körperdysmorphe Störung

Hallo Laura. Vor kurzem wurde eine "körperdysmorphe Störung" bei mir diagnostiziert.. (bin 19, weiblich). Ich mache mir mein Leben sehr schwer, durch die negativen Gedanken über mein Aussehen, welche mich beherrschen.

Ich habe mit 16 Jahren meinen Hauptschulabschluss abgeschlossen und dann in der 10. Klasse habe ich fast ein halbes Jahr aufgrund eines Klinikaufenthaltes gefehlt.. schließlich war mein Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl so im Arsch (sorry für die Ausdrucksweise), sodass ich die Schule abgebrochen habe.. schließlich habe ich eine Menge verpasst und meine Noten waren auch dementsprechend schlecht... was mich sehr fertig gemacht hat, zumal ich im Grunde immer eine relativ intelligente Schülerin gewesen bin. Aufgrund meiner vielen Fehltage wurde mein Zeugnis nicht benotet, aber dennoch dem Realschulabschluss gleichgestellt. ('Dieses Zeugnis ist dem mittleren Abschluss (Realschulabschluss) gleichgestellt. Sie hat aus gesundheitlichen Gründen häufig nicht am Unterricht teilgenommen.') Zwar kann ich froh sein, dass das Zeugnis trotz allem der mittleren Reife entspricht, jedoch ist es mir furchtbar peinlich, wenn bei Bewerbungen sichtbar wird, dass er unbewertet ist...

Dann habe ich ein FSJ angefangen, welches ich ebenfalls abgebrochen habe.. jedoch wurde es anerkannt, da ich es 7 Monate durchgezogen habe. Ich war wieder in einer Klinik (Soziale Phobie, körperdysmorphe Störung, depressive Episode), jedoch hat mich diese Zeit nicht weitergebracht. Nun bin ich seit 3 Monaten an einer Fachoberschule, 3 Tage Praktikum, 2 Tage Schule. Und auch dies habe ich nun vor, hinzuschmeißen..

Ich habe schon mehr als 10 Fehltage und bin absolut verzweifelt und unentschlossen, was meine Zukunft angeht. Soll ich mich weiterhin durchquälen, bis ich das Fachabi habe? Diese Möglichkeit scheint mir als nicht umsetzbar.. so sehr ich mich auch anstrengen und quälen würde, letztendlich würde ich scheitern, was auf mein kaum vorhandenes Selbstwertgefühl bzw. auf meine Krankheit zurückzuführen ist. Es ist so unglaublich traurig, dass ich mir selber so vehement im Weg stehe und mir deshalb sehr viel verbaue... Apropos Therapie: ich warte seit einigen Wochen auf einen ambulanten Platz..die Leute kennen sich mit der Störung aus-von daher Verhaltens- und Gesprächstherapie..

Was soll ich jetzt tun? Ich denke nun schon seit 9 vollen Stunden über all das nach... mein Verstand sagt mir: "zieh das durch, du MUSST es..egal wie schwer es werden mag.." mein Gefühl jedoch sagt mir: "Das Wichtigste ist, dass du gesund bist und dich auch so fühlst. Das ist die Voraussetzung für alles andere." Was ist die Alternative zur Schule? Es heißt ja im Übrigen nicht, dass man einen Abschluss nicht mehr nachholen kann... Ich werde die ambulante Therapie machen.. und nebenbei? Wenn ich irgendwo neu zu arbeiten anfange, werde ich mich doch wahrscheinlich wieder so verhalten, dass ich alles abbreche.. oder?

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

Abbrech-Muster durchbrechen

Liebe Dysmo

Aus deinem Text erkenne ich das du wirklich ein intelligentes Mädchen bist, dir sehr viele Gedanken machst und dich mit deinen Problemen eingehend auseinander setzt. Bei dir hat sich ein "Abbrech-Muster" eingeschlichen. Das hast du ja selbst bereits erkannt. Dieses Muster ist problematisch, denn in deinem Leben kannst du nicht immer alles hinschmeissen und abbrechen wenn es anstrengend wird. Es wird in JEDER Lebenssituation und in JEDEM Job Situationen geben, die dir unangenehm sind und wo du denkst: Ach ich habe jetzt keine Lust mehr auf das. Aber dann immer abzubrechen, ist ein Fehler. Manchmal muss man einfach etwas auf die Zähne beissen und etwas durchziehen!!! Wenn du mal was durchgezogen hast, dann wirst du auch total stolz auf dich sein. Wenn du immer alles abbrichst, dann schadet das auch deinem Selbstwertgefühl. Durch dein Abbrech-Muster lässt du gar keine Erfolge zu und das schadet dem Selbstwert. Denn schliesslich erlebt jeder gerne mal einen Erfolg!!

Was hast du dann alles für gute Gründe um mit der Fachoberschule aufzuhören? 10 Fehltage finde ich keinen guten Grund um alles hinzuschmeissen. Du bist intelligent und wirst das Verpasste gut nachholen können. Ich finde es wichtig, dass du nicht nur in Therapie bist, sondern auch nebenbei etwas machst, also zur Schule gehst oder einen Job ausübst. Weil das bringt dich auf andere Gedanken. Wenn du nur in Therapie bist, hast du den ganzen Tag Zeit, dich mit deiner Krankheit zu beschäftigen und das wird dich noch mehr fertig machen, als die Schule und das Praktikum. Ich empfehle dir deshalb das Praktikum durchzuziehen. Wie lange geht es eigentlich? Denn du hast Recht, ich denke auch, dass du wieder abbrechen würdest, wenn du etwas neues gefunden hast. Klar ist es wichtig, dass du gesund bist! Aber zu einem gesunden Menschen gehört auch ein normaler Tagesrythmus und den kriegst du nur wenn du zur Schule/Arbeit gehst. Ein normales Leben zu führen, bedeutet auch, nicht alles abzubrechen, sonder auch mal schwierige Zeiten durchzustehen. Das sind Lebenserfahrungen die man eben machen muss. Wenn du vor allem flüchtest, wirst du nie etwas abschliessen. 

Laura

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