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wirklich total verunsichert

Ich hab ein paar Fragen, die mich im Moment sehr beschäftigen, die ich mich aber niemandem Bekanntem zu stellen getraue...

--> Sind eigentlich solche Sachen wie Suizid, Drogensucht und Depressionen vererbbar oder genetisch veranlagt? ==> In meine Familie haben sich nämlich mein Vater, zwei Onkel und ein Urgrossvater das Leben genommen, sie alle hatten Depressionen. Ein weiterer Onkel hat es probiert und nahm Jahre lang Antidepressiva. Meine Mutter und mein Grossvater hatten auch Depressionen. Meine Eltern und eine Grosstante hatten Drogenproblem. Ich selber komme auch nicht immer so toll mit dem Leben klar. Wenn das nun schlimmer wird?

--> Kann das einen Einfluss auf das eigene Leben haben, wenn die halbe Familie gestorben ist oder sich selber das Leben genommen hat? ==> Bei mir sind nämlich mein Vater, 3 Onkel, meine Schwester (Fehlgeburt), 3 Grosstanten und alle Urgrosseltern gestorben. Und irgendwie... Ich hab ein Buch gelesen von einer die hatte Angst vor dem Sterben, weil so viele gestorben sind. Mir macht das aber eher Angst vor dem Leben.

--> Kann es vererbt werden komische, aussergewöhnliche Fähigkeiten zu haben? ==> Mein Onkel sagt mein Vater habe mehr gewusst als andere Menschen und Dinge gesehen die andere nicht sehen können. Dies hätte ihn seiner Meinung nach so belastet, dass er sich in Drogen gestürzt und schliesslich umgebracht hat. Er hat auch gesagt er denke, dass hätte unsere ganze Familie. Und irgendwie hat er vielleicht sogar recht. Ich nehme ziemlich viele Dinge wahr. Ich sehe aber auch Menschen die nicht da sind, spüre die Anwesenheit von "unsichtbaren" Lebewesen und höre herkunftslose Stimmen. Und das macht mir Angst. Ich habe nicht mehr das Gefühl, dass ich mir das bloss einbilde.

--> Was kann man tun, wenn einem erwachsene Menschen verunsichern, weil sie eim Dinge erzählt haben, die man wissen wollte? ==> Blöde Frage, ich weiss. Aber mein Onkel hat mich wirklich total verunsichert. Ich wollte Dinge über meinen Vater wissen, aber nicht so. Er hat mich überfordert. Und ich kann nicht damit ungehen. Ich zweifle seithet einfach an mir selber, statt meinen Vater besser zu verstehen.

Es gibt sicher noch mehr Fragen, aber für den Moment reicht es, sonst rege ich mich zu sehr auf. Wäre nett, wenn ihr vielleicht eine Antwort wüsstet...

Frage gestellt zu: Liebe, Sex und Freunde

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Hallo Lilofee

Einen geliebten Mensch zu verlieren, macht einen traurig. Und es braucht seine Zeit bis man diese Trauer überwunden hat. Verliert man einen nahe stehenden Menschen in jungen Jahren, so kommen danach unweigerlich Fragen nach der persönlichen Geschichte mit ins Spiel. Fragen nach dem Wer-bin-Ich, Woher-komme-ich und Wer-war-der-andere? Die eigene Lebensgeschichte verbindet sich mit der Familiengeschichte.

Du fragst ob Sucht oder Depression vererbbar sind. Die Fachwelt hat sich damit lange auseinandergesetzt. Heute ist sie der Meinung, dass Vererbung und Umwelteinflüsse auf die menschliche Entwicklung einwirken. Vererbbar ist zwar eine gewisse Veranlagung, was jedoch im Verlauf des Lebens nicht bedeuten muss, auch daran zu erkranken. Zu sehr spielen da auch das soziale Umfeld, die eigene Persönlichkeitsstruktur und Hilfeleistungen von Aussenstehenden mit. Ich spreche hier von Krankheit, weil Sucht und Depression dazu gerechnet werden. Und Krankheiten können heute behandelt werden. Suizid kann als Folge einer depressiven Erkrankung auftreten. In der Geschichte deiner Familie scheinen Depression und Sucht vermehrt vorzukommen. Was dich offensichtlich beunruhigt. Dennoch hast du die Möglichkeit, nebst dem du deine Familie würdigst, deinen eigenen Weg einzuschlagen. Denn du lebst Heute und im Hier und Jetzt. Eine Möglichkeit wäre, dass du mit einer Fachperson zusammen mal anschaust, was dich mit deiner Familie verbindet, wie du mit Traurigkeit umgehst und wo du deine eigenen Wege siehst. Eine Jugendberatungsstelle in deiner Wohnregion wäre hierfür ein guter Einstieg. Wichtig finde ich, dass du über deine Gefühle und Wahrnehmungen mit jemandem offen reden kannst.

Sprich auch über deine Gabe der Feinfühligkeit. Oder vielleicht magst du sie auch in einer anderen Art ausdrücken, wie malen, tanzen oder schreiben. Lass das Diffuse dadurch konkreter und begreiflicher werden. Bleib dran!