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Freundschaften aufrechterhalten

Heyy ich bin in der Berufsschule und gerade ungeplant nochmal in eine neue Klasse gekommen. Irgendwie bin ich in einer richtig tollen Freundesgruppe gelandet, und das macht mich super glücklich! Diese Leute möchte ich auf keinen Fall verlieren, ich bin aber Autistin und habe keine Ahnung, wie man Freundschaften aufrechterhält. Wie kann ich in diese Freundschaft investieren, damit sie nicht auseinanderbricht, bevor wir uns näher kennenlernen? Das ist mir nämlich bisher immer passiert, ich kann supergut Leute ansprechen, aber der Rest scheitert meistens... Und wir sehen und halt auch nur 2 Tage die Woche, was die ganze Sache auch nicht einfacher macht...
Liebe Grüsse und vielen Dank schonmal für die Antwort!
Rebekka

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

Kleine Signale

Liebe Rebekka
Das klingt nach etwas sehr Wertvollem, das dir da gerade passiert. Und gleichzeitig ist es total verständlich, dass da auch Angst mitschwingt, gerade wenn du ähnliche Situationen schon anders erlebt hast.
Ganz wichtig zuerst: Dass du Freundschaften beginnen kannst, zeigt, dass du vieles richtig machst. Wenn es danach schwieriger wird, liegt das nicht an einem Fehler bei dir, sondern daran, dass Beziehungspflege oft unausgesprochene Regeln hat. Und genau die sind für viele autistische Menschen nicht intuitiv. Das ist keine Schwäche, sondern einfach eine andere Art, die Welt zu lesen.
Freundschaften bleiben meist stabil durch kleine, wiederkehrende Signale. Sie zeigen „ich mag dich“ und „du bist mir wichtig“. Das kann ganz einfach sein. Zum Beispiel kurz nachfragen, wie etwas gelaufen ist, worüber ihr gesprochen habt. Oder ein Meme, ein Foto, ein „musste grad an dich denken“, wenn man etwas erlebt. Es muss nicht tief oder besonders sein. Regelmässigkeit ist oft wichtiger als Intensität.
Du darfst auch du selbst sein, inklusive klarer Kommunikation. Zum Beispiel innerlich (oder auch offen): „Ich mag diese Leute und möchte dranbleiben, auch wenn ich nicht immer weiss, wie.“ Nähe entsteht nicht dadurch, alles richtig zu machen, sondern dadurch, echt zu sein. Menschen spüren das oft mehr, als wir denken.
Und noch etwas Wichtiges: Freundschaften dürfen sich langsam entwickeln. Dass ihr euch noch nicht sehr nahe seid, heisst nicht, dass es wieder etwas schiefläuft. Nähe braucht Zeit, gemeinsame Erfahrungen und Geduld.
Dass du dir darüber Gedanken machst, zeigt, wie viel dir diese Menschen bedeuten. Das ist die richtige Basis. Du musst nicht perfekt sein. Dranbleiben in kleinen Schritten reicht völlig.
Liebe Grüsse, Mika

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