hasse meine Ausbildung

hallo,

ich mache seit 5 Monaten eine Ausbildung und habe festgestellt, dass ich den Beruf, mit all seinen Tätigkeiten hasse.

Es ist so: Ich wollte diesen Beruf eigentlich nie machen, hatte aber keine Vorstellung davon, was ich als Beruf später ausüben möchte. Alles was ich wusste war, dass ich kreativ sein wollte, was bei meiner derzeitigen Ausbildung gar nicht der Fall ist. Ich habe einfach das Erste genommen. Anfangs waren auch noch alle nett, verständnisvoll und hilfsbereit, aber das hat sich geändert. Inzwischen müssen wir viel alleine schaffen und ich fühle mich permanent überfordert.Wir haben begrenzte Zeiträume für unsere Aufgaben und ich schaffe es nie sie einzuhalten. Wir laufen den ganzen Tag hin und her, haben selten Zeit zum Durchatmen und die ständige Kritik am Tempo nervt mich langsam. Außerdem arbeitet eine Person bei uns, die immer schlecht gelaunt ist und ihren Ärger an uns auslässt. Sie ist schrecklich. Ich musste wegen ihr auch schon weinen, weil mir einfach alles zu viel wurde. Nie ist genug Zeit und ich habe immer das Gefühl nur zu stören wenn ich etwas fragen will oder um Hilfe bitte.Darum mach ich das kaum noch.

Ich träume von meiner Arbeit,kann manchmal nicht mehr einschlafen, bin immer unglücklich,weine immer öfter, kann nie abschalten und habe jeden Tag eine unglaubliche Wut darauf hingehen zu müssen. Ich weiß nicht was ich alternativ machen kann und meine Eltern können es schon nicht mehr hören. Sie wissen auch nicht weiter.Ich habe immer mehr das Gefühl mich selbst zu verlieren und seit meiner Ausbildung habe ich einen unerträglichen Kontrollzwang entwickelt und immer Angst, was falsch gemacht zu haben oder etwas vergessen zu haben. Ich kann nicht mehr und ich will auch nicht mehr, aber niemand kann das verstehen. Ich hasse mein Leben nur noch.

Und deshalb brauche ich Hilfe.

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

xx

Liebe Elli

Der Wechsel von der Schule in eine berufliche Ausbildung ist ein Riesenschritt. Es ist wie wenn du ins kalte Wasser geworfen wirst und plötzlich mit Wellen schwimmen musst. Die Rücksicht, die die Lehrer früher genommen haben, fällt weg. Du bist unter Erwachsenen und die wollen dich dazu bringen, dass du in der Arbeitswelt bestehen kannst. Das ist für alle so. Nur reagieren nicht alle gleich auf diese neuen Umstände. Die meisten strampeln die ersten Monate und stellen sich dann auf die neuen Bedingungen ein. Sie verlangen von sich selber, dass sie das packen, wenn sie für voll genommen werden wollen.

Bei dir ist das anders. Du hast nicht den Ehrgeiz denen zu zeigen, dass du das kannst. Du möchtest mehr Zeit, mehr Verständnis, mehr Betreuung. Wahrscheinlich ist es sogar mehr als es nur zu wollen, du brauchst es, weil du Angst hast, dich selbst zu verlieren. Das heisst, es ist nicht nur die Arbeit und der Beruf sondern es ist diese ganze fordernde Situation, die für dich zuviel ist. Wenn du dir also Gedanken machst, was du sonst machen könntest, musst du dir eine Ausbildung suchen, bei der Zeit und Betreuung wichtig sind. Die Inhalte sind erst in zweiter Linie wichtig, für dich sind die Abläufe wichtig. Eine Berufsberatung könnte dir helfen, weil du dort genau solche Anliegen einbringen könntest. Vermutlich brauchst du auch eine Zwischenlösung, denn der Abbruch einer Ausbildung nagt am Selbstbewusstsein. Also nimm dir die Zeit um eine bessere Entscheidung zu treffen. Jetzt weisst, worauf du achten musst. Dafür war diese Erfahrung gut.

bettina

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