wäre. Danke im Voraus,

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

Du setzt die Grenze was du deiner Mutter erzählen willst

Liebe Anna

Ob du eine Depression hast oder nicht, kann ich momentan nicht beurteilen. Das müsste schon ein Arzt/Psycholog tun. Aber du zeigst schon eine recht auffällige Niedergeschlagenheit gegen die du defintiv etwas tun sollst. Bei der Niedergeschlagenheit ist es so, dass sie nicht zwingen aufgrund einer psychischen Störung (z.b. Depression) auftritt. Die Niedergeschlagenheit/Antriebslosigkeit kann auch daher kommen, dass dein Körper irgendwie nicht richtig funktioniert... vielleicht fehlt dir ein Vitamin, oder etwas ist mid deiner Schilddrüsenregulation nicht in Ordnung. Deshalb solltest du deine Antriebslosigkeit umbedingt mit deinem Arzt besprechen. Insbesondere da dein Zustand schon so lange anhält, wäre es wichtig mal einen ärztlichen Check zu machen.

Es ist super, dass du so eine tolle Freundin hast, die dich unterstützt. Natürlich kannst du auch weiterhin mit deiner Freundin über deine Gefühle/Probleme sprechen. Für das sind Freunde ja da. Sie hören zu wenns einem mal nicht gut geht und man unterstützt sich gegenseitig. Wichtig ist, dass ihr beide den Spass nicht vergisst. Wenn ihr euch ständig nur mit eurer Traurigkeit beschäftigt, dann kann einem das noch mehr hinunter ziehen. Deshalb sollt ihr auch Dinge unternehmen, die euch Freude bereiten.... Kuchen backen, shoppen, ins Kino gehen. Genau solche Dinge sind wichtig um einen Ausgleich zu finden. Eine super Möglichkeit ausgegelichener zu werden ist auch Sport. Welche Sportarten magst du? Versuch mindestens ein mal pro Woche regelmässig eine sportliche Aktivität auszuüben. 

Dein Vater hat leider eine sehr veraltete Sichtweise. Depressionen sind mit Sicherheit nicht nur eine Einbildung. Sie existieren tatsächlich!!! Aber seine Ansicht, dass jeder selbst für seine Stimmung verantwortlich ist, beinhaltet hingegen ein Fünckchen Wahrheit. Ob es einem gut oder schlecht geht, kann man nämlich auch beeinflussen. Wenn man ständig nur darüber grübelt wie schlecht es einem geht, dann verbessert sich dadurch die Stimmung nicht. Unternimmt man hingegen schöne Sachen, tut sich selbst etwas Gutes und versucht optimistisch und postiv zu denken, kann das einen unglaublich postiven Effekt auf die Stimmung haben. 

Du schreibst, dass du einfach irgendwen brauchst. Wenn du gerne mit deiner Mutter über deine Gefühle und Probleme reden möchtest, dann nur zu. Es wird dir gut tun deine Probleme mal von einen anderen Blickwinkel zu sehen. Und es ist zudem unglaublich erlösend, wenn man sich mal alle Probleme von der Seele sprechen kann. Insbsondere die Mutter kann einem mit ihren Ratschlägen und ihrem Trösten oftmals gut unterstützen... Du entscheidest selbst wie weit du mit deinen Erzählungen gehst. Du setzt die Grenze was du ihr erzählen möchtest. Wenn du nicht willst, dass sie von denen Selbstmordgedanken erfährt, dann lass sie einfach weg und erzähl ihr nichts von ihnen.

Laura

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