alles fällt auseinander

Hallo Ester

Ich will dir erzählen, wie die Geschichte bisher weitergegangen ist:

Ich bin vor zwei Wochen zu einer kollegin meiner Mutter gegangen, die in einer Wohngruppe arbeitet. Sie hat mir gesagt, dass ich besser eine andere Lösung suchen sollte, sie sagte, so wie sie mich kenne würde ich mich dort nicht wohl fühlen.

Am nächsten Tag ist meine Freundin zur Klassen-lehrerin gegangen und hat sie um Hilfe für mich gebeten. Die Lehrerin hat mir einen Termin bei der Schulpsychologin besorgt. Diese ist zwar nett, aber herausgekommen ist dabei ja nichts. Am Freitag geh ich wieder hin.

Seit der Sache mit meinem Kaninchen bin ich kaum mehr zu Hause. Deshalb gibt es aber nicht etwa weniger ärger, denn jetzt schimpft meine Mama, weil ich nie zu Hause bin. Aber ich ertrage es einfach nicht in meinem Zimmer oder gar dem Rest der Wohnung zu sein. Ich schlafe auch viel zu wenig, denn ich komme ja spät heim, und wenn ich dann schlafe bekomme ich Alpträume.

Dazu kommt noch der ärger in der Schule, den ich produziere indem ich am Samstag schon zum dritten Mal aus dem Unterricht gelaufen bin. Da war es, weil ich den Test einfach nicht lösen konnte und ausserdem soo müde war und ich den Test ja doch nur nachholen musste, weil der Lehrer den anderen nicht wiederfindet. So Sachen mach ich dauernd, dabei ist das ja noch lange kein Grund.

Nachdem ich am Sa weggelaufen bin, bin ich zu einer Freundin. die hat mir angeboten, bei ihr zu wohnen. Das wär ja eine gute Lösung, aber meine Mama erlaubt es nicht, sie sagt, dass ich noch zu jung bin um fast alleine zu wohnen.

Ich weiss echt nicht was ich tun soll, am liebsten wär ich einfach weg, aber es ist ja nocheinmal etwas anderes vom zu Hause oder der Schule wegzulaufen, als vor dem Leben.

Und ich hab noch ein Problem, innerhalb einer Woche bin ich dreimal in Ohnmacht gefallen, zweimal im Ausgang und einmal auf der Schultreppe. Es ist nichts passiert, aber das ist doch nicht normal. Samstag Nacht ging es sogar soweit, dass mich die anderen schon längst aus der Menge hinausbugsiert hatten, bevor ich wieder ganz da war. Davor weiss ich aber noch drei Dinge: *zum Glück hat mich jemand aufgefangen*, dann an der Treppe bin ich gestolpert, und irgendwann hab ich mich an einer Pflanze festgehalten. Dann weiss ich wieder alles. Komisch oder? Und das beste ist, das es immer dann passiert, wenn ich glücklich bin. Das verdirbt mir ja den ganzen Spass! Was kann ich tun?

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

jetzt musst du handeln

Liebe Melinda

beim Lesen deines Mails habe ich ganz stark das Gefühl bekommen, dass du am Auseinanderfallen bist. Nicht mehr nach hause gehen, das Weglaufen, die Alpträume, die Ohnmachten... mir scheint, es gerät alles immer mehr ins Schleudern.

Ich finde es ganz wichtig, dass du jetzt handelst. Es kann nicht sein, dass du immer noch mehr vor allem davon läufst!

Geh zu deinem Hausarzt und lass dich untersuchen, ob die Ohnmachten eine körperliche Ursache haben.

Die Sache mit der Wohngruppe würde ich mir trotzdem nochmals überlegen: ich frage mich, ob es wirklich darum geht, dass du dich dort wohl fühlst - oder ob du nicht einfach eine Zwischenlösung brauchst, die besser ist als zuhause. (Ob es das wäre, kannst nur du entscheiden...)

Weisst du, so wie du dich verhälst, provozierst du, dass irgendwann die anderen für dich entscheiden. Die Lehrer, weil du einfach abhaust. Der Arzt, weil du zusammenklappst. Oder die Mutter, weil du nicht mehr zuhause bist.

Ich finde, du solltest jetzt zu der erwachsenen Person gehen, zu der du am meisten Vertrauen hast und mit ihr zusammen eine Lösung finden, wie du aus dem Schlamassel heraus kommst. Sonst fällt alles irgendwann wie ein Kartenhaus zusammen und du kannst nicht mehr mitreden...

Renn nicht davon vor dem Leben! Nimm es in deine Hand.