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Habe mich abgekapselt

Hey. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich wirklich Hilfe brauche oder mir das nur einbilde, aber ich bin wirklich froh, dass ich die Seite hier gefunden habe..
In meinem Umfeld gab es innerhalb der letzten Jahre einige gröere Veränderungen in Freundeskreis und Familie, aber die ich nicht besonders glücklich war. Beispielsweise haben meine langjährige beste Freundin und ich uns sehr auseinandergelebt und es gab auch einige familiäre Todesfälle. Naja, darüber sollte ich eigentlich hinweg sein. Bin ich, glaube ich, auch, aber ich suche nach Gründen für mein eigenes Verhalten....
Irgendwie habe ich mich die letzten drei bis vier Jahre ziemlich abgekapselt von anderen Leuten und ich fühle mich ständig so niedergeschlagen.
Klar, Pubertät und durcheinandergebrachter Hormonhaushalt könnte man denken, aber es fällt mir schwer daran zu glauben, da dieses Unglücklichsein nichts zu tun hat damit, was ich gerade tue oder mit wem. Ist es normal sich inmitten von Leuten einsam zu fühlen? Oder von den Mitmenschen ständig so ermüdet zu sein? Irgendwie kann ich nicht anders, als ständig nur die Fehler der Menschen um mich herum inklusive mir zu sehen. Und diese ewige Oberflächlichkeit frustriert mich einfach. Generell erscheint der ganze Alltag mir so inhaltslos.
Ich habe zwar Freundinnen, die ich auf ihre Art auch liebe, aber ich habe nicht das Gefühl, dass auch nur ein Mensch um mich herum ohne mich schlechter dran wäre, als mit mir. Ich sage manchmal, wenn meine Freunde und ich uns treffen, die ganze Zeit fast gar nichts und niemand bekommt es mit. Und während andere sich einfach in das ganze Gesellschaftsgefüge einfügen, komme ich mir immer fehl am Platz vor. Und so merkwürdig.
Ich weine doch tatsächlich, während ich das hier schreibe... Wieder soetwas Sinnloses. Ich habe ja eigentlich gar keinen Grund zu weinen! Es ist nicht einmal so, dass ich gemobbt werde. In meiner Stufe gibt es niemanden, der mich hasst, aber ich nehme auch keine besonders wichtige Rolle ein. Die Leute denken alle, ich sei ganz nett und intelligent, aber das ist auch schon alles.
Abgesehen davon fehlt mir in letzter Zeit in der Schule jegliche Motivation. Dabei bin ich eigentlich richtig ehrgeizig. Schlechte oder durchschnittliche Noten machen mich zwar immer noch traurig, aber irgendwie motiviert mich das auch nicht, mich anzustrengen.  Wenn Leute etwas von mir erwarten, bewirkt das irgendwie eher, dass ich mir gar keine Mühe gebe, als dass ich mich mehr anstrenge. Ich hasse Erwartungsdruck.
Meine Familie bezeichnet mich mittlerweile als unsozial, weil ich nicht mehr Zeit als nötig mit ihnen verbringe und oft allein in meinem Zimmer bin, und das macht mir ein schlechtes Gewissen, aber zugleich ist es mir auch irgendwie egal. Ich halte es in der Nähe meiner Familie einfach nicht aus. Und ich bin auch nicht besonders gut darin, Interesse zu heucheln, obwohl mir die Dinge, die sie beschäftigen wirklich vollkommen egal sind. Ich fühle mich dann aber auch wieder schlecht, weil ich ihnen gegenüber so gleichgültig bin... Es ist so egoistisch, aber ich habe nicht die Kraft mich dagegen zu wehren.
Amüsant ist auch, dass alle denken, mir ginge es super. Sie bemerken es nicht einmal. Meine Familie denkt, ich sei ein interessiertes, aktives Kind, wenn auch der Familie gegenüber ein inakzeptables Verhalten an den Tag legend. Dabei fühle ich mich einfach LEER.
So, ich hoffe, mein Geschreibsel macht halbwegs Sinn und diese grässlichen Bandwurmsätze lassen sich auseinanderdrosseln... Ich bin wirklich gespannt auf die Antwort...

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

Stille Wasser sind tief

Liebe Marlene
Du bist eine sehr intelligente und interessierte junge Frau. Dein Fragen und Gedanken zeigen mir, dass du dich tiefgründig mit bestimmten Themen auseinandersetzt. Es genügt dir nicht nur ein bisschen an der Oberfläche zu kratzen. Die möchtest tiefer gehen. Gerade weil du so bohrst, bist du nicht zufrieden mit Oberflächlichkeit und findest auch keine schnellen Antworten auf deine Fragen. Aber nur weil du ruhiger bist, viel nachdenkst und manchmal lieber bei dir selbst bist, brauchst du keine Hilfe. Du selbst hast hohe Ansprüche an dich selbst. Diese sind berechtigt, aber schwer zu erfüllen.
Trotz deinem eher ruhigen Wesen, mögen und schätzen dich die anderen. Du wirst nicht gemobbt oder ausgeschlosse und hast trotzdem Freunde. Wenn du still bei den anderen sitzt, dann vielleicht weil du nachdenkst oder nicht genau weisst, was du sagen sollst. Es ist altersgemäss, dass man sich verloren fühlt und man keine Antwort auf den Sinn des Lebens hat. Man weiss nicht wer man ist, wer man sein will, wie man sich verhalten soll. Dieser Gestaltungsprozess, wo du herausfindest wer du bist, dauert lange. Er schüttelt dich hin und her und kann sogar dazu führen, dass du weinen musst. Diese Tränen sind nicht sinnlos, im Gegenteil, sie sind ei Zeichen, dass von echten Gefühlen und zeigen dir das du ein bewegter Mensch bist. 
"Stille Wasser sind tief" - Obwohl du schweigst hast du ein aufgewühltes und tiefgründiges Innenleben, voller Gedanken und Fragen. Die Verlorenheit, die du empfindest wird sich aber legen, wenn du nach und nach Antworten auf deine Fragen findest. 

Laura

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