wenn der Schock nachlässt

Die Mutter einer guten Freundin von mir ist vor etwa einem halben jahr gestorben. Erst ging es meiner Freundin recht gut, aber jetzt hohlt sie irgendwie der ganze schrecken ein. sie sieht keinen sinn mehr und fühls sich schrecklich alleine. Ausserdem beginnt ihre Familie zu verfallen, mit ihrer Schwester redet sie kaum noch und ihren Vater hasst sie weil er eine Freundin hat. Ich möchte ihr gerne helfen, aber ich weiss nicht was ich tun soll. Sie will keine professionelle Hilfe annehmen, obwohl ich sie schon mehrere Male dazu aufgeforder habe....

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

Rückzug in die Trauer

Liebe Merenwen

was deine Freundin erlebt hat, ist ziemlich sicher ein grosser Schock für sie gewesen. Ich weiss nicht, ob die Mutter deiner Freundin krank war und mit ihrem Tod "gerechnet" werden musste oder ob er sehr unerwartet kam - es ist auf jeden Fall etwas sehr schlimmes.

Deine Freundin hatte vielleicht so etwas wie einen Schock und darin recht gut funktioniert. Und jetzt holt sie der ganze Schrecken ein, wie du gut beschreibst.

So kann sie wahrscheinlich auch überhaupt nicht verstehen, wenn andere besser, schneller oder anders damit umgehen können. So wie ihr Vater, der schon wieder eine Freundin hat und dem sie wahrscheinlich unterstellt, gar nicht traurig über den Tod der Mutter zu sein. Es ist einfach seine Art, mit dem ganzen umzugehen.

Es kommt mir vor, als würde sich deine Freundin in die Traurigkeit zurück ziehen und würde den Ausweg nicht mehr finden.

Es ist schade, dass für deine Freundin die Familie auseinanderfällt - weil das doch der Ort wäre, wo man sich gegenseitig Halt geben könnte und gemeinsam traurig sein könnte. Darum fühlt sie sich wahrscheinlich auch so alleine, weil der Ort der Geborgenheit auseinandergefallen ist mit dem Tod der Mutter.

Den Rat, den du ihr gegeben hast, dass sie doch professionelle Hilfe annehmen soll, den finde ich gut. Ich würde das auch empfehlen. Vielleicht sogar, dass die Familie gemeinsam Hilfe holt, damit sie nicht auseinanderfällt.

Aber wie du deine Freundin dazu bringst, diese Hilfe anzunehmen, das weiss ich nicht. Dazu muss sie bereit sein und das Gefühl haben, dass es ihr etwas bringt. Vielleicht mag sie ja auch mal an Kopfhoch schreiben...

Bis dann kannst du ihr nur immer wieder zuhören und für sie da sein. Und mit ihr Dinge unternehmen, die euch beiden Spass machen. Wichtig: auch dir muss es gut gehen dabei! Es ist toll, wie du ihr helfen magst. Vergiss dich nicht dabei!

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