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Erschöpft

Mir geht es seit Jahren nicht gut. Ich vertraue niemandem und wollte nie jemanden belasten, da meine Eltern sich kaum für mich interessieren. Statt mich mit Freunden zu treffen, musste ich immer auf meine 3 jüngeren Geschwister aufpassen. In der Schule hatte ich schon immer Panik vor Tests und dadurch Lernprobleme. [1]

Jetzt in der 7. Klasse wurde der Druck so hoch, dass es mir viel schlechter ging. Um mich zu schützen, lernte ich nur noch für das Wichtigste. Meine Kolleginnen sehen mich deshalb als faul an, weil sie die Hintergründe nicht verstehen. In Mathe bekomme ich immer einen Tunnelblick und ziehe mich vor Herausforderungen zurück.

Ich bin komplett überlastet, weshalb ich jeden anschnauze. Zu Hause gibt es nur Streit, meine Privatsphäre wird null respektiert und ich versuche allem aus dem Weg zu gehen. Überall bin ich die Enttäuschung. Meine Lehrerin nannte mich unsozial und mein Vater sagte, man brauche mich eh nicht, weil ich nur schlechte Laune verbreite.

Ich weiss nicht mehr weiter. Ich wache morgens erschöpfter auf als vor dem Schlafen und schlafe Nachmittage durch. Ich bin im Dauerstress, komme nie zur Ruhe und gehe von innen kaputt. Ich hoffe einfach nur, dass es irgendwie besser wird.

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

Diesen Weg nicht alleine gehen

Liebe Mila
Es klingt, als würdest du schon sehr lange sehr viel tragen. Wenn zu Hause kaum jemand für dich da ist, du viel Verantwortung übernehmen musst und gleichzeitig in der Schule unter Druck stehst, ist es verständlich, dass deine Kräfte irgendwann nicht mehr reichen. Dass du erschöpft bist, gereizt reagierst oder dich zurückziehst, bedeutet nicht, dass du faul oder unsozial bist. Du bist nicht schwach, sondern überlastet.
Du musst damit nicht alleine bleiben. Suche dir eine erwachsene Person, der du ein Stück weit vertrauen kannst. Das kann eine Lehrperson, die Schulsozialarbeit, der schulpsychologische Dienst oder eine andere Bezugsperson sein. Du musst nicht gleich deine ganze Geschichte erzählen. Es reicht, wenn du sagst: «Mir geht es schon länger nicht gut und ich brauche Hilfe.»
Versuche auch, dir im Alltag kleine Momente zu schaffen, in denen du kurz durchatmen kannst. Ein Spaziergang, Musik hören, lesen oder einfach zehn Minuten, in denen niemand etwas von dir will, können deinem Körper helfen, zwischendurch etwas zur Ruhe zu kommen.
Auch deinen Freund:innen gegenüber musst du nichts vorspielen. Wenn du magst, erzähle ihnen, wie es dir wirklich geht. Du musst dich für deine Situation nicht schämen. Du hast nichts falsch gemacht.
Und falls du merkst, dass die Verzweiflung immer grösser wird oder du das Gefühl hast, nicht mehr weiterzukönnen, hole dir bitte sofort Unterstützung, zum Beispiel bei einer Vertrauensperson oder der Die Dargebotene Hand (Telefon 143). Du hast das nicht verdient und du musst da nicht alleine durch.
Liebe Grüsse, Mika

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